Klanghaus will ostbelgische Musik fördern



Philippe Reul, Paul Pankert und Christian Klinkenberg sind die drei musikalischen „Köpfe“, die hinter Klanghaus stecken und sich vor einiger Zeit zu dieser Vereinigung zusammengeschlossen haben, um die Produktion und Verbreitung ostbelgischer Musik zu fördern.

„Der Amateurbereich ist sehr gut organisiert, im Profi-Bereich fehlte eine Plattform“, sagen die drei Berufsmusiker und haben bereits die Erfahrung gemacht, dass es gemeinsam besser geht als alleine.

Ziel des „Produktionshauses“ ist es auch, junge Musiker zu motivieren, sich professionell zu engagieren. Einen Pool von Musikern aus Ostbelgien und der Euregio hat Klanghaus um sich geschart, um Projekte verschiedenster Art zu realisieren. Denn – das zeigt sich schon an der unterschiedlichen Arbeitsweise der Gründungsmitglieder – Klanghaus möchte auch für musikalische Vielfalt stehen. Und in diese geben die „Gründungs-Events“, die im Triangel und im Kulturzentrum Alter Schlachthof nun anstehen – wahrlich einen Einblick. Von „experimentellen Klangstudien mit Live-Elektronik“ über Jazz bis zu Pop-Arrangements für große Besetzung reicht das etwa anderthalbstündige Programm, das fast durchweg aus Kompositionen besteht, die auf das Konto der drei ostbelgischen Profi-Musiker gehen.

Beispiele gefällig? Als Weltpremiere wird „Fake Flutes“ von Paul Pankert an den beiden Abenden präsentiert. Inspiriert vom Begriff „Fake News“, nominiert als Unwort des Jahres 2017, hat der Eupener Komponist und Violinist dieses Experiment für Flöte und Live-Elektronik entwickelt. Er selbst sitzt dabei… vor dem Bildschirm, Anne Davids spielt die Flöte. „Das Instrument ist mit einem Mikro ausgestattet und der Klang wird durch einen Computer verarbeitet und mit verschiedenen Effekten ausgestattet“, erklärt Paul Pankert, der eben diese Effekte auslösen wird. Am Ende weiß der Zuhörer nicht mehr, was nun Flöte ist und was nicht, verrät der Komponist. „Fake Flutes“ wird nicht die einzige Weltpremiere an diesem Abend sein – und auch nicht das einzige Werk, das die Hörgewohnheiten ein wenig auf den Kopf stellt. „Streichquartett III“ heißt das Werk von Christian Klinkenberg, das ebenfalls auf dem Programm der Klanghaus-Abende steht. Der Musiker hat es im alternativen Tonsystem „Bohlen-Pierce“ auf einem von ihm selbst entwickelten Keyboard komponiert und dann für ein Streichquartett arrangiert. „Die Tonzusammensetzungen sind für uns neu“, erklärt er, dass er nicht mit der klassischen Oktave von Do bis Do arbeitet, sondern mit einer um weitere Töne erweiterten Skala. Inhaltlich setzt er in „Streichquartett III“ eine Fotoserie von Willi Filz um, die unter dem Titel „Souvenir du souvenir“ Aufnahmen von Friedhöfen zeigt.

Philippe Reul feiert mit seinem Werk „Pierre under the mango-tree“zwar keine Weltpremiere, aber dennoch eine „kleine Premiere“, denn erstmals wird es in dieser Besetzung präsentiert und nicht von einem großen Orchester. „Es ist in der Form jazz-orientiert, hat in der Melodie Pop-Elemente, eine afrikanische Rhythmik und eine klassische Instrumentierung“, beschreibt Philippe Reul, dass dieses Werk, das er zum Tod des Gitarristen Pierre Van Dormael komponiert hat, „alle meine musikalischen Erfahrungen vereint“.

Es wurde in Eupen durch den Saxofonisten Rhonny Ventat zusammen mit dem Belgischen Nationalorchester in Eupen uraufgeführt und wird nun in einem neuen Arrangement präsentiert. Das Klanghaus-Programm wird ergänzt durch weitere Kompositionen der drei Initiatoren, wobei zwischen den einzelnen Darbietungen Hans Reul, künstlerischer Leiter von OstbelgienFestival, entsprechende Erklärungen liefert.

Die beiden Klanghaus-Abende sollen nicht die letzten Events sein, die das Produktionshaus auf die Beine stellt. Auch wird man sich nicht auf Ostbelgien beschränken. „Wir haben schon die Erfahrung gemacht, dass wir nun ganz andere Möglichkeiten haben“, blickt Paul Pankert zurück auf die Belgian Music Days in Löwen Anfang des Monats, wo Christian Klinkenberg und er mit Vorträgen und musikalischen Beiträgen die ostbelgische Musiklandschaft vertreten haben. Mit dem Musiker-Pool, der sich nun um Klanghaus gebildet hat, steht zudem ein eigenes „Mini-Orchester“ mit professionellen Musikern zur Verfügung, mit dem die unterschiedlichsten Projekte realisiert werden können. „Wir haben nun viel mehr Möglichkeiten“, freuen sich die Gründer auf künftige Projekte – und auf ihre ersten Auftritte auf ostbelgischen Bühnen.

Klanghaus in der Region zu sehen

Sowohl in Eupen und St.Vith wird Klanghaus sozusagen als Gründungskonzert ein abendfüllendes Programm präsentieren.

Dieses findet am Freitag, 16. März, 20 Uhr, in Zusammenarbeit mit OstbelgienFestival und arsVitha im Triangel St.Vith statt.

Konzerttermin in Eupen ist Samstag, 17. März, 20 Uhr im Kulturzentrum Alter Schlachthof, hier in Zusammenarbeit mit Chudoscnik Sunergia.

Insgesamt sind 13 Musiker beteiligt: Claire Lecoq (Klavier), Rhonny Ventat (Saxofon), Paul Pankert (Violine), Anne-Sophie Lemaire (Violine), Vinciane Vinckenbosch (Viola), Jean-Pol Zanutel (Cello), Anne Davids (Flöte), Stephan Klinkenberg (Schlagzeug), Patrick Sporken (Trompete), Tim Daemen (Posaune), Christian Klinkenberg (Klavier), Philippe Reul (Klavier), Vedran Mutic (Bass)

Durch das Programm führt Hans Reul.

Eintrittskarten sind zum Preis von 16 Euro für Erwachsene bzw. 8 Euro ermäßigt online sowie an den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

Weitere Infos auch unter www.klanghaus.be

Sie möchten den kompletten Artikel lesen?
Solange die Coronakrise dauert 1 € pro Monat
Jetzt bestellen
Bereits abonniert?