Sealtech aus Eynatten: „Ein kleines ostbelgisches Amazon haben wir hier!“

Eynatten

Die 29-jährige Catherine Schoonbroodt, Tochter des Firmengründers Philippe Schoonbroodt, empfängt uns für unseren Interviewtermin im neusten Gebäude der Sealtech-Familie - und zwar in den modernen Räumlichkeiten von „Sealclick“. Aber, beginnen wir mit den Anfängen des Unternehmens.

Firmenvater Philippe Schoonbroodt war in den 90er-Jahren in Verviers im Reparaturbereich tätig und erkannte, dass es einen Mangel an hydraulischen Dichtungen für diverse Anwendungen und Instandsetzungen gab. Aus dieser Feststellung und einer gewissen Not heraus kam er auf die Idee, einen Betrieb für die Produktion und den Verkauf von hydraulischen Dichtungen zu gründen.

Als Standort wählte er damals die Gemeinde Raeren aus – der Liebe wegen. Aus dem anfänglichen kleinen Familienbetrieb mit nur wenigen Angestellten ist mittlerweile ein Mittelständler mit knapp 30 Angestellten geworden. Sealtech darf sich heute als erstes europäisches Unternehmen mit einem innovativen E-Business-System für den Vertrieb hydraulischer Dichtungen bezeichnen.


„Jeden Tag setzen wir alles daran, um diese bedeutende Rolle beizubehalten und an der Spitze der Innovation mitzuschwimmen“, so Catherine Schoonbroodt.

Mittlerweile bietet Sealtech eine umfangreiche Produktlinie von hydraulischen Dichtungen mit ca. 30.000 Artikel an, gelagert auf einer Fläche von rund 4500 m². Statische, hydraulische und pneumatische Dichtungen sowie Rotationsdichtungen und Gleitlager werden hier angefertigt und in die ganze Welt hinaus exportiert.

Mit seinen neun CNC-Maschinen ist der Betrieb extrem flexibel im Bereich der Materialien und Dimensionen und kann Anfertigungen bis zu einem Durchmesser von 1,5 Metern anbieten. Die Kreativität und Innovation der in Eigenregie entwickelten Produkte, der Online-Vertrieb, die digitale Evolution, gepaart mit einem ausgeprägten Sinn für Nachhaltigkeit und Umweltschutz, machen heute die Stärken des ostbelgischen Betriebs aus.

Sealclick - das digitale Warenlager 4.0

Catherine Schoonbroodt, verantwortlich für die Bereiche Einkauf und Personal, berichtet in unserem Gespräch stolz von einer der neuesten technologischen Entwicklungen des Unternehmens: Sealclick. Im firmeninternen Jargon wird Sealclick schon als das „kleine ostbelgische Amazon“ bezeichnet und beim Betreten der neuesten Halle des Betriebs wird auch ziemlich schnell klar, warum. Vor uns steht ein großer Lagerlogistik-Roboter, sozusagen ein mehrstöckiges Kommissionierungssystem. Auf diesem fahren insgesamt fünf kleine Roboter, sogenannte „FTFs“ (fahrerlose Transportfahrzeuge) auf einem Schienensystem herum und suchen, transportieren und kommissionieren eigenständig und vollautomatisiert die einzelnen Artikel für die eingegangenen Bestellungen. Die Roboter bringen die gesammelten Teile dann anschließend zu den Mitarbeitern. Diese können sich somit voll und ganz u.a. auf das Verpacken und Versenden der Waren konzentrieren.


„Die Lagerhaltung und -abwicklung soll dadurch effizienter und die Arbeit für unsere Mitarbeiter einfacher und angenehmer werden.“ Catherine Schoonbroodt

Die Prozesse innerhalb der gesamten Sealclick-Kette laufen automatisiert und vernetzt ab. Das alles erinnert wirklich stark an die Videos, die einem in Bezug auf Amazon und seine vollautomatischen Logistikzentren bekannt sind. Die Digitalisierung verändert die Logistik nachhaltig – und das hat auch Sealtech verstanden und sich dementsprechend gewappnet. Die hier eingesetzte digitale Technologie beschleunigt Prozesse und ermöglicht eine Reduzierung der Fehlerquote. Aspekte, die in Zukunft unerlässlich sein werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

E-Business-Lösung ist Sealtech‘s „Steckenpferd“

Neben dem beeindruckenden Lagerlogistik-Roboter laufen aber auch weitere innovative Entwicklungen in dem Eynattener Betrieb auf Hochtouren. So beispielsweise die Anschaffung eines fahrenden Roboters, der die angelieferte Ware vom Logistiklager über die Straße in die Produktion befördert, oder eben die stetige Weiterentwicklung und Optimierung der E-Commerce-Plattform „E-Business“. Über 60 % der Bestellungen gehen heutzutage bei Sealtech schon online ein, meistens von Händlern, Reparateuren oder Konstrukteuren, den Hauptkundengruppen des Betriebs.

Die E-Business-Website, die mithilfe einer externen IT-Firma implementiert wurde und firmenintern von einer Mitarbeiterin tagtäglich eng begleitet wird, ermöglicht den Kunden nicht nur eine Einsicht in die direkten Lagerbestände, individuellen Preise und technischen Dokumentationen, sondern auch das 24-stündige Verwalten und Versenden der Aufträge. Ein Rückverfolgungssystem der Pakete ermöglicht es außerdem, den Transport der Ware in Echtzeit zu verfolgen.

Catherine Schoonbroodts Vision von der digitalen Zukunft ist sehr deutlich. Irgendwann soll mittels Sealclick und der E-Business-Plattform möglichst alles komplett online laufen, inklusive eines integrierten Bezahlsystems. Dies bedeutet für sie aber nicht, dass Jobs eingespart werden sollen, im Gegenteil. „Die Digitalisierung und Vernetzung unserer Produktions- und Vetriebsprozesse hat uns geholfen, die Anzahl unserer Bestellungen zu steigern und das wiederum hat dazu geführt, dass wir eher noch mehr Personal brauchten und auch in Zukunft noch brauchen werden, die die Ware am Ende einpacken und versenden“. Dass die Digitalisierung und der Weg zu einer Industrie 4.0 nicht zwangsmäßig mit dem Ersetzen von Menschen durch Roboter und Maschinen einhergehen, das beweist das Unternehmen Sealtech in mehreren Hinsichten.

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