Viel Diskussion um Sagans Bestrafung

Tour de France

Für Peter Sagan ging die Tour am Dienstag zu Ende. | Foto: belga

Peter Sagans letzter Sprint dauerte genau 62 Sekunden. Im Trainingsanzug trat der von der Tour de France ausgeschlossene Radsport-Superstar am noblem Teamhotel eilig vor die Presse und verabschiedete sich schmallippig.

„Ich muss die Entscheidung akzeptieren“, sagte der Weltmeister, „aber natürlich stimme ich mit der Jury nicht überein. Ich denke, ich habe nichts falsch gemacht.“ Sprach’s und brauste im Teamauto davon.

Bis Mittwochmittag war ein Einspruch bei der Tour-Rennleitung gegen den Bann für den Kapitän des deutschen Teams Bora-hansgrohe erfolglos geblieben. Laut Bora-Angaben habe das Team sogar beim Internationalen Sportgerichtshof CAS einen Eilantrag auf eine einstweilige Verfügung eingereicht – vergeblich: Als um 13.10 Uhr das Feld in Vittel losrollte, fehlte der Weltmeister.

Sagan verlässt damit als erklärter Sündenbock des üblen Massensturzes im Finale der vierten Etappe die Frankreich-Rundfahrt. Mit dem Slowaken geht auch der Brite Mark Cavendish, der sich als Folge der Kollision mit seinem Kontrahenten das Schulterblatt gebrochen hat.

„Es war schlimm, dass Mark gestürzt ist, das tut mir leid. Ich hoffe, er erholt sich gut“, sagte Sagan in ehrlicher Betroffenheit. Er trug sein Aus mit Fassung, bekräftigte aber, dass es sich mitnichten um ein übles Foul gehandelt habe: „Es war ein verrückter Sprint, aber es war nicht der erste dieser Art und es wird nicht der letzte gewesen sein.“

Die Tour-Rennleitung rückte auch am Mittwoch nicht von ihrem Verdikt des Vortages ab. „Wir haben uns dazu entschieden, Peter Sagan von der Tour de France 2017 zu disqualifizieren. Er hat auf den letzten Metern des Sprints Kollegen ernsthaft gefährdet“, hatte Philippe Marien, der belgische Präsident der achtköpfigen Jury, gesagt.

Nicht nur Sagan und sein Bora-Team sahen dies anders. Auch von Kollegen und früheren Stars bekam der Slowake reichlich Zuspruch. Allen voran vom australischen Ex-Sprinter Robbie McEwen, der lange für Lotto fuhr und in den Spurts alles andere als ein Kind von Traurigkeit war. „Ich bin mit dem Ausschluss von Peter Sagan von der Tour nicht einverstanden. Zurückstufung auf der Etappe okay, aber aus der Tour gekickt? Nein!“, twitterte er. Ähnlich sah es RTBF-Co-Moderator Rik Verbrugghe: „30 Sekunden Zeitstrafe und der Abzug von 80 Punkten im Kampf um das Grüne Trikot hätten gereicht. Man darf nicht vergessen, dass Mark Cavendish in diesem Spurt eine Lücke sucht, wo keine ist.“

Für eine Überraschung sorgte derweil André Greipel, der unmittbar nach dem Crash mit dem Doppel-Weltmeister noch hart ins Gericht gegangen war. „Manchmal sollte ich die Bilder anschauen, bevor ich etwas sage. Entschuldigung an @petosagan, da ich denke, dass die Entscheidung der Jury zu hart ist“, twitterte der dreimalige deutsche Meister später.

Mehrere Beobachter verwiesen darauf, dass auch Etappensieger Arnaud Démare (FDJ) keinen sauberen Sprint hinlegte und auf der Ziellinie gleich zwei Richtungswechsel vornahm.

Sagan ist übrigens der dritte Sprinter, der von der Tour de France ausgeschlossen wurde:

1997: Beim Massensprint in Marennes geht es zwischen dem Belgier Tom Steels und dem Franzosen Frédéric Moncassin hitzig zur Sache. Steels verliert die Nerven und wirft mit der Flasche nach Moncassin. Für den Sprinter ist mit dieser Aktion die Tour vorbei.

2010: Als Anfahrer für Mark Cavendish soll Mark Renshaw für seinen Kapitän den Weg freimachen. Im Zielsprint der elften Etappe in Bourg-Lès-Valence übertreibt es der Australier. Mit Kopfstößen traktiert er den Neuseeländer Julian Dean und wird daraufhin ausgeschlossen. (rsn/dpa/jph)

Jury-Präsident Philippe Marien | Foto: belga

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