Ostbelgien im Rückblick: Johann Weynand ließ sich nie vom Wege abbringen



In seiner frühen Verantwortung als Gemeindesekretär in Elsenborn ab 1950 erwies sich Johann Weynand bereits als gewiefter Verwaltungsbeamter. Den Einsatz für das Wohl der Gemeinde hatte schon sein Vater Paul Weynand vorgelebt. Die Gemeinde musste ihn jedoch schon früh an die „hohe Politik“ abgeben. Hier wollte Johann Weynand, der samstags zu Hause Sprechstunden für viele besorgte Mitbürger abhielt, selbst an den Entscheidungen mitwirken. Die Christlich-Soziale Partei bot ihm Ende der 1960er einen Platz auf der Kandidatenliste für den Senat in Brüssel an. Weynand lieferte „die“ Überraschung mit 12.000 Stimmen. Das Mandat im Hohen Hause blieb ihm jedoch verwehrt. 1971 sollte es klappen. Diesmal wurden gar 14.000 Stimmen für ihn im Wahlbezirk abgegeben.

Den Sitz im Senat werde die Kooptation besorgen. Daran sei nicht zu zweifeln, verkündete vorher im GE selbstsicher CSP-Regionalpräsident Albert Gehlen. Dann griffen beide daneben. „Man ließ Johann Weynand fallen“, titelte das GE, nachdem es vorher selbstsicher gemeldet hatte: „Johann Weynand wird als CSP-Senator kooptiert.“

Es ergab sich, dass unter den flämischen CVP-Politikern einige den Ostbelgier wegen dessen Wehrmachtsdienst im Zweiten Weltkrieg ablehnten. Intrigen und Unzuverlässigkeit in der eigenen Partei versetzten der Politik in Ostbelgien schlechthin einen herben Schlag.

Die CSP knickte ein, doch der geschmähte Johann Weynand ließ sich nicht von seinem Wege abbringen. Vor allem als Präsident des Kriegsopferverbandes wollte er die nach Brüssel geknüpften Bande festigen. Von jedem Einzelschicksal wusste er am Telefon ausführlich zu berichten. Parteikarten hatten für ihn keine Bedeutung, wenn es galt, die immer wieder hinausgeschobenen Lösungen für die Kriegsopferfragen dort zur Tagesordnung zu bringen, wo die Entscheidungen fallen mussten.

Johann Weynand ließ sich in Brüsseler Kabinette berufen, weil er dort im Verein mit jungen Kollegen anderer Parteien Ostbelgienpolitik in Tagesarbeit voranbringen konnte. Er stand erneut zur Verfügung als Kabinettschef für Staatssekretär Willy Schyns. Als 1974 der Rat der deutschen Kulturgemeinschaft eingesetzt wurde, wählte dieser ihn zu seinem ersten Präsidenten – mit damals noch sehr bescheidener finanzieller Ausstattung.

Das Jahr 1977 begann Weynand als Bezirkskommisar in Malmedy – ein wie auf ihn zugeschnittenes Amt. Im Verband der Verkehrsvereine der Ostkantone, in der Kindertagesstätte Elsenborn, im Wirtschaftsausschuss, im belgisch-deutschen Grenzverkehr, immer wieder für die Kriegsopfer und in vielem mehr blieb er ein Vorbild für Tatkraft.

Wenn er seine Unterschrift vom linken bis hin zum rechten Rand des Briefbogens zog, war dies wohl auch ein Zeichen für die innere Gewissheit: Aufgabe erfüllt. (hw)

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