Geheimoperationen und Schmutzkampagnen: Neue Vorwürfe gegen Katar

WM 2022

Auch wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, sind Auswirkungen auf die WM 2022 jedoch unwahrscheinlich.Illustrationsfoto: dpa

Katar sieht sich erneut schweren Vorwürfen ausgesetzt. Der WM-Gastgeber 2022 soll bei seiner Bewerbung mit Geheimoperationen gezielt falsche Informationen über die Konkurrenten Australien und USA in Umlauf gebracht haben.

Von Jan Mies

Abgeworbene CIA-Agenten, gekaufte Journalisten und manipulierte Regierungsmitglieder: WM-Gastgeber Katar soll vor der Vergabe der Endrunde 2022 gezielt falsche Informationen über die Konkurrenten verbreitet haben. Das berichtet die britische „Sunday Times“. In den USA und in Australien sollte demnach Stimmung gegen die Ausrichtung des teuren Großereignisses gemacht werden, um die Bewerbungen von innen heraus zu sabotieren.

Die Zeitung beruft sich auf Emails eines Whistleblowers, der für das Bewerbungskomitee des Wüstenemirats gearbeitet haben soll. Daraus soll hervorgehen, dass Katar die US-PR-Firma Brown Lloyd Jones sowie ehemalige Agenten des Auslandsgeheimdienstes CIA angeheuert hat. Diese sollten, so der Vorwurf, die Vorgabe des Weltverbands FIFA untergraben, dass WM-Bewerber nur mit starker Unterstützung aus ihren Ländern antreten dürfen.

Katar hatte die Vergabe im Dezember 2010 in der vierten Runde überraschend mit 14:8 Stimmen gegen die USA (inzwischen Gastgeber der WM 2026) gewonnen. Australien war mit nur einer Stimme, die vermeintlich von Franz Beckenbauer kam, bereits im ersten Wahlgang gescheitert. In der Verlosung waren zudem Südkorea und Japan. Das damals stimmberechtigte FIFA-Exekutivkomitee um Ex-Präsident Joseph S. Blatter gilt heute als die Keimzelle der großen FIFA-Skandale.

Katars WM-Organisationskomitee wies am Sonntag alle Vorwürfe zurück. „Wir haben alle Regeln im Rahmen der Bewerbung eingehalten“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Vergabe sei zudem bereits „gründlich“ untersucht worden. Auch die FIFA verwies auf die interne, von US-Anwalt Michael Garcia geleitete Ermittlung, die Korruption und Betrug nicht hatte beweisen können. Der 2014 fertiggestellte und 2017 veröffentlichte „Garcia-Bericht“ blieb ohne Konsequenzen für Katar.

Ob die von der „Sunday Times“ genannten Vorwürfe da schon bekannt waren, blieb zunächst offen. Drei Beispiele: Ein Ökonomie-Professor soll in den USA über Mittelsmänner bezahlt worden sein, um die finanziellen Risiken der WM-Ausrichtung hervorzuheben. Ebenso Journalisten für das Schreiben negativer Berichte. Sportlehrer sollen ihre Kongressabgeordneten damit beeinflusst haben, dass das hohe WM-Organisationsbudget in den US-Schulen nötiger gebraucht werden würde.

Auch wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, sind Auswirkungen auf die WM 2022 jedoch unwahrscheinlich. Katar hat bereits Milliarden investiert. Selbst wenn die FIFA an unanfechtbare Beweise käme, die eine Neuausschreibung rechtfertigen würden – die folgende Welle an Gerichtsverfahren wäre gigantisch und für den Weltverband wohl nicht zu bezahlen.

(sid)

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