Schlaflos in Rotterdam – Roger Federer ist wieder die Nummer eins

Tennis

Am Sonntag versüßte sich Roger Federer seine Rückkehr an die Spitze der Weltrangliste mit seinem insgesamt 97. Titel. | Foto: afp

Roger Federer ist ab Montag wieder die Nummer eins der Tennis-Welt. Der Schweizer hat auch mit 36 Jahren noch lange nicht genug und nimmt bereits neue Ziele ins Visier.

Von Andreas Asen und Pirmin Closse

Roger Federer hat in seiner einzigartigen Karriere schon fast alles erlebt, die historische Rückkehr auf den Tennis-Thron raubte aber auch ihm den Schlaf. „Ich bin bis 4 Uhr morgens wach geblieben. Es war eine emotionale Woche für mich“, bekannte der Schweizer, nachdem er beim ATP-Turnier in Rotterdam Platz eins in der Weltrangliste zurückerobert hatte. Im Alter von 36 Jahren und 195 Tagen ist Federer ab Montag der älteste Spieler, der je an der Spitze des Rankings gestanden hat.

Schon durch seinen Viertelfinalsieg am Freitagabend gegen den Niederländer Robin Haase hatte der „Maestro“ die Rückkehr auf Rang eins perfekt gemacht – und sich anschließend zur Feier des Tages zwei Gläschen edlen Champagner gegönnt. „Das ist ein weiterer Meilenstein in meiner Karriere“, sagte Federer sichtlich bewegt: „Es fühlt sich unwirklich an. Es war ein langer und weiter Weg. Manchmal war er auch windig und steinig.“

Anschließend gab es zur Feier des Tages zwei Gläschen edlen Champagner.

Am Sonntag versüßte sich Federer seine Rückkehr an die Spitze der Weltrangliste mit seinem insgesamt 97. Titel. Im Finale ließ er dem angeschlagenen ATP-Weltmeister Grigor Dimitrow (Bulgarien) beim 6:2, 6:2-Erfolg keine Chance und ist damit 2018 auch nach zwölf Matches weiter ungeschlagen. Federer gelang im Rotterdamer Endspiel im siebten Duell mit dem Weltranglistenfünften Dimitrow, der nach seinem Duell gegen David Goffin quasi kampflos im Endspiel gelandet war, der siebte Sieg. Federers dritter Turniersieg in Rotterdam schien jedoch angesichts seines neuerlichen Sprungs auf Platz eins der Weltrangliste ab Montag beinahe zur Nebensache zu geraten.

Doch der Altmeister hat auch im Spätherbst seiner Laufbahn noch große Ziele. „100 Turniersiege wären etwas sehr Besonderes“, gab Federer am Samstag zu Protokoll: „Aber das sind alles Dinge, die automatisch passieren, wenn ich weiter gesund bleibe und Spaß am Tennis habe.“

Roger Federer: „Wenn man älter ist, muss man doppelt so viel arbeiten.“

Einen Grund, an einer Fortsetzung von Federers Rekordjagd zu zweifeln, gibt es nicht. Schließlich hatte sich bereits angedeutet, dass er nun erstmals seit Oktober 2012 wieder als Weltranglistenerster geführt wird. Im Januar triumphierte er bei den Australian Open und sicherte sich seinen 20. (!) Grand-Slam-Titel. Auf dem Papier war er da zwar noch nicht die Nummer eins, doch auf dem Platz dominierte er seinen Sport mit technischer Brillanz und spielerischer Klasse wie zu besten Zeiten.

Die Sportwelt verneigte sich am Wochenende ein weiteres Mal vor dem dominierenden Spieler der vergangenen Dekade. „Er ist wieder dort, wo er hingehört“, schrieb etwa der deutsche Fußball-Weltmeister Mesut Özil bei Twitter. Deutschlands Tennis-Ikone Boris Becker twitterte: „Roger Federer hat schon wieder Geschichte geschrieben“. Und André Agassi, bislang mit 33 Jahren und 131 Tagen die älteste Nummer eins, hielt fest: „Roger Federer setzt die Messlatte einfach immer höher.“

Für Federer selbst bedeutet die Rückeroberung von Platz eins auch ein bisschen Genugtuung. 2016 hatten ihn Knieprobleme zu einem frühzeitigen Saisonende gezwungen, in der Weltrangliste rutschte er aus den Top 10. „Die Nummer eins zu werden, ist im Tennis die ultimative Leistung“, so Federer, der bislang bereits 302 Wochen an der Spitze war: „Wenn man älter ist, muss man doppelt so viel arbeiten. Es war eine unglaubliche Reise.“ Eine Reise, die noch lange nicht zu Ende scheint.

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