In Schoppen steht ein Wohnmobil für Hühner


„Ein Wunder, dass noch keine Unfälle auf der Straße passiert sind“, lacht Evelyne Mölter, eine der drei Frauen. Der mobile Stall hat die Form eines halben Dachstuhls auf Rädern. „Besonders zu Beginn, als wir noch keine Hühner hatten, stellten sich die Menschen schon die Frage, was das sein sollte“, erinnert sich Judith Michaeli. Im Dezember ist das Gefährt per Schwertransport in Schoppen gelandet. Eine Kurzschlusshandlung war der Ankauf sicherlich nicht. „Wir hatten schon länger die Idee, etwas gemeinsam zu machen. Ein Projekt, in dem alle Familienmitglieder einbezogen werden können im landwirtschaftlichen Bereich, erschien uns das Richtige. Während einer Studienfahrt nach Bayern sah Rainer Lentz zum ersten Mal einen mobilen Hühnerstall. Wir waren alle begeistert, nachdem er uns Videos aus dem Internet gezeigt hatte. Das Projekt war geboren: Hühnerhaltung und Bio-Eier“, so die drei Schwägerinnen. „Die lange Lieferzeit des Mobils von etwa einem halben Jahr haben wir genutzt, um uns mit den verschiedenen Behördengängen und Genehmigungen auseinanderzusetzen“, schildert die aus Medell stammende Sonja Huppertz. „Wir hätten nicht gedacht, dass wir auf so viele Auflagen achten müssen.“ Eine Baugenehmigung ist für das Hühnermobil nicht vonnöten, sehr wohl jedoch eine Umweltgenehmigung. Außerdem gilt es den Vorschriften der Föderalen Agentur für die Sicherheit in der Nahrungsmittelkette (Fasnk/Afsca) gerecht zu werden. „Wir besitzen genau 199 Hühner. Ab 200 Tiere werden die Auflagen seitens der Afsca aufwendiger.“

Doch warum haben sich die drei Paare für einen mobilen Stall entschieden? „Ganz einfach: zum Wohle der Tiere“, sagt Judith Michaeli. „Der große Vorteil des Hühnermobils ist die Beweglichkeit. Mithilfe des Traktors können wir den Anhänger dorthin versetzen, wo die Grasfläche grün ist. Alle zwei bis drei Wochen bewegen wir den Wagen. Wir könnten ihn auch auf ein anderes Feld fahren. Die Grasnarbe wird so nicht beschädigt und die Hühner müssen nicht auf verschlammten Stellen laufen und scharren, was besser für ihre Gesundheit ist und ihrem natürlichen Verhalten entspricht.“

Vom Hühnermobil der hessischen Familie Weiland zeigen sich die drei Schwägerinnen hellauf begeistert: „Es ist perfekt durchdacht. Es kann mit wenig Aufwand betrieben werden. Das Mobil beinhaltet zwei Etagen und unter anderem einen Wassertank, Sitzstangen und Legeneste, die von außen zugänglich sind. Die Eingangsklappen können sich automatisch öffnen und schließen. Auch fällt der Kot auf eine Art Band, das von außen angekurbelt und geleert werden kann. Darum kümmern sich aber die Männer“, lacht Evelyne Mölter. Jeden Tag ist etwas an dem Hühnermobil zu tun. „Wir haben einen Arbeitsplan aufgestellt. Jeden Tag schaut eine von uns nach den Tieren und sammelt die Eier ein.“ An intensiveren Tagen, wie beispielsweise beim Umstellen des Gefährtes und beim Befüllen des Futtertanks, packen alle mit an.

Der Ausbruch der Vogelgrippe in Belgien und die damit verbundene Stallpflicht machte der Familie direkt zu Beginn ihrer Aktivität zu schaffen. Alle Tiere mussten eingesperrt werden, um zu verhindern, dass sie in Kontakt mit Wildvögeln kommen. „Wir hätten die Hühner einfach in den Anhänger sperren können, wollten wir aber nicht. Daher haben wir ihnen eine kleine Grünfläche gelassen, die aber mit einem Netz abgedeckt sein musste, wie von der Afsca vorgeschrieben. Für uns war das natürlich mit Mehrarbeit verbunden, da die kleine Fläche schneller abnutzte und wir das Mobil somit öfter als sonst umsetzen mussten“, erklärt Judith Michaeli, die in dem Arbeitsaufwand die positiven Aspekte sieht: „Unsere Kinder packen tatkräftig mit an, egal bei welchem Wetter. Sie lernen, was es heißt, sich etwas anzuschaffen und dafür Verantwortung zu übernehmen.“

Die Schoppener haben sich für das kleinste Hühnermobil der Familie Weiland entschieden. Es bietet 225 Hühnern Platz. Laut Hersteller wurde erstmals ein solches Mobil nach Belgien verkauft. Wie von der Internetseite zu entnehmen ist, gibt es die Gefährte in viel größeren Ausführungen. Bis zu 1.200 Hühner finden im größten Hühnermobil Platz. „Wir wollen aber klein anfangen“, lacht Sonja Huppertz. Konkrete Pläne einer Erweiterung der Aktivität haben sie derzeit nicht.

Pro Woche legen die Hühner über 1.200 Eier. Das ist schon eine ganze Menge. „An Absatzmärkten mangelt es uns aber eigentlich nicht“, sagt Judith Michaeli. „Unsere Eier sind erhältlich im Terrenhof St.Vith, bei Gerald Kreitz in Bütgenbach, im Kaufhaus Erika in Heppenbach und bei Hof Peters in Emmels. Die Lieferungen übernehmen wir selbst.“ Außerdem sind die Eier erhältlich jeden Samstagmorgen zwischen 10 und 12 Uhr bei Judith Michaeli zu Hause (St.Anna-Straße 19 in Schoppen). „Bald werden wir auch ein großes Schild aufstellen, damit wir für die Vorbeifahrenden noch sichtbarer werden.“

Auf dem Banner wird sicherlich auch „Schoppener BioGut“ zu lesen sein. Diesen Namen haben sie ihrem Produkt nach einem gemeinsamen Brainstorming mit ihren Partnern gegeben. „Die Suche nach einem Namen war eine regelrechte Schwergeburt“, lacht Sonja Huppertz. „Als aber der Name Biogut fiel, waren wir alle gleich begeistert. Besonders aufgrund der Doppeldeutigkeit des Begriffs.“

Die Qualität der Bio-Eier würden die Konsumenten zu schätzen wissen, betont Sonja Huppertz: „Immer wieder sagen die Kunden uns wie lecker die Eier doch schmecken. Sie würden auch den Unterschied sehen. Die Eier würden wieder so schmecken, wie früher.“

Die Menschen seien daher auch bereit, etwas mehr für ihre Eier zu zahlen: „Wir sprechen ein bestimmtes Publikum an, das sich Gedanken macht und den lokal verankerten Ursprung der Produkte schätzt“, so Judith Michaelis. „Sie geben also gerne etwas mehr aus und wissen genau, woher ihre Lebensmittel kommen.“

Schoppener BioGut: St.Anna-Straße 19 -4770 Schoppen – Tel. 080/571970 – schoppenerbiogut@gmail.com

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