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Reportagen [27.01.2009] Deutsche Botschaft, das Land Nordrhein-Westfalen und die Deutschsprachige Gemeinschaft präsentierten Karneval in der belgischen Hauptstadt Brüssel für einen Abend mal ganz jeckAus Brüssel berichtet Daniela Linden Schirmherr Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz brachte am vergangenen Freitagabend zum zweiten Mal eine karnevalistische Prunksitzung der Spitzenklasse in die Hauptstadt. Höhepunkt der Sitzung war der schmucke Aufmarsch der Kölner KG Nippeser Bürgerwehr von 1903 e.V. Bei strömendem Regen, kühlen Wintertemperaturen und einer Stadt, die in den Freitagsstaus versank, bot sich den Brüsselern ein reizvolles Entkommen. In der »Brussels Event Brewery« offenbarte sich eine schillernde, kunterbunte Insel des Karnevals. Alle waren sie dem Ruf des Karnevals gefolgt: die Teufel, die Burgfräuleins, die Bäcker, die Podolskis und gar die Könige. Sie wussten die Symbolträchtigkeit der ehrwürdigen Hallen zu schätzen, die doch von 1943 bis 1996 die belgische Traditionsbrauerei Belle-Vue beheimatete. Übersetzungsfehler Zum zweiten Mal hatte sich die karnevalistische Achse verbündet, die sich vom Ourtal bis hin nach Köln erstreckt und die Brüssel zu ihrer Hauptstadt erkoren hat. Moderator Norbert Meyers führte durch das Programm. Der Froschtaler Musikantenexpress aus Schönberg schwor das Publikum auf das karnevalistische Liedgut ein und schuf immer wieder stimmungsvolle Übergänge zwischen den Showeinlagen. Die Karnevalshochburg des »Fahr'm dar« hatte ihre charmanten »Diddeldöppcher« geschickt, die sich selbst auf der Bühne mit Hebefiguren und Saltos überboten. Entlang der Achse wurde auch im Heppenbacher Land bei der KG »Eifeljecken« Halt gemacht. Es eröffnete sich dem Brüsseler Publikum ein bislang unbekannter Einblick in das Innenleben einer Baustelle, von denen es in Brüssel bekanntlich eine Überzahl gibt. Die Bauarbeiter stimmten auf ihren Pausenbrotbüchsen den »Raviolitakt« an und zeigten, dass Bauhelme, Schubkarren und Mülltonnen im Grunde nur exotisch geformte Trommeln sind. Das Spektakel der Baustellentrommler erreichte seinen Höhepunkt, als der Schweißer ein Feuerwerk aus Funken über die Bühne springen ließ. Eine ironische Betrachtung der Politik gehört zu den Grundfesten des Karnevals, und so lieferte Daniel Offermann als flämischer Regierungsattaché des »premier mystère« Herman Van Rompuy eine herrliche Vermischung der drei Landessprachen. Locker plauderte er auf Flämisch über seinen Chef und übersetzte alles im Sinne der drei Sprachgemeinschaften ins Französische und ins Deutsche. Die Komik der Übersetzungsfehler nahm ihren Lauf und gewann politische Brisanz. Den Wallonen schilderte er die Meniskusoperation des Premier mit den Worten »on a dû lui enlever le ministre«. Den Deutschsprachigen berichtete er vom großen Glück des Premier, den König und die Königin zu »entmutigen«. Auch hier führte die improvisierte Übersetzung des niederländischen Verbs »ontmoeten« (auf Deutsch »treffen«) zu Verwirrung. Mit Leichtigkeit Schirmherr Karl-Heinz Lambertz nahm ebenfalls Bezug auf die politische Lage und schlug vor, die belgische Hauptstadt nach Eupen zu verlegen, wenn sich Flamen und Wallonen nicht bald einigten. Er freute sich zusammen mit Unterrichtsminister Oliver Paasch über die bunten Programmbeiträge, die die rheinische Karnevalstradition der Deutschsprachigen Gemeinschaft so anschaulich in Brüssel vertraten. Prinzlichen Besuch stattete seine Tollität Fabrice I. aus Eupen den Brüsselern ab. Der erst neunzehnjährige Prinz hatte seine Stadtwache Grün-Weiß mitgebracht, und auch der Mariechentanz durfte nicht fehlen. Um das Fortleben der Karnevalstradition braucht sich keiner zu sorgen, dies belegten die kleinsten Akteure der Sitzung, die Eupener »Klöös«, deren jüngstes Mitglied gerade mal vier Jahre alt ist. Mit großer Leichtigkeit trällerten die goldigen »Klöös« ihre Lieder von der Bühne und schwangen dazu das Tanzbein. Der Abend bot dem Publikum viel fürs Auge. Die Showtanzgruppe KG Hergenrath präsentierte eine graziöse Liebeserklärung an Bella Italia: Von den Kostümen glitzerten die Nationalfarben und der italienische Stiefel, es wehte die italienische Fahne, und eine Gondel ruderte über die Bühne. Ebenfalls begeisterte Franz-Josef Königs mit seiner Homage an den Humoristen und Dichter Heinz Erhardt. Die »Hondsjonge« aus Eupen hatten die komische Hilde samt Bauchtanztrainerin im Gepäck. Sie schenkten dem Publikum einen stimmungsvollen Après-Ski-Tanzkurs. Dann ernannten sie Heike Paasch zur Anführerin ihrer Katastrophenpolonaise, die sich quer durch den Saal schlängelte. Auch die kunstvoll inszenierte Musik von »Ruut Nase« fand großen Zuspruch. Das Epizentrum der karnevalistischen Achse wurde erreicht als die Kölner KG Nippeser Bürgerwehr von 1903 e.V. auf die Bühne marschierte. Beim Trommel- und Trompetenkonzert der »Appelsinefunke« riss es die Zuschauer von den Stühlen, und der Saal wurde zu einem Meer von schunkelnden Karnevalsnarren. Weltkulturerbe Nachdem der offizielle Teil der Bühnendarbietungen zu Ende gegangen war, erinnerte sich das Publikum sehr schnell an die Worte von Ministerpräsident Lambertz, der sie dazu aufgerufen hatte, ihren Teil zum Gelingen der Veranstaltung beizutragen. Das internationale Publikum eroberte die Tanzfläche. Der Export des rheinischen Weltkulturerbes »Karneval« war zum zweiten Mal gelungen, hatten sich doch nicht nur Ostbelgier und Deutsche, die den Karneval längst kennen, in der Brussels Event Brewery eingefunden, sondern unter anderen auch Franzosen, Polen und Engländer. |
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