Vom Werkzeug zum Teilchenbeschleuniger – Familienunternehmen Karl Hugo AG ist in Belgien Marktführer

Maschinenbau

„Man muss viel und gut arbeiten“: Wenn man Bernd Hugo, CEO Finanzen der Karl Hugo AG im Industriepark Kaiserbaracke in Born, glaubt, dann ist das Erfolgsrezept für ein erfolgreiches Unternehmen recht einfach. „Und authentisch sein“, ergänzt der 45-Jährige, der sich als CEO um den gesamten administrativen Bereich kümmert.

Von Petra Förster

1996 hat er zusammen mit seinem Bruder Stephan Hugo (47) in zweiter Generation die Geschicke des Betriebs übernommen. Der ältere der beiden Brüder ist als Maschinenbau-Ingenieur für den technischen Bereich verantwortlich.

Ihr Vater Karl-Joseph Hugo war es, der 1970 in einer umgebauten Scheune unter dem Namen Karl Hugo die ersten Dreharbeiten für Kunden ausführte: Werkzeuge und Ersatzteile für Landwirte, für Steinbrüche oder Papierhersteller.

Sechs Jahre später baute er die erste, 600 qm große Halle und legte damit wohl ohne es zu wissen den Grundstein für den Industriepark Kaiserbaracke. Das Team vergrößerte sich auf sechs Personen, die Gesellschaft Karl Hugo wurde gegründet. In der neuen Struktur lief es zunächst sehr gut. Der Betrieb wuchs und wuchs, wurde Ende der 1980er Jahre in eine AG umgewandelt und stellte die ersten Ingenieure ein, um der steigenden Nachfrage nach der Entwicklung und Herstellung von Industriemaschinen nachzukommen. Durch seine Spezialisierung wurde das Unternehmen zu einem Aushängeschild für die gesamte Region, erst recht nach dem Besuch von König Baudouin I. 1989.

Doch mit dem Ankauf eines Betriebs in Luxemburg, ausgerechnet in der Zeit, in der die Metallindustrie ohnehin nach der Wiedervereinigung in Deutschland einbrach, geriet der Betrieb in eine schwere Krise. Als Stephan und Bernd Hugo Mitte der 1990er Jahre die Geschäftsführung übernahmen, ging es der Karl Hugo AG alles andere als gut. „Wir hatten aus familiären Gründen gar keine andere Wahl, als den Betrieb zu übernehmen und wieder aufzubauen“, blickt Bernd Hugo, damals gerade einmal 23 Jahre alt, zurück auf die schwierigen Jahre.

Der Hartnäckigkeit und dem Qualitätsbestreben der beiden Brüder ist es wohl zu verdanken, dass die Karl Hugo AG heute da ist, wo sie ist: ein hoch technisierter Betrieb mit internationalem Renommee, der im Bereich Maschinenbau und Metallbearbeitung marktführend ist in Belgien.

Bernd und Stephan Hugo war es immer wichtig, den Betrieb in einer überschaubaren Größe zu halten. Über 40 Mitarbeiter sind in den großen Hallen auf Kaiserbaracke beschäftigt, die meisten von ihnen seit vielen Jahren.

Über drei Viertel der Belegschaft in allen Berufsgruppen (Schweißer, Monteure, Dreher, Fräser, Ingenieure, technische Angestellte, Produktionsleiter, Lageristen, Sekretärinnen oder Führungskräfte) haben ihre Karriere im Unternehmen selbst begonnen. „Einige stammen sogar noch aus der Gründergeneration“, betont Bernd Hugo. Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit beträgt 17 Jahre, bei einem Durchschnittsalter von 38 Jahren.

„Die Personalbindung ist für ein technologisches Unternehmen wie uns unerlässlich“, betont der CEO-Finanzvorstand. Deshalb liegt eine der Prioritäten auch auf der kontinuierlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen, was in den letzten Jahren beispielsweise durch die Renovierung der Gebäude realisiert wurde. So wurde in den Werkshallen durch Einbau von Fenstern für mehr Tageslicht gesorgt und beispielsweise moderne Gemeinschaftsräume eingerichtet.

Gegenüber den internationalen Kunden wird der Qualitätsstandard durch Prüf- und Zertifizierungsverfahren garantiert. Schon 1995 wurden die betriebsinternen Prozesse nach dem Qualitätsverfahren ISO-9001 gestaltet, nur ein Jahr später der Betrieb TÜV-zertifiziert. Auch von den Kunden wird die Karl Hugo AG regelmäßig auditiert und dabei alle Prozesse geprüft, analysiert und bewertet. „Wir müssen dauerhaft hochwertige Arbeit nachweisen und garantieren“, betont der CEO- Technischer Direktor Stephan Hugo. Wer sich den Kundenstamm anschaut, versteht sofort, wie wichtig dieser Qualitätsnachweis ist.

Die einzelnen Arbeitsbereiche (Fräsen, Bohren, Drehen) liegen in den Hallen direkt nebeneinander.

Karl Hugo beliefert die Stahlindustrie, Chemiebetriebe, das Gesundheitswesen, die Glasindustrie, Betriebe im Transportwesen (Luftfahrt, Automobilbau) oder im Bergbau. Ein Kilo bis 20 Tonnen schwere Einzelstücke, Kleinserien oder Baugruppen aus Stahl, Aluminium, Edelstahl oder Kupfer werden in den Hallen gefertigt. Für die Konzeption großer Industriemaschinen steht ein siebenköpfiges Ingenieurteam zur Verfügung. Zum Angebot gehören auch Transport und Aufbau der maßgeschneiderten Maschinen und die Schulung des Personals vor Ort. Spezialisiert hat Karl Hugo sich zudem auf sogenannte Coil Coater, spezielle Bandbeschichtungsanlagen für die Stahlindustrie, die von Kaiserbaracke aus in alle Welt geliefert werden.

Erst im vergangenen Jahr hat die Karl Hugo AG zudem eine europäische Ausschreibung gewonnen und den Zuschlag für die langfristige Entwicklung und Herstellung der neuen Teilchenbeschleuniger des Typs Kiube erhalten. Was kann man sich da noch zum Ziel setzen: „Jeden Tag immer besser zu werden“, sagen Bernd und Stephan Hugo – im Einklang mit der Umwelt, den Mitarbeitern und den Geschäftspartnern. Hört sich ganz einfach an, oder?

In loser Folge werden an dieser Stelle Themen rund ums Unternehmertum behandelt.

Hintergrund: 2017 wird Umsatz von 9 Millionen Euro erwartet

  • Die Karl Hugo AG wurde 1970 durch Karl-Joseph Hugo, den Vater der heutigen Geschäftsführer Stephan und Bernd Hugo, gegründet.
  • 1972 wurde der erste Arbeiter eingestellt. Bis 1976 vergrößerte sich das Team auf sechs Personen.
  • Heute belegt der Betrieb, der seine Anfänge in einer umgebauten Scheune hatte, im Industriepark Kaiserbaracke ein drei Hektar großes Grundstück.
  • Die bebaute Fläche beträgt 8.500qm. Insgesamt verteilt das Unternehmen sich auf fünf Hallen.
  • Die Karl Hugo AG beschäftigt 47 Mitarbeiter und wird 2017 einen Umsatz von rund 9 Mio. Euro erzielen.
  • Von 2010 bis 2017 ist der Umsatz um 57 Prozent gestiegen.
  • Im gleichen Zeitraum wurden 7 Mio. Euro investiert.
  • Die Eigenkapitalquote liegt aktuell bei 76 Prozent.
  • Die Karl Hugo AG ist im Bereich Maschinenbau und Metallbearbeitung tätig und beliefert europaweit Unternehmen der Bereiche Stahlindustrie, Chemie, Energie, Gesundheitswesen und Transport.

 

Stephan Hugo (47)
Bernd Hugo (45)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte beachten Sie unsere Netiquette, wenn Sie den Artikel kommentieren möchten.