Gemeinderatsopposition: „Das Elsenborner Trinkwasser ist nicht konform“



Darauf weist die Oppositionsfraktion des Gemeinderates die Elsenborner Bevölkerung auch in einem Rundschreiben hin, das in dieser Woche alle Haushalte erreicht.

„Ausnahmegenehmigung für zu niedrigen pH-Wert ist seit Oktober 2015 ausgelaufen.“

Das Elsenborner Trinkwasser sei zu sauer und des Öfteren bleihaltig. Das hätten von einem anerkannten belgischen Labor in verschiedenen Elsenborner Haushalten in der Wirtzfelder Straße entnommene Wasserproben inzwischen nachgewiesen. In einem Fall habe der Bleigehalt des Wassers den zulässigen Grenzwert sogar um das 21-fache überschritten. „Wir haben das Problem mit dem Elsenborner Trinkwasser schon mehrfach im Gemeinderat angesprochen, fühlen uns von der Mehrheit aber nicht ernst genommen“, sagte der Fraktionsvorsitzende Elmar Heindrichs am Dienstagabend in einem Pressegespräch.

Generell stelle sich beim Trinkwasser in Elsenborn das Problem eines zu niedrigen pH-Werts. Dafür habe die Gemeinde von der zuständigen Aufsichtsbehörde eine Ausnahmegenehmigung erhalten, die aber bereits seit Anfang Oktober 2015 ausgelaufen sei. „Eine Verlängerung dieser Ausnahmegenehmigung ist im Übrigen auch nicht mehr möglich, weil sie laut Gesetz nur drei Mal für drei Jahre beantragt werden kann. Aber statt dem Problem auf den Grund zu gehen, lässt der zuständige Schöffe die Sache einfach laufen – angeblich mit mündlicher Zustimmung seitens der Behörden. Ein Schriftstück dazu gibt es in der Gemeindeverwaltung nicht“, so Ratsmitglied Edgar Fink.

Nicht nachvollziehbar ist aus Sicht der Gemeinderatsopposition, warum die Elsenborner Haushalte bis heute noch nicht mit Wasser aus der in der Ortschaft selbst gelegenen Aufbereitungsanlage versorgt werden.

Bereits im Juli 2015 habe man dies im Gemeinderat angesprochen. Die Antwort des zuständigen Schöffen Paul Hermann („Wir sind doch nicht so blöd und schließen die Ortschaft Elsenborn daran an und haben dann nicht genug Wasser“) lasse in diesem Zusammenhang tief blicken. Sie ist aus Sicht der Gemeinderatsopposition Ausdruck der jahrelangen Fehlplanung der Mehrheit in Sachen kommunale Trinkwasserversorgung.

Nach jetzt vorliegenden Informationen soll die Ortschaft Elsenborn bis Ende 2016 an die Aufbereitungsanlage angeschlossen werden. „Das heißt also im Umkehrschluss, dass das Elsenborner Trinkwasser während 15 Monaten nicht den gesetzlichen Normen entspricht.“

„Zu hoher Bleigehalt kann hochgradig gesundheitsgefährdend sein.“

Ein echtes Problem sei, dass bei einer im April 2016 entnommenen Probe ein zu hoher Bleigehalt im Wasser festgestellt wurde. „Danach hätte der Bürgermeister – so wie im Gemeinderat angekündigt – umgehend eine Gegenanalyse veranlassen müssen. Das ist aber nicht geschehen. Man hat dafür fünf Wochen gewartet und somit möglicherweise in Kauf genommen, dass das Trinkwasser während Wochen mit einem zu hohen Bleigehalt belastet war.“

Wenn man wisse, dass Blei hochgradig gesundheitsgefährdend sei und zum Beispiel Nervenkrankheiten auslösen könne, sei damit beileibe nicht zu spaßen, so Elmar Heindrichs. Doch statt der Problematik mit der gebotenen Sorgfalt zu begegnen, komme vom Bürgermeister im Gemeinderat nur die flapsige Antwort: „Ich kann der Elsenborner Bevölkerung ruhigen Gewissens sagen, dass das Trinkwasser genießbar ist.“

Die Bütgenbacher Opposition hat die zuständige wallonische Behörde inzwischen über das Ergebnis der von ihr veranlassten Wasserprobe informiert: „Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten“, so Elmar Heindrichs. „Schon zwei Stunden später wurde mir mitgeteilt, dass man die Gemeinde zu einer umgehenden Gegenanalyse auffordern werde.“

Fakt sei aber seit jeher, dass die Bürger ein Anrecht darauf hätten, mit konformem Trinkwasser versorgt zu werden. „Für uns stellt sich nun die Frage, ob die Gemeinde das verteilte Wasser überhaupt in Rechnung stellen kann. Könnten die Bürger gegebenenfalls klagen? Könnte gegebenenfalls eine Sammelklage auf die Gemeinde zukommen? Dies umso mehr, da der auf der jährlichen Wasserrechnung angegebene Grenzwert von 25 Mikrogramm pro Liter für Blei veraltet ist. Bereits seit dem 22. Dezember 2013 gilt ein niedrigerer Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter.“

„Die Gemeinde muss sofort Ursachenforschung betreiben.“

Man stelle in diesem Zusammenhang fest, dass die Gemeinde ihrer gesetzlichen Informationspflicht gegenüber dem Bürger nicht nachkomme. Und so könne es selbstverständlich nicht weitergehen. „Schließlich ist Trinkwasser ein Grundnahrungsmittel und bedingt von der Gemeinde als Trinkwasserlieferant einen absolut sorgsamen Umgang zum Schutz der Bevölkerung.“

Man fordere deshalb vom Gemeindekollegium, nach überhöhten Werten nicht einfach Gegenanalysen zu veranlassen, bis sich der Wert von selbst reguliere, sondern Ursachenforschung zu betreiben. „Die wiederholt aufgetretenen überhöhten Bleiwerte im Elsenborner Wasser müssen unbedingt genauer analysiert und dem Problem auf dem Grund gegangen werden. Das sind wir unseren Bürgern schuldig.“

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