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[09.01.2010]
Gerät misst Fahrgewohnheiten - Versicherungsgesellschaften belohnen besonnenes Fahrverhalten

Günstigere Autoversicherung für Jugendliche dank Blackbox

Die G-Box von Axa misst die Kräfte, die beim Beschleunigen und Bremsen auf den Fahrer wirken.
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Aus Brüssel berichtet Gerd Zeimers

Fahranfänger gelten im Straßenverkehr als Risikogruppe und werden auch von den Versicherungsgesellschaften entsprechend eingestuft. Sie zahlen erheblich mehr als Autofahrer, die schon seit Jahren hinterm Steuer sitzen. Aber es gibt eine Alternative: »Junglenker«, die sich eine so genannte Blackbox ins Auto einbauen lassen, sparen bis zu 30 bzw. 50 Prozent.

Aus Unfallstatistiken von Touring geht hervor, dass Jugendliche von 18 bis 22 Jahren 2,5 Mal häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt sind als andere Autofahrer. Zudem gehört ein Drittel aller getöteten oder schwer verletzten Verkehrsopfer zu dieser Alterskategorie. Die häufigsten Ursachen sind fehlende Erfahrung und unangepasstes Fahrverhalten. All dies trägt zum Risikoprofil junger Autofahrer bei und hat zur Folge, dass diese eine höhere Prämie für die Autoversicherung bezahlen müssen - bei einem modalen Risikoprofil bis zu 1000 Euro - etwa das Doppelte von dem, was ein 50-Jähriger bezahlen muss. Nun ist es aber so, dass zahlreiche Jugendliche sich vorbildlich verhalten, wenn sie ein Auto steuern. »Nicht das Alter, sondern das Fahrverhalten ist entscheidend bei der Wahrscheinlichkeit auf Verkehrsunfälle. Jugendliche, die gut Auto fahren können, sollten keinen Euro mehr bezahlen müssen für ihre Versicherung als jemand mit einem vergleichbaren Fahrverhalten, der aber über 30 ist«, heißt es bei Touring. Um nicht alle Jugendliche über ein und denselben Kamm zu scheren, wollen vereinzelte Versicherungsgesellschaften ihnen die Möglichkeit anbieten, eine Versicherung nach dem »Pay as you drive«-System abzuschließen. Dabei wird das Fahrzeug mit einer Art Blackbox ausgerüstet.

Der Begriff ist aus dem Flugverkehr bekannt: Kommt es zu einem Flugzeugabsturz, soll die Blackbox, der Flugschreiber, Aufschluss über Ursache und Ablauf des Unglücks geben. Beim Auto ist das Prinzip ähnlich, doch geht es den Versicherern natürlich in erster Linie darum, dass ein Unfall vermieden wird. Das Gerät sammelt die Daten über das Fahrverhalten und macht diese dem Versicherer zugänglich. Je nach Fahrstil und eventuellem Risikoverhalten wird die Höhe der Prämie in regelmäßigen Abständen angepasst, so das Prinzip.

Einige Versicherungsgesellschaften experimentieren zum Teil schon seit geraumer Zeit mit Blackboxen, wobei jede ihr eigenes System entworfen hat. Touring beispielsweise arbeitet an einem Gerät, das Geschwindigkeit, Fahrstil (brüskes Anfahren, Bremsen oder Manövrieren) und den Zeitpunkt der Fahrt (tagsüber oder nachts) misst. Die G-Box von Axa, deren Testphase im April/Mai ausläuft, zeichnet einzig die G-Kräfte auf. Der Konzern P&V ist mit zwei Systemen bereits auf dem Markt und gewährt einen Prämienrabatt bis zu 30%: S² Pack (Vivium) und Go Box (P&V) registrieren neben den Fahrgewohnheiten auch die zurückgelegten Kilometer in der Stadt, auf Autobahnen und Landstraßen. Die WiseBox, die der Direktversicherer Corona Direct in Zusammenarbeit mit dem Autohersteller Suzuki anbietet (bis zu 50% Ermäßigung), misst drei Parameter: wie viel Kilometer, wann und wo. Bei allen technischen Unterschieden bleibt die Grundidee aber die gleiche: Korrektes Fahrverhalten wird mit einer günstigeren Versicherungsprämie belohnt.

Big Brother?

Und wie ist es mit dem Privatschutz bei Blackboxen? Es ist eine »Überwachungsbox«, die alle Fahrten registriert und das Fahrverhalten erfasst, die also Auskunft gibt über Geschwindigkeit, über das Beschleunigungs- und Bremsverhalten, über die zurückgelegten Kilometer und die Abgase. Das Gerät registriert, ob jemand viel nachts unterwegs ist und welche Wege er häufig nimmt. Kurzum: Wer die Blackbox im Auto hat, hat auch keine Geheimnisse mehr vor seinem Versicherer. Big Brother lässt grüßen... Befürworter vertreten die Ansicht, dass die Verkehrssicherheit über dem Recht auf Privacy steht.

Nun, wenn die auf dem Markt befindlichen Boxen nicht den erwarteten Absatz finden, hat dies sicher nicht nur damit zu tun, dass der Verbraucher noch nicht bereit ist, sein Privatleben zu Gunsten der Sicherheit im Straßenverkehr zu opfern. Vielmehr sind die Autos zahlreicher Jugendlicher auf den Namen von Vater oder Mutter versichert. Unlautere Konkurrenz, klagt Philippe Neyt von Corona Direct, doch Fakt ist: Die Prämie eines 50-jährigen unfallfreien Autofahrers ist und bleibt deutlich günstiger als die eines Jugendlichen ohne Fahrerfahrung - ob mit oder ohne Black Box.



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