Große Emotionen bei den Kleinen

Eupen

„Ich war vom Gesang der Kinder so berührt, dass ich Gänsehaut bekommen habe“, sagte Juror Patrick Vaessens. Die vier Kinderchöre, die am Samstag die Josefskirche in der Unterstadt mit Leben erfüllten, zeigten, dass es auch beim Nachwuchs qualitativ hochwertigen Gesang gibt.

Als der Raerener Kinderchor mit seinem Einstufungsprogramm fertig war, flossen bei vielen Müttern und Begleitern die Freudentränen. Die jungen Sänger von sieben bis 17 Jahren zeigten buchstäblich alles, was die Vokalmusik zu bieten hat. In die Renaissance ging es mit dem Weihnachtslied „Maria durch ein Dornwald ging“ mit klaren Stimmen, sauberer Mehrstimmigkeit und kräftiger Dynamik. Viel aktueller ist der Hit „Nummer Eins“ von Chris Cronauer von 2017. „Ich bin so stolz auf euch, ihr wart super“, rief dann auch eine begeisterte Iris Wynands „ihren“ Kindern zu. Der Spaß müsse im Vordergrund stehen, erst dann komme die Technik dazu, erklärt die Chorleiterin das Geheimnis des Erfolges des 30 Mann starken Chores. Denn ohne Spaß geht es nicht. Mira (11) von den CHORallen aus Burg Reuland haben es besonders die deutschen Lieder angetan. „Sie singt den ganzen Tag“, sagt die Mutter.

„Für mich war das Solo überhaupt nicht schwierig“, sagt Valentin. Ohne jedes Lampenfieber bei der vollbesetzten Kirche hat die Neunjährige aus Ligneuville ihr Solo hinter sich gebracht. Auch ihre Schwester Aurelie hat ihren Part mit klarer Stimme gesungen. Vera Genten setzt bei den kleinen Sängern des Chores Kinderstimmen aus St. Vith auf Choreographie und Bewegung. Zu „Sing“ des Sesamstraßenkomponisten Joe Raposo hatten sich die kleinen Sänger Melone und Spazierstock geschnappt und bewegten sich zur Musik. Schon beim Eingangsstück „Ode du printtemps (Sylvain Dedenon) hatten die Kinder Blumen dabei.

Die „Kinderstimmen“ sind vom Alter her jünger als die Raerener und hatten daher etwas mit der Akustik der Kirche zu kämpfen. Stimmen jüngerer Kinder sind eben nicht so kräftig, sodass es die Zuhörer in den hinteren Reihen etwas schwer hatten, den sehr feinen und differenzierten Gesang der Eifler Kinder zu hören. Gesanglich waren sie dennoch souverän und konnten auch komplexere Rhythmen wie das indianische „The earth is our mother“ bewältigen.

Der Umgang mit Sprachen ist eine Stärke jedes ostbelgischen Kinderchores. Fremdsprachige Lieder sind einfach selbstverständlich, egal, ob es die gebräuchlichen wie Französisch und Englisch sind oder das Kirchenlatein bis hin zu afrikanischen Volkssprachen. So hatten die CHORallen aus Burg Reuland gleich am Anfang ein kongolesisches Volkslied präsentiert.

Nach dem Konzert warteten Yannis und die anderen des Eupener Knabenchores bei einem leckeren Muffin auf die Ergebnisse. „Wir sind richtig zufrieden“, sagt der Zehnjährige. „Ich fand, es klang wunderbar“, sagte auch Dirigent Dieter Gillessen, der stolz auf sein Ensemble ist. Die Eupener Knaben brachten jedenfalls mit allen vier Stimmlagen den größten Tonumfang mit. Vom hohen musikalischen Können zeugten hier die Interpretationen des passend zur Osterzeit gesungenen „Misericordias Domini“ (Henryk Jan Botor) und des „Panis Angelicus“, des Lobliedes auf die Eucharistie von César Franck. Aber auch hier ist ein breites Repertoire, das mit dem Negro Spiriual „Joshua fit the battle of Jericho“ auch den flotten Rhythmen ihren Raum ließ. Die Aktualität des Programms war nicht nur an den geistlichen Liedern sichtbar, sondern auch am mit dem als Europahymne bekannten Schlusschor von Beethovens neunter Symphonie („Freude schöner Götterfunken“) deutlich gemachten Bekenntnis zu unserem Kontinent.

Die Jury war jedenfalls beeindruckt. „Es ist ein hohes Potenzial vorhanden“, sagte Jurorin Marleen Everink. „Ich hoffe, wir konnten helfen und gute Anregungen geben“, sagt sie.

Ergebnisse der Einstufung: CHORallen: B; Raerener Kinderchor: A, Kinderchor Kinderstimmen: A, Eupener Knabenchor: A

www.grenzecho.net/fotos

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