Ein Rabe aus dem 3D-Drucker für Aachener Brunnen

Ein Kunststoffrabe aus dem 3D-Drucker: Informatiker Jan Möbius zeigt, wo die Skulptur entstanden ist.
Ein Kunststoffrabe aus dem 3D-Drucker: Informatiker Jan Möbius zeigt, wo die Skulptur entstanden ist. | Foto: Stadt Aachen / Stefan Herrmann

Aachen

Von der alten Skulptur wurde von Studierenden ein digitales Modell erschaffen, um dann ein Kunststoff-Replikat mit dem 3D-Drucker zu erzeugen.

Modernste Technik „made in Aachen“ macht einem alten Raben Flügel: Engelbert Chaumet vom städtischen Gebäudemanagement hat nun gemeinsam mit Prof. Leif Kobbelt, Leiter des Lehrstuhls für Informatik, und Hendrik Reinhold, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehr- und Forschungsgebiet Denkmalpflege und Historische Bauforschung ein gemeinsames Projekt vorgestellt, das die Zusammenarbeit zwischen Stadt und RWTH Aachen unter Beweis stellt.

Diesmal ging es um den alten Rabenbrunnen, der in seiner bisherigen Form seit 1956 an der Eupener Straße, am Rande des Aachener Stadtwaldes, steht. Genauer gesagt: Es ging um die Rabenplastik, die den Brunnen schmückt, und die Engelbert Chaumet seit Jahren zunehmend Sorgen bereitete. Denn der Zahn der Zeit und damit auch die Witterung haben sichtbar am Raben genagt. Das schwarz angemalte Eichenholz wurde an einigen Stellen bereits rissig.

Chaumet fasste eine Kooperation mit dem dem RWTH-Informatiker Leif Kobeelt ins Auge. Um die 3D-Daten für die Skulptur zu gewinnen, wandte sich Chaumet zudem an Prof. Christian Raabe und sein Team vom Lehr- und Forschungsgebiet Denkmalpflege und Historische Bauforschung. Diese hatten bereits zuvor das komplette Aachener Rathaus per Laserscan als 3D-Modell erfasst.

Aus dem digitalen Modell wurde das reale Objekt.

Im Rahmen eines Studentenprojektes wurde nun auch der Rabe des Rabenbrunnens in dem aufwendigen Verfahren digitalisiert. Das digitale Modell konnte schließlich per 3D-Druck wieder als reales Objekt gedruckt werden.

Prof. Christian Raabe: „Die Möglichkeiten der digitalen Erfassung und physischen Reproduktion sind in Bezug auf den Schutz unseres Kulturgutes noch nicht ganz ausgelotet und wir sind da zurzeit mit einigen Projekten unterwegs. Es ist ja gerade das Spannende, die weitestgehend unter Laborbedingungen gemachten Erfahrungen in Bau- und Restaurierungsprozesse zu übertragen, denn die Wirklichkeit hält sich ja leider nicht immer an unsere Theorien.“

Der Kunststoffrabe wird nun am Brunnen montiert und der Witterung ausgesetzt.

Hendrik Reinhold erklärte das Verfahren im Detail: „Für den Raben haben wir das so genannte SfM-Verfahren – ‚Structure from Motion‘-Verfahren – angewendet, bei dem ganz normale Fotos des Objekts aus unterschiedlichen Blickwinkeln gefertigt und später am Computer zu einem 3D-Modell zusammengerechnet werden. In der Regel sind wir hiermit in größeren Maßstäben unterwegs. Zuletzt haben wir Maya-Tempel in Mexiko mit diesem Verfahren dokumentiert.“

Für Engelbert Chaumet war das „Pilotprojekt Rabenbrunnen“ bereits jetzt eine lehrreiche Erfahrung. „Es ist faszinierend, wie detailgetreu heute mit hochmodernen technischen Verfahren solch alltagsnahe Probleme wie eine verwitterte Brunnenskulptur angepackt werden können“, so Chaumet. Man werde die – ebenso wie das Holzoriginal – in schwarz gehaltene Kunststoff-Skulptur des Rabens nun wieder am Brunnen montieren. „Dann beobachten wir: Wie verhält sich der Stoff über die nächsten Monate und Jahre? Wie kommt er mit der Witterung zurecht?“ Sollte sich das Verfahren bewähren, wäre es aus Sicht der Stadt auch bei anderen Plastiken und Skulpturen, die aufgrund der Witterung Schäden aufweisen, eine denkbare Option, sie durch 3D-Drucke dauerhaft zu sichern. „Ich habe die Zusammenarbeit mit den beiden RWTH-Instituten als fruchtbar und belebend erlebt“, sagte Chaumet. Die alte Eichenholz-Plastik des Rabens wandert zunächst einmal ins Depot des Centre Charlemagne – bis im Optimalfall ein geeigneter Platz für den „alten Raben“ gefunden worden ist, wo er geschützt vor der Witterung seinen Ruhestand genießen kann. Der Rabenbrunnen an der Eupener Straße ist ein Trinkbrunnen, auf dem ein aus Eichenholz geschnitzter Rabe sitzt. Der Brunnen ist bereits um 1906 erstmalig erwähnt worden. In seiner bisherigen Form ist er 1956 vom Aachener Bildhauer Matthias J. Corr geschaffen worden. Corr (1880-1962) ist Schöpfer zahlreicher Tierplastiken, Porträts und Grabdenkmäler. Neben dem Rabenbrunnen gehören auch der Flötenspieler (bis 2007 im Elisengarten, seit 2011 in Eilendorf) und das Ehrenmal im Marientum an der Ludwigsallee zu seinen Werken. Corr war ein Schüler von Richard Müller an der Kunstakademie in Dresden. Seine letzte Ruhestätte fand Matthias Corr auf dem Aachener Ostfriedhof.

(red)

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