„Ich kann’s kaum erwarten“

Radsport

Chris Froome | Foto: Photo News

Viele plädieren für ein selbst auferlegtes Rennverbot, doch Chris Froome beeindruckt das nicht. Trotz seiner bislang nicht geklärten Salbutamol-Affäre gibt der Tour-Champion ab Mittwoch bei der Andalusien-Rundfahrt sein Saisondebüt.

Von Ruben Stark

Chris Froome könnte aus Respekt ein viel beachtetes Zeichen setzen, doch der ins Zweilicht geratene Tour-Champion unterlässt es. Statt im Lichte seiner ungeklärten Salbutamol-Affäre im Hintergrund zu bleiben und den Ausgang seines Falls abzuwarten, steht der britische Radprofi am Mittwoch bei der Andalusien-Rundfahrt erstmals in dieser Saison an der Startlinie. Letzte Zweifel zerstreute Froome am Dienstag mit einem Abreisefoto bei Twitter und den Worten: „Ich kann’s kaum erwarten, die Saison zu beginnen!“

Der neue UCI-Präsident David Lappartient vertritt den Standpunkt der Mehrheit. „Sky sollte Froome sperren.“

Froome versicherte dabei aufs Neue, dass er sein „Möglichstes“ unternehme, „um sicherzustellen, dass die Dinge so schnell wie möglich gelöst werden“. In seinem Interesse gelöst werden, hätte er wohl hinzufügen können, denn dass Froome und sein Team Sky ein grundsätzliches Interesse an einer schnellen Klärung haben, darüber darf trefflich diskutiert werden – wenngleich Froome sich mit seinem Start bei der Ruta del Sol im Rahmen der Regularien bewegt. Aber wie sonst ist zu erklären, dass inzwischen fast fünf Monate vergangen sind, seit der 32-Jährige bei der WM im letzten September in Norwegen über die positive Dopingprobe informiert wurde und nach wie vor keine schlüssige Erklärung vorliegt. Dazu passt, dass Teamchef Dave Brailsford jüngst am Rande eines Rennens in Kolumbien beklagte, dass das Verfahren überhaupt öffentlich geworden sei. Hatte er nicht einst vehement für Offenheit und Transparenz geworben?

Der neue UCI-Präsident David Lappartient vertritt den Standpunkt der Mehrheit. „Sky sollte Froome sperren“, sagte der Franzose kürzlich. Er liegt damit auf einer Linie mit Rivalen Froomes – etwa mit dem Franzosen Romain Bardet oder dem Italiener Vincenzo Nibali. Der Chef des Radsport-Weltverbandes rechnet allerdings eher mit einem zehrenden Justizmarathon. „Es wird eine juristische Schlacht, die mindestens ein Jahr andauern könnte“, glaubt Lappartient.

Am Ende müssten im Schuldfall rückwirkend Ergebnisse wie etwa der Triumph bei der Vuelta gestrichen werden, während der Spanien-Rundfahrt war die fragliche Probe genommen worden. Eine Lex Froome gibt es ohnehin schon. Wenn es um einen unbedeutenden Fahrer gegangen wäre, wäre dieser längst suspendiert, vermuteten viele.

Doch auf das Team Sky können sie sich dabei wohl kaum verlassen. Der ehemalige italienische Mannschaftsarzt Fabio Bartalucci attestierte seinem Ex-Arbeitgeber im Gespräch mit dem Internetportal cyclingnews.com einen Realitätsverlust: „Sir David Brailsford denkt, er kann alles kontrollieren, aber das ist jetzt eine seiner größten Schwächen, weil die Ereignisse ihn überrollt haben.“

Interessant wird auch, wie das Publikum dem viermaligen Tour-de-France-Sieger begegnet. Gerade während der Frankreich-Rundfahrt hatte Froome in der Vergangenheit Ablehnung erfahren, erinnert sei an die Urin-Attacke im Jahr 2015. „Es wäre ehrenwert, sich selbst bis zu einer Lösung zurückzuziehen“, findet der Amerikaner Jonathan Vaughters. Vaughters war einst Helfer von Lance Armstrong, später als Kronzeuge an dessen Sturz beteiligt und ist als Teamchef beim EF-Drapac-Rennstall seit Jahren als Dopingbekämpfer bekannt. Einfach weitermachen sei „ein riesiges Problem für den Radsport“, sagte Vaughters. Froome sieht das offenkundig anders. (sid)

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