Ostbelgien und der Wolf: Geht das?


Möglicherweise ist schon einer, vielleicht auch zwei nachts durch das Hohe Venn gestreift. Und wieder verschwunden. Irgendwann könnte ein erstes Rudel hier ansässig werden. Darüber sind sich die Experten einig. Und dann kann es schnell gehen. Davon wissen Experten wie Betroffene zu berichten.

Und genau hier gehen die Meinungen auseinander. Während die einen die Rückkehr des Wolfes nahezu frenetisch begrußen und kaum erwarten können, warnen andere vor dem Wolf. So der aus Weckerath stammende und in der Schweiz beheimatete Georges Stoffel. Er betreibt dort eine Alm und weiß von Wölfen zu berichten, die Herdentiere reißen, aber auch nachts durch die Bergdörfer auf der Suche nach einfacher Beute streifen. Oder deren Nachwuchs sich in der Jagd an den Dorfkatzen trainiert.

Stoffel warnt aber – und das wird sicher einige in Ostbelgien hellhörig machen – von der schwierigen, wenn nicht unmöglichen Koexistenz von Wolf und Weidewirtschaft, wie sie hierzulande betrieben wird. Landwirte in vergleichbaren Regionen in Italien oder den französischen Vogesen berichten regelmäßig von Übergriffen von Wölfen auf ihre Schafs-, Ziegen- oder Rinderherden. Und das trotz massiver Schutzmaßnahmen wie speziell ausgebildeten Schäferhunden und Schutzzäunen. Entschädigungen für gerissene Tiere sei das eine, der Gesamtschaden für verängstigte Herden oder Touristen ein anderes.

Stoffel fordert, dass der Wolf, wenn er selbst jagt, auch gejagt werden können muss. Das verbietet aber die EU-Gesetzgebung. Der Almbetreiber und seine Mitstreiter fordern daher, die EU-Gesetzgebung der Realität anzupassen. Schaut man sich die Landkarte an, die von den Befürwortern der Wiederansiedlung des Wolfes vorgelegt wird, so könnte unsere Region eventuell als Lebensraum für den Wolf infrage kommen. Wenn der Wolf sich in den Wäldern zwischen Eifel und Ardennen ansiedeln will, kann man ihn kaum daran hindern. Der Wolf ist und bleibt aber ein wildes Tier, eines mit einem immensen Aktionsradius: Wölfe können in einer Nacht spielend 50 Kilometer zurücklegen. Der Wolf hat ein Anrecht auf einen angemessenen Lebensraum. Auf der anderen Seite gilt es, die legitimen Interessen der Landwirte zu berücksichtigen. Wölfe, die in Mülltonnen nach Nahrung suchen oder Dorfkatzen jagen, möchte ich mir nicht vorstellen. Als Kind haben die Gebrüder mir Angst vor dem Wolf gemacht. Daraus ist Respekt vor einem nahezu perfekten Jäger geworden. Den möchte ich auch behalten und nicht auf dem Altar blauäugigen Romantismus geopfert sehen.