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Fußball [11.03.2010] Fußball-Europa-League, Achtelfinal-Hinspiel: Hamburger SV - RSC Anderlecht (heute, 19 Uhr) Rekordmeister rechnet sich durchaus Chancen ausVon Thomas Evers Was ein Sieg so alles auslösen kann, kann man in diesen Tagen beim RSC Anderlecht beobachten. Der 4:0-Erfolg gegen Athletic Bilbao hat dem Rekordmeister so viel Selbstvertrauen eingeflößt, dass sich die Anderlechter auch im Europa-League-Achtelfinale gegen den Hamburger SV eine Chance ausrechnen. Das war in den letzten Jahren vor Europapokalspielen gegen vermeintlich stärkere Gegner noch deutlich anders gewesen. Insbesondere Trainer Ariël Jacobs war vor den Duellen gegen Bayern München (UEFA-Pokal 2008) und Olympique Lyon (Champions-League-Qualifikation 2009) fast in Ehrfurcht erstarrt, und dementsprechend agierte dann auch seine Mannschaft. Die Konsequenzen dieser zögerlichen Haltung waren zwei Debakel (0:5 gegen Bayern und 1:5 in Lyon), aber neben dem Erfolg gegen Bilbao hat auch der 3:1-Sieg bei Ajax Amsterdam Mitte Dezember für mehr Selbstsicherheit gesorgt. Respekt Die ansprechenden Auftritte im Europapokal haben aber auch die Konsequenz, dass die Hamburger den belgischen Rekordmeister mit Sicherheit nicht unterschätzen werden. Das erklärte u. a. der tschechische Nationalspieler David Rozehnal, der zwischen 2003 und 2005 für Club Brügge spielte und den belgischen Fußball daher noch gut kennt: »Bei uns denkt niemand: 'Es ist nur Anderlecht' oder 'es ist nur ein kleiner belgischer Verein'. Vor einem Verein, der regelmäßig in der Europa League und der Champions League spielt, muss man Respekt haben.« Diese Aussagen dürften die Anderlechter freuen, schließlich will der souveräne Tabellenführer der 1. Division nicht nur national, sondern auch international für Aufsehen sorgen. Auch HSV-Trainer Bruno Labbadia zeigt Respekt vor dem Rivalen. »Anderlecht ist sehr gut organisiert. Das wird ein sehr enges Spiel«, sagte der 44-Jährige am Mittwoch. Im Vorfeld der heutigen Partie bangte Ariël Jacobs allerdings um den Einsatz mehrerer Stammspieler. Am Dienstag fehlten Jungstar Romelu Lukaku, Tom De Sutter, Lucas Biglia und Mbark Boussoufa beim Training. Das Quartett flog gestern mit nach Hamburg, allerdings bangt der Trainer insbesondere um Lukaku: »Ihm machen die hart gefrorenen Plätze sehr zu schaffen.« Der Anderlechter Manager Herman Van Holsbeeck ist dagegen überzeugt, dass Lukaku heute Abend in der HSH-Nordbank-Arena (früher als Volkspark-Stadion bekannt) spielen wird. Vor dem Abflug nach Norddeutschland sagte Van Holsbeeck gestern Vormittag am Brüsseler Flughafen: »Ich denke nicht, dass er ausfallen wird. Wir werden jedenfalls versuchen, um ihn fit zu kriegen.« Sportlich freut sich der Manager auf das Duell mit dem deutschen Traditionsverein, dessen letzter Titelgewinn allerdings fast ein Vierteljahrhundert (Pokalsieger 1987) zurückliegt: »Wir fahren voller Selbstvertrauen nach Hamburg. Allerdings haben wir das auch vor dem Spiel gegen Bayern München gesagt, und dann haben wir 0:5 verloren.« Herman Van Holsbeeck schätzt die Anderlechter Leistungen in dieser Saison ebenfalls realistisch ein: »Auf Europa-League-Niveau können wir mithalten. Aber die Champions League ist etwas Anderes. Wenn wir unsere Mannschaft zusammenhalten können und gezielt verstärken, können wir vielleicht die zweite Runde in der Champions League anpeilen. Aber zunächst wollen wir uns weiterhin gut in der Europa League verkaufen.« Vor 33 Jahren standen sich der Hamburger SV und der RSC Anderlecht im Finale des Europapokals der Pokalsieger gegenüber (siehe Seite 32 mit dem damaligen GE-Bericht), aber die Zeiten, als belgische Vereine im Europapokal eine führende Rolle spielten, sind lange vorbei. Wunder Sollte Anderlecht das Viertelfinale erreichen, würde sich der Rekordmeister zum ersten Mal seit der Saison 1990/1991 für die Runde der letzten Acht im Europapokal qualifizieren. Während auch Marc Wilmots, der übrigens gemeinsam mit Bruno Labbadia den Trainerschein in Köln erlangt hat, dem RSC Anderlecht Chancen auf ein Weiterkommen einräumt, ist für Vincent Kompany der HSV haushoher Favorit. Der Nationalspieler war sowohl für Anderlecht als auch für Hamburg aktiv: »Sollte Anderlecht weiterkommen, wäre das für mich ein Wunder. Finanziell sind die beiden Vereine überhaupt nicht miteinander zu vergleichen. Zudem habe ich den Eindruck, dass Hamburg in Belgien etwas unterschätzt wird«, sagte Kompany. Der Hamburger Außenstürmer Eljero Elia freut sich derweil auf ein Wiedersehen mit Mbark Boussoufa: »Ich habe früher mit ihm auf Bolzplätzen in Amsterdam gespielt.« Die voraussichtlichen Aufstellungen: Hamburger SV: Rost - Rincon, Rozehnal, Mathijsen, Aogo - Jarolim, Zè Roberto - Trochowski, Jansen - Petric, Elia RSC Anderlecht: Proto - Deschacht, Mazuch, Juhasz, Gillet - Kouyate, Biglia, Van Damme - Kanu, Lukaku, Boussoufa Schiedsrichter: Duhamel (Frankreich) Das Spiel wird ab 19 Uhr live auf Canvas und AB3 übertragen. SAT1 zeigte eine Konferenzschaltung der Spiele mit deutscher Beteiligung. Um einen Kommentar schreiben zu können müssen Sie angemeldet sein. |
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