Von himmelhoch jauchzend bis sprachlos

St.Vith

Der Frauenchor „Canto Allegro“ war es, der am frühen Samstagnachmittag den insgesamt anderthalb Tage dauernden Einstufungswettbewerb eröffnete. Bis zum Sonntagnachmittag sollten insgesamt 450 Sänger und Sängerinnen in 15 verschiedenen Ensembles im Rahmen dieses vom Verband Födekam organisierten Wertungssingens auf der Bühne des Triangels sich dem Urteil von Dieter Staelens (B), Camille Kerger (Lux) und Thomas Krämer (D) stellen (siehe auch Seite 7). Eines sei vorweggeschickt: Als „sehr kritisch“ wurden diese drei Musik-Experten durchweg von den Ensembles bezeichnet. „Hier ging es nicht darum, ostbelgische Chöre zu bewerten, sondern sich einer Jury zu stellen, die auf internationalem Niveau bewertet“, bilanzierte beispielsweise Jean-Luc Rousseau am Samstagabend.

Für ihn persönlich und seine 25 Sänger vom Kgl. Kirchenchor St. Johann Maldingen, eingestuft in der zweiten Kategorie, lief diese Bewertung auf ein Resultat hinaus, das zunächst noch im Triangel, später dann in Maldingen gefeiert werden konnte. Stolze 83,3 Prozent vergab die Jury und damit eine deutliche Steigerung im Vergleich zu 2015, als die Sänger aus Maldingen 75,30 Prozent für sich verbucht hatten. „Wir genießen das Resultat“, freute sich Jean-Luc Rousseau, der seit zwei Jahren in Maldingen im Amt ist und zwar schon auf einige Erfahrung in Sachen Einstufung zurückblicken kann, aber erstmals mit einem Chor teilgenommen hat. „Ich hatte mir persönlich ein Ziel gesetzt, das ich allerdings den Sängern nie genannt habe. Wir haben es erreicht“, war der Dirigent mehr als zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. „Alle waren sehr motiviert und wollten es anpacken“ - und das war dann auch schon ein großer Teil des Erfolgs, glaubt er.

Motiviert und engagiert waren auch die 25 Sänger des Kgl. Männerquartetts Recht unter Leitung von Darinka Theissen, nur hier hat es nicht so gut geklappt. Mit 65 Prozent wurde der Chor nicht in der ersten Kategorie bestätigt. „Wir müssen das Resultat jetzt so hinnehmen und damit leben“, so die 22-Jährige, die erst vor einem Jahr die Leitung des Chors übernommen hat. Natürlich seien alle enttäuscht, aber weder sie noch die Sänger wollten sich von der Bewertung entmutigen lassen: „Wir wissen, wo wir ansetzen müssen und darauf bauen wir nun auf. Das muss uns erst mal einer nachmachen, was wir in den letzten Wochen geleistet haben“, lobte sie das Engagement der Sänger, die teilweise zwei bis drei Mal pro Woche geprobt hatten und dies in voller Besetzung. „Ich bereue keine einzige Probe. Der Aufwand hat sich doch gelohnt, wenn man sieht, wie groß der Zusammenhalt und das Teamgefühl nun sind“, so Darinka Theissen. Mit der neuen Dirigentin hatte es vor einem Jahr einen Neustart gegeben, zuvor sei die Probenbeteiligung und das Engagement doch überschaubar gewesen. Die Rechter Sänger kamen am Samstag nach der Probe alle noch im Vereinslokal zusammen: „Und sie haben mir deutlich gezeigt, dass sie zu 100 Prozent hinter mir stehen“, so die Dirigentin.

Eher sprachlos nahm ihr Kollege vom Kgl. Männergesangverein Marienchor Eupen, Paul Voncken, den Jury-Entscheid zur Kenntnis. 76 Prozent hatten die Männer am Samstag in der Exzellenzklasse ersungen. Bei der letzten Einstufung 2015 waren es 80,9 Prozent gewesen. „Es war schon klar, dass es nicht 90 plus war. Aber unter 80 Prozent? Das hat bei uns niemand verstanden“, so ein enttäuschter Paul Voncken. Vor einem Jahr hat er die Leitung des Männergesangvereins übernommen und weiß ganz gut, „wo die Schwächen sind“. „Ich bin dennoch sehr stolz auf die Sänger. Das Resultat macht mich aber sprachlos“, sagte er und wartet nun gespannt auf den Jury-Kommentar.

Roland Kransfeld, der Dirigent des Männergesangvereins Cäcilia Mürringen, zog sich am Samstag gleich nach Bekanntgabe der Resultate nach Hause zurück. Dies aber aus dem alleinigen Grund, dass er am Sonntag zwei Konzerte auf dem Programm hatte und fit sein wollte: „Die Sänger sind noch unterwegs und feiern. Im Herzen bin ich bei ihnen“, sagte er am frühen Samstagabend.

Dirigentin verdrückte vor Freude sogar ein Tränchen.

Vor vier Jahren hatte der Chor nach einer schlechten Erfahrung bei der Einstufung nicht teilnehmen wollen. Jetzt wurden die Sänger mit 73,9 Prozent in der zweiten Kategorie für ihren Mut belohnt. „Die Punkte, das ist so eine Sache. Für mich sind die Kommentare der Jury wichtiger und diese werden uns helfen, weiterzukommen.“

Mit der musikalischen Leistung seines Chors war Roland Kransfeld sehr zufrieden. „Unser Ziel war es, das Beste zu geben. Mit den ausgewählten Stücken war die Latte ziemlich hoch gesetzt“, so seine Bilanz. Unter anderem hatte der Männerchor „Engel“ von Rammstein als Wahlwerk vorgetragen. Auch Sabine Hickmann, Dirigentin des Männergesangvereins Cäcilia Raeren verdrückte bei der Bekanntgabe der Resultate sogar ein Tränchen: „Wenn wir mit drei Stücken 80 Prozent schaffen, dann bin ich zufrieden“, hatte sie sich im Vorfeld gesagt. Letzten Endes wurde es sogar ein bisschen mehr als das. „Das hatten wir so nicht erwartet. Aber die Männer haben auch toll gesungen. Sie waren konzentriert und auf den Punkt“, so die Dirigentin. Der Frauenchor Canto Allegro, der in der zweiten Kategorie antrat, konnte das Ergebnis von 2015 mehr oder weniger bestätigen.

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