Eifeler Horeca-Sektor profitiert vom Formel-1-Zirkus


Im Rodter Biermuseum machten Personal und Gäste am Mittwochabend große Augen. So hatte sich unangekündigt Prominenz unter die Anwesenden gemischt. Formel-1-Fahrer Daniel Ricciardo wählte das bekannte Lokal am Tomberg, um dem Trubel der Rennstrecke zu entkommen. Seine Wahl sollte sich als richtig erweisen. Wie die Verantwortlichen verlauten ließen, konnte der Red-Bull-Fahrer den Abend ungestört genießen. Zum Ende nahm er sich gerne die Zeit, mit den Anwesenden Fotos zu machen. „Eine äußerst angenehme Begegnung“, so der Tenor aufseiten der Verantwortlichen, die völlig überrascht waren, weil ansonsten nur wenig Fans oder Teammitglieder den Weg zur Skihütte finden.

Dass die Gemeinde St.Vith nur vereinzelt von der Formel 1 profitiert, meint auch Karla Henkes vom Hotel Wisonbrona. „Früher schliefen die TV-Teams bei uns, doch sind diese mittlerweile im neuen Hotel an der Rennstrecke untergebracht. Dieses Jahr sind vier Luxemburger bei uns. Ansonsten profitieren wir eher von den Radtouristen.“

Anders die Situation in Bütgenbach und Büllingen, wo die meisten Hotels dank Formel1 Vollbelegung zu verzeichnen haben. Das Haus Tiefenbach in Büllingen wird seit Jahren vom Rennstall Red Bull angesteuert. „Man kennt sich, weil die meisten schon länger dabei sind“, erzählt Helmut Lux. „Abends sitzen die Mechaniker zusammen an der Theke. Andere nutzen unser Wellness-Angebot und machen Sport. Tagsüber ist die Crew unterwegs.“

Das Hotel-Restaurant Bütgenbacher Hof wurde vom Rennstall Force India in Beschlag genommen. „Das hat schon eine gewisse Tradition“, erzählt Besitzer Thorsten Maraite. „Das Team kommt schon über 15 Jahre zu uns. Auch schon zuvor, als es noch Jordan war. Die Kontakte sind gut.“ Etwas Sorge hatte Maraite, als vor einem Monat Meldungen zur Insolvenz von Force India die Runde machten. Seitdem läuft der Betrieb im Rennstall allerdings weiter.

Die Mechaniker lassen sich davon nichts anmerken und nehmen ihre gewohnten Plätze im Hotel ein. Über 50 an der Zahl nächtigen im Bütgenbacher Hof. „Für uns ist es eine gute Woche. Mehrarbeit bedeutet der Aufenthalt eigentlich nicht, da das Team tagsüber an der Rennstrecke ist und am eigentlichen Rennwochenende nur zum Schlafen zurückkommt.“

Dafür nutzt die Crew den Wochenanfang, um abends einige gesellige Stunden zu verbringen. Meist führt ihr Weg zum naheliegenden Café The Pub. „Als ich den Pub vor 18 Jahren eröffnet habe, fühlten sich die Teammitglieder gleich angezogen. Schließlich kennen die Engländer Pubs aus ihrer Heimat“, so Marc Steffens. „Über die Jahre sind viele Freundschaften entstanden.“ Was die Mechaniker am Café The Pub schätzen? „Die Unterhaltung. Wir haben immer großen Spaß. Jedes Jahr stellen wir einen Nagelbock auf. Daher nennen uns die Teams in ihren Kreisen auch nur noch ‚The Nailbar‘. Über 50 Kilogramm Nägel schlagen die Männer ein.“

Marc Steffens kann sich an einige durchzechte Nächte erinnern. Lange im Gedächtnis wird wohl das Jahr 2009 bleiben. Damals holte Giancarlo Fisichella überraschend die Pole-Position für Force India, einen Tag später sorgte der Italiener mit Rang zwei für den ersten Podestplatz des Rennstalls. „Einige haben bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Es wurde schon fast hell“, erinnert sich Steffens lachend.

Bis zu 30 Leute aus dem F1-Zirkus verweilen abends in der Kneipe. Ab und an gesellen sich Pirelli-Mechaniker, die im Seehof übernachten, Verstappen-Fans aus der Umgebung oder Dänen hinzu. Letztere logieren schon einige Jahre im Zentrum Worriken. Wie Geschäftsführer Björn Pfeiffer erklärt, sei das Formel-1-Wochenende ein äußerst wichtiges. „Jahr für Jahr finden viele Fans den Weg zu uns. Es hat sich eine gewisse Stammkundschaft entwickelt. Unsere Gäste aus Dänemark beispielsweise mieten mehrere Chalets und Zimmer im Sporthouse.“

Worriken muss am kommenden Wochenende eine Zweifachbelastung schultern. Schließlich ist das Zentrum am Sonntag Zielort des elften Oxfam Trailwalkers. „Das dürfte kein Problem darstellen. Letztes Jahr fungierten wir bereits als Startort. Der Aufwand dürfte in diesem Jahr etwas weniger werden, da die Gruppen nicht alle auf einen Schlag ankommen. Es verteilt sich über den ganzen Tag. Im letzten Jahr waren samstags über 1.500 Menschen gleichzeitig hier. Das macht sich schon bemerkbar.“ Für die Formel-1-Fans sind durch den Trailwalker keine Beeinträchtigungen zu erwarten, verspricht Pfeiffer. „Sowieso brechen die Fans unmittelbar nach dem Frühstück gegen 8.30 Uhr zur Rennstrecke auf und kommen erst abends wieder zurück.“

Die Tourismusagentur Ostbelgien weiß um den Mehrwert der Formel 1 für die Region: „Alle Hotels, insbesondere in den Nachbargemeinden, profitieren von diesem Großereignis“, zeigt sich Claudine Legros überzeugt. Dass in gewissen Hotels der Preis angehoben werde, könne nicht verwerflich sein: „So ist das in der freien Wirtschaft. Die Hochsaison ist auch teurer als die Nebensaison. Die Nachfrage bestimmt den Preis.“

Dass der Formel-1-Tourismus sich nicht auf das eine Wochenende im Jahr beschränkt, weiß Marc Steffens zu bestätigen: „Es haben uns auch schon Mechaniker oder Fans während des Jahres mit ihren Familien besucht. Das zeigt, dass sie unsere Region zu schätzen wissen.“