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Im Porträt [11.03.2010] Norbert Jousten koordiniert von Astana aus die diplomatischen Kontakte der EU mit dem neuntgrößten Staat der Welt Eibertinger ist Europas Gesicht in KasachstanVon Martin Klever Astana ist nicht nur der Sponsor eines erfolgreichen Radprofi-Teams, das alljährlich bei der Tour de France für Schlagzeilen sorgt, sondern ebenso der Name der kasachischen Hauptstadt. Dort, umgeben von einer weitläufigen Steppenlandschaft im Herzen des zentralasiatischen Lands, lebt seit 2008 der Eibertinger Norbert Jousten. Als Botschafter und Delegationsleiter der Europäischen Union in Kasachstan und in Turkmenistan vertritt er die Interessen des Staatenverbundes fernab der Brüsseler Verwaltungszentrale. Was aber führt einen studierten Physiker aus Ostbelgien in die ehemalige Sowjetrepublik? Und noch viel wichtiger: Wie hat man sich die Arbeit eines europäischen Spitzendiplomaten im neuntgrößten Flächenstaat der Welt vorzustellen? Arbeit ohne Vielfliegerei nicht denkbar »Mein Job ist mit vielen Reisen verbunden. Kasachstan ist ein großes Land - etwa fünf Mal so groß wie Frankreich - und unsere regionalen Büros liegen zum Teil mehrere tausend Kilometer weit auseinander«, erzählt uns der 62-Jährige. Gerade als Leiter der EU-Niederlassungen ist es für ihn wichtig, sich regelmäßig mit seinen Mitarbeitern vor Ort auszutauschen und den Kontakt mit den Behörden in den verschiedenen Landesteilen zu suchen. »Ums Fliegen komme ich also nicht herum«, verrät er schmunzelnd. An den Tagen, an denen Norbert Jousten im Hauptbüro in Astana arbeitet, fallen vor allem repräsentative Aufgaben an. Sitzungen mit Behörden, Regierung, internationalen Organisationen und anderen Botschaften stehen meist auf der Tagesordnung. Nicht minder wichtig ist aus Sicht des Ostbelgiers die Überwachung der internen Arbeitsvorgänge. Schließlich gilt es, die aktuelle wirtschaftliche und politische Situation im Land zu analysieren und entsprechende Gutachten zu erstellen. »Der Austausch mit der EU-Zentrale in Brüssel ist von größter Bedeutung. Dorthin liefern wir unsere Erkenntnisse und erhalten im Gegenzug Instruktionen und Informationen, was unsere Arbeitsinhalte angeht«, erklärt der Diplomat. »Ob Wien, Kiew, Moskau oder Astana. Ich hatte immer die Möglichkeit, viele interessante Orte und Menschen kennenzulernen. So etwas bereichert einen und prägt enorm. « Norbert Jousten Dabei steht der Wirtschaftsfaktor eindeutig im Mittelpunkt des europäischen Engagements in Zentralasien. Schließlich verfügt die Europäische Kommission über weitreichende Kompetenzen in der Außenhandelspolitik und trifft im Auftrag ihrer Mitgliedsstaaten entsprechende Kooperationsvereinbarungen mit Drittländern. »Daher tragen auch wir in diesem Bereich eine große Verantwortung, da wir im Namen der EU-Kommission mit der kasachischen Regierung verhandeln«, so Norbert Jousten. Konkret geht es dabei um eine Verbesserung der Handelsbedingungen, die sich nicht zuletzt in einem für beide Seiten akzeptablen Warenaustausch niederschlägt. »Die EU ist der größte Handelspartner Kasachstans - und diese Position gilt es zu festigen und auszubauen«, nennt er die politischen Vorgaben aus Brüssel beim Namen. Schließlich wollen auch die Europäer von den riesigen Rohstoffvorkommen des neuntgrößten Landes der Welt (vor allem Erdöl, Gas und Uran) profitieren. »Kasachstan wird wohl meine letzte Stelle vor der Pension sein«, blickt der 62-Jährige unterdessen voraus - wohlwissend, dass er sich in absehbarer Zukunft zur Ruhe setzen darf. Dabei weiß er zu schätzen, dass das Leben es gut mit ihm gemeint hat. »Ob Wien, Kiew, Moskau oder Astana. Ich hatte immer die Möglichkeit, viele interessante Orte und Menschen kennenzulernen. So etwas bereichert einen und prägt enorm. Zudem habe ich das große Glück gehabt, alle Karrierestationen gemeinsam mit meiner Frau Renée und zum Teil auch mit unseren Kindern gehen zu können.« Überlegungen über Rückkehr nach Belgien Ob Norbert Jousten nach Beendigung seiner Karriere mit seiner Frau Renée zurück nach Belgien ziehen wird, ist noch nicht sicher. »Das ist die große Frage, die wir uns momentan stellen. Gerade, weil zwei unserer drei Söhne in Brüssel mit ihren Familien leben, ist dieser Gedanke natürlich verlockend«, verrät der studierte Physiker. Zudem fühlt er sich seiner Heimatgemeinde Amel nach wie vor verbunden. »Ich erfahre immer wieder gerne Neuigkeiten aus Ostbelgien.« Sei es nun über das Internet, ehemalige Schulfreunde oder Geschwister. Zu Letzteren zählt übrigens auch sein älterer Bruder Aloys, bei dem es sich um keinen Geringeren als den Bischof von Lüttich handelt. Um einen Kommentar schreiben zu können müssen Sie angemeldet sein. |
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