Weiter Wirbel um Team Sky – Nach Vorwürfen fühlt sich Wiggins verfolgt

Radsport

Bradley Wiggins bei der Tour de France 2012 | Foto: afp

Radprofi Bradley Wiggins spricht nach den jüngsten Anschuldigungen von einer „Hexenjagd“. Das britische Radsport-Idol ist sich keiner Verfehlungen bewusst.

Von Ruben Stark

Großbritanniens Radsport-Idol Bradley Wiggins fühlt sich verfolgt und unschuldig an den Pranger gestellt – doch Ex-Profi Floyd Landis sagt schon das Ende der Traumfabrik Sky voraus. Die hochbrisanten Vorwürfe eines Sonderausschusses des britischen Parlaments bezeichnete Wiggins als „Hexenjagd. Ich hätte mehr Rechte gehabt, wenn ich jemanden umgebracht hätte, als in diesem Prozess“, sagte Wiggins der BBC zur Untersuchung des Digital, Culture, Media and Sport Commitee.

Laut des am Montag veröffentlichten Berichts, der auch in britischen Medien als mögliches „Todesurteil“ für das Team Sky gewertet wurde, sind medizinische Ausnahmegenehmigungen (TUEs) missbraucht worden, um mit Wiggins an der Spitze die Frankreich-Rundfahrt 2012 zu gewinnen. Ungeachtet dessen verfolgt Wiggins‘ Thronfolger Christopher Froome unter der Anleitung des kaum noch haltbaren Teamchefs Dave Brailsford weiter seine Double-Pläne.

Froome, selbst wegen seiner noch immer ungeklärten Salbutamol-Affäre im Zwielicht, bereitet sich ab Mittwoch beim Etappenrennen Tirreno-Adriatico auf den Giro d’Italia im Mai vor. Nach dem Giro will der 32-Jährige zum fünften Mal die Tour de France gewinnen, seit 1998 und dem Triumph des unglückseligen Marco Pantani hat das Double in einem Jahr kein Radprofi mehr geschafft. Wiggins, der als erster Brite Tour-Sieger wurde, beteuerte im BBC-Interview, sich immer sauber verhalten zu haben: „Zu keinem Zeitpunkt meiner Karriere haben wir die ethische Grenze überschritten. Ich weise zu 100 Prozent zurück, dass ich je betrogen habe. Die Anschuldigungen sind böswillig, jemand will mich beschmutzen.“ Für Landis (42) ist die Sache dennoch klar. „Das muss das Ende sein für die Mannschaft. Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass es bei der Tour de France dieses Jahr kein Team Sky geben wird“, sagte der geständige Doper und Kronzeuge im Fall Lance Armstrong dem Internetportal cyclingnews.com. Landis hatte die Tour 2006 gewonnen, war aber danach des Testosteron-Dopings überführt worden. Sein Gesamtsieg wurde annulliert.

Auch Wiggins solle seinen Titel verlieren, sagte Landis und erklärte, die Nutzung des Kortikoids Triamcinolon sei aus seiner Sicht trotz der TUEs ein Dopingvergehen – anders als im britischen Report geschlussfolgert: „Für einen Kerl wie Wiggins, der zu schwer war und kein Kletterer, wären Kortikoide genauso von Vorteil wie Steroide, Epo und Blutdoping.“

Nun bestritt Wiggins nicht, das Kortikoid, das für die Behandlung von Allergien oder Asthmaerkrankungen eingesetzt wird, zwischen 2011 und 2013 eingenommen zu haben. Er wies aber Passagen aus dem Bericht zurück, wonach er das Mittel neunmal innerhalb von vier Jahren benutzt habe – und schon gar nicht, um sich einen unerlaubten Vorteil zu verschaffen. „Es war medizinisch absolut notwendig, und diese ganze Sache ist ein komplettes Durcheinander aus Anspielungen und Gerüchten“, verteidigte sich Wiggins. Sollte Triamcinolon einen leistungssteigernden Effekt gehabt haben, sei dies unabsichtlich erfolgt: „Absicht, das ist der Schlüssel!“, sagte er.

Der erfolgreichste britische Olympionike der Geschichte klagte über die Auswirkungen der Vorwürfe auf sein Privatleben. Seine Kinder müssten viel durchmachen, es sei „schrecklich, das mit anzusehen. Der weitreichende Effekt, den das auf meine Familie hat, ist einfach der Horror“, sagte Wiggins, der erneut von einer „Hölle auf Erden“ sprach.

Landis findet, dass Wiggins reinen Tisch machen müsse. „Er sollte die Wahrheit sagen, dass die ganze Anti-Doping-Sache eine Farce ist. Das ist es, was die Leute lernen sollten, nicht nur mit dem Finger auf Wiggins zu zeigen“, sagte der Amerikaner. (sid)

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