Miguel Angel Lopez hofft auf den großen Coup

Radsport

Wenige Zeitfahrkilometer stärken die Favoritenposition von Miguel Angel Lopez. | Foto: Photo News

Bei der letzten GrandTour des Jahres wird der Nachfolger von Chris Froome (Sky) gesucht, der diesmal nicht am Start steht. Erster Anwärter auf das Rote Trikot ist der Kolumbianer Miguel Angel Lopez (Astana), dem jedoch Konkurrenz aus dem eigenen Land droht.

Nach enttäuschenden GrandTour-Vorstellungen in dieser Saison wollen aber auch Nairo Quintana (Movistar), Simon Yates (Mitchelton-Scott), Richie Porte (BMC), Rigoberto Uran (EF-Drapac) und Fabio Aru (UAE Team Emirates) in die Erfolgsspur zurückkehren. Die Favoriten im Überblick:

Miguel Angel Lopez (Astana): Nach Platz drei beim Giro d`Italia nimmt der Kolumbianer bei der Vuelta a Espana einen erneuten Anlauf, seine erste GrandTour zu gewinnen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Denn der 24-Jährige hatte nach dem Giro genügend Zeit zu regenerieren und zeigte zuletzt mit einem Etappensieg und Rang zwei bei der Burgos-Rundfahrt ansprechende Form. Zudem hat Lopez eine starke Mannschaft an seiner Seite. Mit Pello Bilbao, Jan Hirt, David Villella, Dario Cataldo und Omar Freile stehen gleich fünf starke Helfer parat, die im Hochgebirge das Rennen bestimmen können. Zahlreiche Bergetappen und wenige Zeitfahrkilometer spielen dem südamerikanischen Kletterspezialisten zusätzlich in die Karten.

Nairo Quintana (Movistar): Nach einer enttäuschenden Tour de France, die er auf Rang zehn abschloss, will der Kolumbianer Wiedergutmachung betreiben. Nach der Absage von Mikel Landa geht Quintana als alleiniger Movistar-Kapitän ins Rennen und will seinen zweiten Gesamtsieg nach 2016 einfahren. Allerdings stehen hinter der Form des 28-Jährigen noch einige Fragezeichen. Denn seit der Tour ist Quintana kein Rennen mehr gefahren. Für ihn sprechen die Streckenführung mit wenigen Zeitfahrkilometern, dazu ein starkes Team mit Alejandro Valverde, Richard Carapaz, Andrey Amador und Winner Anacona, das in den Bergen auf Augenhöhe mit Astana agieren wird.

Rigoberto Uran (EF-Drapac): Nachdem er in Folge eines Sturzes bei der Tour de France aussteigen musste, will der Tour-Zweite von 2017 nun in Spanien glänzen. Der Kolumbianer dürfte unter den Klassementfahrern hinter Richie Porte (BMC) der beste Zeitfahrer sein und könnte auf den insgesamt 42 Kilometern im Kampf gegen die Uhr Zeit gegen die Konkurrenz gutmachen. In den Bergen wird es für Uran, der sich mit Rang sechs bei der Clasica San Sebastian zurückmeldete, vor allem darum gehen, so lange wie möglich an seinen Landsleuten Lopez und Quintana dranzubleiben. An der mannschaftlichen Unterstützung sollte das Unternehmen Podium nicht scheitern. Mit Michael Woods, Pierre Rolland und Daniel Moreno hat der 31-Jährige drei Edelhelfer der Extraklasse dabei.

Richie Porte (BMC):Nach seinem verletzungsbedingten Ausscheiden bei der Frankreich-Rundfahrt nimmt auch der Australier einen weiteren Anlauf, um erstmals bei einer GrandTour auf dem Podium zu landen. Porte wurde allerdings gerade noch so fit für die Spanien-Rundfahrt und bestritt seit dem 15. Juli keine Rennen mehr. Der 33-Jährige wird versuchen, sich auf den insgesamt 42 Zeitfahrkilometern einen Vorteil gegenüber den Konkurrenten zu erarbeiten. Portes Helferriege Brent Bookwalter, Rohan Dennis und Nicolas Roche wird im Hochgebirge allerdings so ihre Schwierigkeiten haben.

Fabio Aru (UAE Team Emirates): Nach einer aus gesundheitlichen Gründen verkorksten ersten Saisonhälfte, die im vorzeitigen Ausstieg beim Giro d`Italia endete, will der Italiener nun zurückschlagen. Der Vuelta-Gesamtsieger von 2015 zeigte zuletzt mit Rang zehn bei der Polen-Rundfahrt einen Aufwärtstrend und hat in Spanien mit Dan Martin einen starken Helfer an seiner Seite. Ob Aru aber schon in der Verfassung ist, um seinen zweiten Gesamtsieg nach 2015 kämpfen zu können, scheint fraglich.

Emanuel Buchmann (Bora-hansgrohe): Erstmals in seiner Karriere wird der Deutsche als Kapitän in eine GrandTour gehen. Hält Buchmann diesem Druck stand, so kann es im Klassement weit nach vorne gehen. Dass die Form stimmt, zeigte der 25-Jährige mit dem siebten Gesamtrang und einem zweiten Etappenplatz bei der Polen-Rundfahrt. Mit Davide Formolo und Rafal Majka weiß der Kletterspezialist starke Teamunterstützung an seiner Seite. Im Flachen wird ihm Routinier Marcus Burghardt zur Seite stehen. Auch das Profil mit vielen Bergen und wenig Zeitfahrkilometern spielt Buchmann in die Karten. Weiterer Pluspunkt: Im Vergleich zu all seinen Rivalen hat er in diesem Jahr noch keine GrandTour in den Beinen und dürfte deshalb noch frisch sein. Probleme könnte Buchmann nur bekommen, wenn Fahrer wie Lopez ihren Turbo zünden, denn plötzliche Tempoverschärfungen kann der Bora-Kapitän noch nicht mitgehen.

Simon Yates (Mitchelton-Scott): Nachdem er beim Giro lange Zeit auf Siegkurs lag, im Finale aber komplett einbrach und nur Rang 21 belegte, will der Australier bei der Vuelta nun bis zum Schluss durchziehen. Yates zeigte zuletzt bei der Polen-Rundfahrt mit dem zweiten Gesamtrang und einem Etappensieg gute Form. In Spanien kann er auf die Unterstützung seines Zwillingsbruders Adam und Jack Haig bauen, beides ausgesprochene Kletterspezialisten.

George Bennett (LottoNL-Jumbo):Der Neuseeländer bildet mit Steven Kruijswijk eine Doppelspitze, doch nachdem der Niederländer schon eine kräftezehrende Tour de France in den Beinen hat, dürfte Bennett stärker einzuschätzen sein. Platz vier bei der Polen-Rundfahrt spricht dafür, dass der 28-Jährige punktgenau zur Vuelta in Form kommt. Im spanischen Hochgebirge wird der Kletterspezialist nicht nur auf Kruijswijk, sondern auch auf den Debütanten Sepp Kuss zählen können. (rsn)

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