Show und Team-Inszenierung – Koreas Eishockey-Frauen überfordert

Skurril

Gut 200 Cheerleader aus dem Norden verblüffen auf der Tribüne mit einstudierten, lieblich klingenden Liedern. Perfekt im Takt wedeln sie mit den Vereinigungsfahnen. | Foto: afp

Sie fahren und schlafen getrennt, treten bei Olympia aber als ein Team an. Die viel beachteten Auftritte des geeinten koreanischen Eishockey-Frauenteams gleichen einer skurrilen Inszenierung. Dies überfordert viele Spielerinnen offenbar.

Eine echte Attraktion sind Koreas Eishockey-Frauen in Pyeongchang nur für Sportpolitiker. Auf dem Eis fehlt dem gemeinsamen Team von Nord- und Südkorea die Olympia-Reife. 0:8 gegen die Schweiz, 0:8 gegen Schweden, am Mittwoch im letzten Gruppenspiel wartet Japan (8.40 MEZ). „Das wird hart“, sagte die amerikanisch-kanadische Trainerin Sarah Murray nach der erneuten sportlichen Demütigung am Dienstag gegen die Schwedinnen. Wer die koreanischen Spiele bislang gesehen hat, weiß: Das ist glatt untertrieben.

Nach der zweiten herben Pleite deuteten Spielerinnen und Trainerin an, dass das, was gerade mit der ersten gemeinsamen koreanischen Olympia-Auswahl aus Nord und Süd geschieht, sie schlicht überfordere. „Dieses Team ist sicher bedeutender als Eishockey. Der Sport kann Menschen zusammenbringen“, sagte Verteidigerin Park Yoon Jung, fügte aber hinzu: „Ich fühle schon, dass das etwas Historisches ist. Aber ich bin hier, um Eishockey zu spielen.“ Und damit tut sich das Team Korea ziemlich schwer. Kein Wunder, findet auch Coach Murray: „Es ist einfach ein riesiger Druck da. Es sind ja nicht nur einfach die Olympischen Spiele als Gastgeberland, sondern wir treten dabei sogar als gemeinsames Team an.“

Noch im Januar ahnte die 29 Jahre alte Tochter des früheren NHL-Coaches und Kölner-Haie-Managers Andy Murray nicht, bei Olympia plötzlich ein gemeinsames koreanisches Team zu betreuen. Nach einem Beschluss beider Länder und des Internationalen Olympischen Komitees geht das Team Korea nun mit ausnahmsweise 35 statt 25 Spielerinnen an den Start. Zwölf von ihnen kommen aus dem Norden. Drei davon spielten am Dienstag.

Bei Gegentoren war – warum auch immer – Stimmungssänger Mickie Krause zu hören.

Murray war alles andere als begeistert über die kurzfristige Integration, lobte aber später die Super-Stimmung im Team. Wie schwierig die Arbeit tatsächlich ist, offenbarte sie am Dienstag. „Mir war nicht klar, wie unterschiedlich die Sprachen sind. Die südkoreanischen Mädchen sagen, dass im Norden sozusagen auf einem höheren Level koreanisch gesprochen wird, also komplett ohne Slang. Das macht es schwierig, sie zu verstehen“, sagte Murray.

Allzu großes Interesse an Kontakten zwischen den Spielerinnen hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un dem Anschein nach nicht zu haben. „Immer wenn es geht, sind wir zusammen. Sie schlafen aber in ihrem eigenen Gebäude“, sagte Murray. Und: „Sie fahren mit anderen Bussen.“ Darüber wachen abgestellte Aufpasser aus dem Norden. „Sie haben Begleitpersonen dabei“, sagte Murray. „Die sitzen dann halt mit am Tisch. Sie wisse nicht, warum das so sei. „Wenn es nach uns gehen würde, würde wir zusammen mit dem Bus fahren.“

Zum Slogan „Wir sind eins!“, den die Zuschauer bei den Spielen brüllen, passt das kaum. Überhaupt gleichen die bisherigen Auftritte einer irren Show. Gut 200 Cheerleader aus dem Norden verblüffen auf der Tribüne mit einstudierten, lieblich klingenden Liedern. Perfekt im Takt wedeln sie mit den Vereinigungsfahnen.

Richtig skurril wurde es gegen Schweden bei jedem Gegentor. Dann wurden die Gesänge der Nordkoreanerinnen von Liedern der Stadionregie übertönt. Zu hören gab es dann – warum auch immer – Stimmungssänger Mickie Krause. „Alles klärchen am Bärchen, alles klar im BH, alles Roger in Kambodscha, alles wunderbar, ich lass den Bimbam baumeln“, gab es zu hören. Zum Glück hat das kaum einer verstanden. (dpa)

Richtig skurril wurde es gegen Schweden bei jedem Gegentor. Dann wurden die Gesänge der Nordkoreanerinnen von Liedern der Stadionregie übertönt. Und es lief: Mickie Krause. | Foto: afp
Das Team verlor 0:8 gegen die Schweiz. | Foto: afp

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