„Frauen zeigen Flagge für Europa“ – Aufruf vor EU-Wahlen

Um ihren ersten gemeinsamen Wahlaufruf im Hinblick auf die Europawahlen vorzustellen, haben sich Frauenverbände aus der Euregio Maas-Rhein letzte Woche am Dreiländerpunkt in Vaals versammelt. Mit dabei war auch Nicole De Palmenaer von der Fauenliga aus Ostbelgien (Dritte von rechts).
Um ihren ersten gemeinsamen Wahlaufruf im Hinblick auf die Europawahlen vorzustellen, haben sich Frauenverbände aus der Euregio Maas-Rhein letzte Woche am Dreiländerpunkt in Vaals versammelt. Mit dabei war auch Nicole De Palmenaer von der Fauenliga aus Ostbelgien (Dritte von rechts). | Foto: Frauennetzwerk StädteRegion Aachen

Unter dem Motto „Frauen zeigen Flagge für Europa“ rufen das Frauennetzwerk StädteRegion Aachen gemeinsam mit der Region Zweckverband Aachen, der ostbelgischen Frauenliga/vie féminine VOG, dem Landfrauenverband und des limburgischen Frauennetzwerkes ZijActief Frauen aus der Euregio Maas Rhein anlässlich der Europawahlen – fast 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts – alle Frauen dazu auf, dieses Recht in Anspruch zu nehmen.

Das neu gegründete euregionalen Netzwerk möchte mit der ersten gemeinsamen öffentlichen Aktion für Frauenrechte in Europa einstehen, denn Frauen könnten durch ihre Wahl Politik entscheidend mit beeinflussen und dafür sorgen, dass die Rechte der Frauen in Europa einen Platz haben: „Dies ist besonders bei dieser Wahl von Bedeutung, wenn Parteien an Macht gewinnen, die die Errungenschaften der Frauenbewegung in den letzten Jahrzehnten mit Füßen treten und Frauen zurück an den Herd schicken wollen“, hieß es in einer Mitteilung. Das länderübergreifende Bündnis machte an dem grenzüberschreitenden Ort deutlich, dass gerade die europäische Zusammenarbeit vielfältige Chancen biete, voneinander zu lernen und „Best-Practice“-Beispiele der verschiedenen Nationalstaaten weiterzugeben.

„Die Frau wird auf die klassische Hausfrauenrolle zurückgedrängt."

„In einer Zeit, in der rechtspopulistische Parteien in Europa Oberhand gewinnen, wird das Selbstbestimmungsrecht der Frauen massiv infrage gestellt“, erklärte Sibylle Keupen, Vorsitzende des Frauennetzwerkes StädteRegion Aachen. „Außerdem wird die Frau auf die klassische Hausfrauenrolle zurückgedrängt." Diesen politischen Strömungen, die die Frauen auf stereotype Geschlechterrollen reduzieren wollten, soll ein solidarisches Handeln von Frauen in Europa entgegengesetzt werden. Deshalb rufen alle Frauenverbände dazu auf, wählen zu gehen und sich für eine gleichberechtigte Verteilung von Frauen im EU-Parlament stark zu machen. Zurzeit sei dort nur ein Drittel der Abgeordneten weiblich. „Wir Frauen wollen die Verantwortung für die Familie gemeinsam mit Männern wahrnehmen und stehtn für ein partnerschaftliches Konzept der Aufteilung von Beruf,-und Familienarbeit ein“, so Nicole Faesen vom niederländischen Frauenverband ZijActiefLimburg. Dies beinhalte auch die gemeinsame Sorge von der „Wiege bis zur Bahre“, die zurzeit in der alleinigen Verantwortung vieler Frauen liege. Diese müsse angemessen honoriert werden.

„Dazu gehört auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit, die entsprechend Rahmenbedingungen braucht, um Beruf und Privatleben zu vereinbaren“, meinte Birgitt van Megeren vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf Region Aachen.

Ein weiteres verbindendes Thema ist die Entgeldungerechtigkeit in Europa, die unmittelbar in die Altersarmut münden werde, denn immer noch verdienten Frauen 21 Prozent weniger als Männer und erhielten in Sachen Rente sogar nur 53 Prozent. Diese Ungerechtigkeit müsse durch staatliche Regelungen aufgebrochen werden, findet Nicole De Palmenaer von der Fauenliga/vie Féminine. Die Gleichstellung von Frauen und Männern gehöre zu den Grundwerten der Europäischen Union. Diese Errungenschaften müssten unbedingt für die Zukunft und die jüngere Generation gesichert werden: Dafür macht sich das Bündnis stark und werde über die Wahlen hinaus gemeinsame Aktivitäten planen, um Frauen in Europa zu stärken.

Die Vertretungen fordern eine EU, in der ein selbstbestimmtes und diskriminierungsfreies Leben in wirtschaftlicher Unabhängigkeit für alle Geschlechter möglich ist; mit einem Familienverständnis, das auch Männern die Teilhabe an der Kindererziehung und der Pflege von Angehörigen ermöglicht und fördert; mit einem Rechtsstaat, der Frauen und Kindern Schutz vor physischer und psychischer Gewalt garantiert; die für den Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit“ und für eine Aufwertung frauendominierter Berufe eintritt und eine EU, die sich zu einem demokratischen, vielfältigen und solidarischen Europa und einer gemeinsamen Identität bekennt. (red/sc)

Kommentare

0 Comment