Kunstschnee und Nudelsuppe: Tops und Flops der Winterspiele

Olympia

Dieser kulinarischen Spezialität kann man Südkorea kaum entkommen - und das sollte man auch nicht: Nudelsuppe. | Foto: dpa

Die Tops

  • Organisation

Pünktlich, freundlich, zuverlässig: Staufreie und pannenlose Spiele mit kurzen Wegen, keine Beschwerden der Sportler über Unterkünfte, Verpflegung, Transport. Gute Sportstätten ohne Fehl und Tadel. Respekt, Korea! Das war sehr gut. Gerne wieder.

  • Politische Eisschmelze

Es waren Spiele im Zeichen des Friedens. Nordkorea unterließ das übliche Säbelrasseln, entsandte seine Cheerleader und hochkarätige Delegationen. Kim Jong Un war allerdings nur ein Spaßvogel, der als Doppelgänger auftrat. Einschränkung: Es bleibt die bange Frage, wie es mit Korea weitergeht. Wünschen wir das Beste.

  • Kunstschnee

Es hat einmal kurz geschneit. Immerhin. Doch ohne künstliche Beschneiung wäre ja gar nichts gegangen in Pyeongchang. So allerdings hatten alle Athleten für ihre (Schnee-)Sportarten beste Bedingungen. Dennoch: Die eine oder andere Flocke am Himmel wäre schön gewesen. Es kann nicht alles perfekt sein.

  • Nudelsuppe

Grundnahrungsmittel aller Koreaner. Anscheinend lebenserhaltend. Morgens mit Fischeinlage, mittags höllisch scharf, abends mit winzigen, getrockneten Gemüsefädchen. Stets instant, zum Aufgießen bei vier Minuten Wartezeit. Dennoch: Die Welt der asiatischen Küche ist ein wahres Feuerwerk. Lecker!

Die Flops

  • Flair

Nicht vorhanden. Ja, vielleicht mal beim Shorttrack, Eiskunstlauf, Curling. Aber das war’s dann auch. Wie ist Südkorea? Das weiß man kaum besser als vorher. In Pyeongchang? Ab zehn Uhr abends völlig tote Hose. Und: enttäuschender Zuschauerzuspruch – trotz gegenteiliger Beteuerungen. Das IOC will in Asien einen neuen Markt erschließen. Es stellt sich die Frage, ob es diesen überhaupt gibt.

  • IOC

Kopfschüttel-Kino. Bis zur letzten Minute blieb der Umgang mit Russland fragwürdig. Der Dopingfall eines russischen Curlers warf einen Schatten auf die Spiele, 48 Stunden vorher wusste niemand, ob Russland bei der Schlussfeier wieder unter eigener Flagge würde antreten dürfen. Unwürdig.

  • Risiko

Die Skicross-Strecke war halsbrecherisch schnell, Beckenbrüche und gebrochene Schienbeine sind noch als glimpflich einzuordnen. Slopestyle-Gold wurde im Sturm vergeben, was an vorsätzliche Körperverletzung grenzte. Die Liebe zum Spektakel, zum perfekten Bild ging vor der Sicherheit. Das darf nicht sein.

  • Nachhaltigkeit

Wer benutzt künftig die Bobbahn? Wer die riesigen Skisprungschanzen? Wer wird die hässlichen Betontürme bewohnen? Fragen, die ein Kneifen im Magen hinterlassen werden, wenn der Olympia-Zirkus weitergezogen ist. Eine Abkehr vom Gigantismus hin zu organischeren Spielen ist die einzige Option. Vom Umweltschutz ganz zu schweigen. (sid)

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