|
Eupener Land [11.03.2010] Verantwortliche bei Infoabend zum Asylbewerberheim mit Fragen geradezu bombardiert Wut, Ängste, aber auch Zuversicht bei den NachbarnVon Werner Keutgen Eupen Die Veranstalter hatten den Psychologen Elmar Homburg als Moderator engagiert und gut daran getan, denn streckenweise ging es hoch her bei der Informationsversammlung, zu der das Rote Kreuz am Dienstagabend die Nachbarn des künftigen Asylbewerberheims Belle-Vue in die Cafeteria der AS Eupen eingeladen hatte. Wut, Ängste, Befürchtungen, aber auch Zuversicht kamen zum Ausdruck, und die Informanten am »Vorstandstisch« wurden mit Fragen geradezu bombardiert, nachdem der Direktor des Asylbewerberheims Manderfeld, Achim Meyer, der in einer ersten Phase auch für das Eupener Heim zuständig ist, zunächst mit allgemeinen Informationen aufgewartet hatte (siehe nebenstehenden »Hintergrund«). Die Einladung hatte mehr Anklang gefunden als erwartet, denn die Anzahl vorgesehener Sitzgelegenheiten in der Cafeteria reichte nicht. Rede und Antwort stand neben Achim Meyer vor allem José Kessel, Kommissar des Roten Kreuzes in der DG. Aber auch RK-Präsident Emil Mertes, Bürgermeister Elmar Keutgen, Schöffe Patrick Meyer und der für den betreffenden Stadtteil zuständige Revierpolizist, Erwin Kreusch, saßen mit am Tisch. Wut und Aggressivität kennzeichneten gleich die Intervention des ersten Fragestellers, der wissen wollte, wer das denn alles bezahle, und sich gleich selbst die Antwort gab: »Das ist doch unser Geld, unsere Steuergelder.« Das wurde ihm bestätigt. Das Rote Kreuz handele im Auftrag der Föderalregierung, die auch die Finanzen zur Verfügung stelle, erklärte José Kessel. Den ersten Applaus im Raum erntete gar ein Bewohner der dem Haus Belle-Vue benachbarten Residenz Eichenberg mit ihren 17 Wohneinheiten: Wegen des fehlenden Sichtschutzes werde sich ein Teil der Bewohner nicht mehr frei auf ihren Balkonen bewegen können, ihrer Intimsphäre beraubt - ein Zustand, der auf Dauer nicht zumutbar sei. Ein anderer Nachbar empfand es als eine »Degradierung«, dass das Heim inmitten dieses Wohngebietes eingerichtet werde: Für seine Immobilie habe er fleißig gearbeitet, gespart und jetzt verliere sie an Wert, klagte er. Zwischenrufe Auch an unqualifizierten Zwischenrufen fehlte es nicht, wie etwa »Wenn Sie die Leute hier haben wollen, dann nehmen Sie sie doch mit zu sich Hause!« Ein anderer wusste von Bekannten aus Manderfeld, dass deren Leben sich nach der Ansiedlung des dortigen Empfangszentrums stark zum Negativen hin verändert habe: Lärm bis spätabends und negative Vorfälle, die unter den Tisch gekehrt würden, um die Bevölkerung ruhig zu halten. Achim Meyer bestätigte ein »Lautstärkeproblem« in Manderfeld, etwa bei Fußballspielen, doch kehre nach 22 Uhr Ruhe ein. Allerdings gebe es nur wenige gewalttätige Konflikte. Auf Sicherheitspersonal könne man bequem verzichten, und das bei 185 Bewohnern unterschiedlichster Herkunft. Emil Mertes konterte dem Interpellanten, indem er namentlich eine Familie aus Manderfeld nannte, die ihm »beste Nachbarschaft« zu den Bewohnern des Zentrums versichert habe. Als eine Anwohnerin bemerkte, dass viele Frauen wegen der jetzt schon in Eupen anwesenden Ausländer Angst hätten, alleine durch die Stadt zu gehen, weil man angerempelt werde, erhielt Revierpolizist Erwin Kreusch Applaus für seine Klarstellung: »Es gibt immer solche und solche - auch bei uns. Ich habe keine schlechteren Erfahrungen mit Ausländern gemacht. Zwar mag es sein, dass ein Unwohlgefühl durch Überfremdung sich breit macht, doch sind diese Leute nicht krimineller als die hiesigen.« Neben nüchtern vorgetragenen Informationsanfragen (siehe hierzu unten stehenden Artikel) meldeten sich weitere, durchaus Zuversicht verbreitende Stimmen zu Wort. Es gelte, die Chance zu nutzen, diesen Menschen zu begegnen, lautete eine davon, und eine andere forderte dazu auf, diesen Leuten erst einmal eine Chance zu geben, ehe man sie verteufele. Immerhin hätten doch auch viele Hiesige am eigenen Leib erfahren müssen, was es heißt, kein Dach mehr über dem Kopf zu haben. Monique Rossi, die Leiterin der Eupener Jugendherberge, wo seit Wochen drei Asylbewerberfamilien durch die föderale Behörde Fedasil untergebracht sind, bezeichnete diese Gäste als »nette Menschen, freundlich und dankbar«. Gastfreundschaft Wenn es sich schon nicht ändern lasse, dann solle man doch wenigsten versuchen, sich zu arrangieren, forderte ein anderer Anwohner und vertrat in diesem Zusammenhang die Ansicht, »dass es nicht angeht, sich am Fernsehen das Elend in der Welt anzusehen und 30 Euro zu spenden, die man dann von der Steuer absetzt.« Verbunden mit der Aufforderung »Ran an die Sache!« erinnerte er die Versammlung zudem daran, »dass die Eupener immer gastfreundliche Menschen waren«. Ein Anwohner fragte nach der Installation von Spielgeräten zur gemeinsamen Nutzung durch hiesige und Kinder des Heims. »Wir bauen Geräte auf und die sind jedem zugänglich - willkommen!«, so die Reaktion von Achim Meyer. Und auch Bürgermeister Elmar Keutgen forderte schließlich, nachdem er noch einmal daran erinnert hatte, dass der Stadt in dieser Angelegenheit keinerlei Mitspracherecht eingeräumt worden sei, dazu auf, »als Gastgeber aufzutreten«. Es müsse der Versuch unternommen werden, »miteinander fertig zu werden«, wobei die Heimbewohner den gleichen Regeln und Pflichten unterlägen wie alle anderen auch. Um einen Kommentar schreiben zu können müssen Sie angemeldet sein. |
|
| |