Antoniadis für Alkoholverbot für Jugendliche unter 18 Jahren

Eine Erhöhung der Mindestaltersgrenze könnte dazu führen, dass Jugendliche erst später in ihrer Jugendzeit mit dem Konsum von Alkohol experimentieren, denkt Gesundheitsminister Antonios Antoniadis.
Eine Erhöhung der Mindestaltersgrenze könnte dazu führen, dass Jugendliche erst später in ihrer Jugendzeit mit dem Konsum von Alkohol experimentieren, denkt Gesundheitsminister Antonios Antoniadis. | Illustration: Photo News

„Dies wird nicht nur seitens des Hohen Gesundheitsrates gefordert, sondern auch von den Krankenkassen und vom flämischen Expertise-Zentrum für Alkohol und Drogen. Zudem liegt das Mindestalter bereits in 22 von 28 EU-Ländern bei 18 Jahren“, erläutert Antoniadis in einer Antwort auf eine parlamentarische Frage des Vivant-Abgeordneten Michael Balter. Dieser verwies auf Berichte, wonach letztes Jahr in Belgien 2.334 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren wegen Alkoholmissbrauchs in Notaufnahmen gebracht wurden. Während zwischen 2014 und 2017 die Zahlen rückläufig waren, sei dies der höchste Stand innerhalb der letzten zehn Jahre. Dies betrifft Mädchen im gleichen Maße wie Jungen.

„Das Problem muss ursächlich angegangen werden und nicht bloß symptomatisch.“

Und obwohl der Hohe Gesundheitsrat für das Verbot von Alkohol unter 18 Jahren plädiert habe, werde das von Gesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) angekündigte verschärfte Alkoholgesetz die Altersgrenze für den Kauf von Wein und Bier bei 16 Jahren belassen. Balter verwies auch auf eine 2003 vorgestellte Umfrage zum „Risikoverhalten bei Jugendlichen der Euregio Maas-Rhein, wo es u.a. auch um den Alkoholkonsum bei 14- und 16-Jährigen ging. „Hierbei lagen die Jugendlichen aus der DG weit über dem euregionalen Durchschnitt.“ Danach habe eine Arbeitsgruppe ein Projekt unter dem Motto „Null Promille unter 16" mit dem Ziel erarbeitet, den Alkoholkonsum zu senken und das Einstiegsalter zu erhöhen. 2008 sei die Umfrage wiederholt worden, „mit besseren Resultaten, aber noch viel Arbeit für die Zukunft“, so Balter, für dessen Fraktion die Entwicklung „alarmierend“ ist: „Das Problem muss ursächlich angegangen werden und nicht bloß symptomatisch“, fordert er.

Nicht nur die genannten Statistiken zeigten auf, dass Handlungsbedarf bestehe, antwortete Gesundheitsminister Antonios Antoniadis. „Insbesondere wissenschaftliche Untersuchungen zum Einfluss von Alkohol auf die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen geben zu denken.“ Der Konsum hoher Mengen an Alkohol führe bei Jugendlichen zu einer negativen Beeinflussung der körperlichen und geistigen Entwicklung, was sowohl akute als auch chronische sowie physische, psychische und soziale Folgen bei den Kindern und Jugendlichen haben könne. „Dies kann bis zum Entstehen einer Abhängigkeit reichen oder andere schwerwiegende Ereignisse auslösen wie zum Beispiel alkoholbedingte Straßenverkehrsunfälle oder generelle Straftaten. Zudem könnte eine Erhöhung der Mindestaltersgrenze dazu führen, dass Jugendliche erst später in ihrer Jugendzeit mit dem Konsum von Alkohol experimentieren“, denkt der Minister.

Dennoch bleibe die Präventionsarbeit auch bei einer Anhebung der Altersgrenze immer noch der wichtigste Bestandteil zur Beeinflussung des Konsums von Alkohol bei Jugendlichen. „Hierbei muss jedoch auch reflektiert werden, dass der Konsum von Alkohol in gewisser Weise zu unserer Kultur und Region dazu gehört. Deswegen wird es grundsätzlich schwierig sein, den Alkoholkonsum bei Jugendlichen komplett zu minimieren“, erklärte Antoniadis. Im Mittelpunkt der Prävention sollte daher die Vermittlung eines „gesunden" Gebrauchs von Alkohol sowie der richtige Umgang mit Grenzerfahrungen stehen. Außerdem werde er, kündigte Antoniadis an, den Beirat für Gesundheitsförderung um ein Gutachten zum Thema „Erhöhung der Mindestaltersgrenze zum Konsum von Alkohol auf 18 Jahre" bitten.

In der DG ist insbesondere die Arbeitsgemeinschaft für Suchtvorbeugung und Lebensbewältigung (ASL) für die Prävention von Alkoholkonsum zuständig. Diese beschäftigt sich vor allem auf der untersten Sekundarschulebene intensiv mit dem Thema „Alkohol". Die ASL arbeitet dabei eng mit dem Zentrum Kaleido Ostbelgien zusammen. In Kooperation mit der Polizei wird das Schüler-Sensibilisierungsprogramm KoPS (Kommunikation, Prävention und Sicherheit) angeboten.

Grundsätzlich könnten junge Menschen, die bemerkten, dass sie Probleme mit Alkoholkonsum haben, die ASL als erste Anlaufstelle kontaktieren und sich innerhalb einer Erstberatung über mögliche Lösungswege austauschen. Wenn eine psychologische Betreuung für Jugendliche mit einem dauerhaften Alkoholproblem notwendig werde, leite die ASL die Jugendlichen an die entsprechenden Einrichtungen weiter. Dafür sei in Ostbelgien insbesondere das Beratungs- und Therapiezentrum (BTZ) zuständig. (sc)

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