Gold für Stefan Weber



350 Arbeitsstunden hat der 40-Jährige in dieses Projekt eines Nachbaus im Maßstab 1:2 investiert. Das Resultat ist so überzeugend, dass das Festkomitee Kölner Karneval sich die Kreation für sein Museum sicherte. Dort ist der Brunnen ab Aschermittwoch zu sehen. Nur dreimal jährlich geht er „auf Reisen“: Anlässlich der großen Milijöhsitzung und des Sommerfestes der Willi Ostermann Gesellschaft (WOG) sowie zur Sessionseröffnung am Elften im Elften auf dem Heumarkt.

Immer wieder pilgerte Stefan Weber zum Maßnehmen zum Willi-Ostermann-Platz.

Doch nun der Reihe nach: Die Idee reifte bei einem Gartenfest in Raeren. Hier brachte Gastgeber Patrick Wertz seine WOG-Vorstandskollegen mit seinem Freund Stefan Weber in Kontakt. In Ostbelgien war der gelernte Zerspahnungsmechaniker früher bekannt als ein begnadeter Schöpfer von Karnevalswagenmotiven. Auf der Suche nach einer neuen Bühnendeko für die nächste Milijöhsitzung der Ostermann Gesellschaft erlebte das Brunnen-Projekt beim Grillen in Raeren seine Geburtsstunde.

Immer wieder pilgerte Stefan Weber in der Folgezeit zum Maßnehmen zum Willi-Ostermann-Platz nach Köln, wo das Denkmal seit 1939 steht. Unzählige Fotos wurden geschossen von dem Objekt, das Szenen aus den bekanntesten Liedern des Kölner Sängers und Heimatdichters (1876-1936) zeigt und 1939 eingeweiht wurde. Mit schier unglaublicher Liebe zum Detail entstand in der Weberschen Garage in Raeren die maßstabgetreue Nachbildung aus Holz und Styropor: 180 Kilo schwer und 2,30 Meter hoch. Sogar das Moos auf den Schultern von Tünnes und Schäl und Schmitze Billa findet sich wieder. Ebenso Laub, das am Tag des Maßnehmens auf dem Denkmal lag: Als besonderen Gag hat Stefan Weber diese Blätter sogar auf dem Platz gesammelt und nach Raeren exportiert. In der Endphase brachte eine Schwägerin sich in die Malerarbeiten mit ein. Freunde der Asteneter Flobertschützen halfen, das sperrige Objekt in die Domstadt zu transportieren und es dort im Hotel Maritim für die Milijöhsitzung in Position zu bringen. 1.600 Gäste würdigten das Kunstwerk am vergangenen Freitagabend mit Standing Ovations. „Alte Mitglieder unserer Gesellschaft hatten Tränen in den Augen“, berichtet der frühere Präsident des Kgl. Karnevalskomitees Raeren und Mitinitiator des Projekts, Patrick Wertz.

Das Festkomitee Kölner Karneval zögerte nicht, sich die Nachbildung als Leihgabe für sein Museum zu sichern.

Tränen in den Augen hatte auch Stefan Weber, als ihm für seinen ehrenamtlichen Einsatz der Goldene Brunnen verliehen wurde. Er ist erst der 16. Träger dieser Auszeichnung in der 50-jährigen Geschichte der Gesellschaft, die sich die Aufrechterhaltung des Andenkens an den legendären Willi Ostermann auf die Fahne geschrieben hat. Außerdem ist er der erste Nicht-Kölner oder „Immi“, wie die Einheimischen sagen würden.

Selber im Jahr 2007 Jubelprinz in Raeren, ist Stefan Weber heute nicht mehr in einem Karnevalsverein aktiv. Nur die Herrensitzung der Ostermann Gesellschaft lässt er sich seit Jahren nicht entgehen. Dort dürfte ihm nun für alle Zeit eine ganz besonderer Ehrenplatz sicher sein.

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