Die „goldene Generation“ ist erwachsen – Der Stolz einer ganzen Nation

Kommentar

Die belgische Nationalmannschaft steht im WM-Halbfinale! | Foto: afp

Jubel, überall nur Jubel. Von Ostende über Brüssel bis Eupen und natürlich im russischen Kasan. Die Roten Teufel haben den Traum eines ganzen Landes erfüllt. Der knappe 2:1-Sieg über den Rekordweltmeister Brasilien tut der Landesseele gut. Und er ist historisch!

Von Mario Vondegracht

Es ist ein Erfolg einer „goldenen Generation“, die zwei Jahre lang unter dem neuen Helden des Landes, Nationaltrainer Roberto Martinez, auf dieses eine große Spiel hingearbeitet hat. Ihr Rendezvous mit der Geschichte hat die Mannschaft nicht verpasst.
Ex-Nationalcoach Georges Leekens hatte es in dieser Zeitung gesagt: Am Freitagabend hieß es gegen Brasilien „alles oder nichts“. Die Roten Teufel haben sich für „alles“ entschieden.

Das dritte Viertelfinale in Serie (Brasilien 2014, Frankreich 2016 und Russland 2018) wurde endlich gewonnen. Dabei ist Eden Hazard und Co. auch eine späte Revanche gelungen. Jeder erinnert sich in den vergangenen Tagen noch an das aberkannte Tor von Marc Wilmots im WM-Achtelfinale 2002. Davon braucht jetzt keine Rede mehr zu sein.

Die „goldene Generation“ hat sich ein Denkmal gesetzt.

Stattdessen werden wir noch in 50 Jahren von diesem Sieg sprechen, den sich die Nationalmannschaft an einem lauwarmen russischen Abend hart erkämpfte. Die wohl talentierteste Generation von belgischen Fußballern ist im ersten großen Aufeinandertreffen mit einem Gegner von Weltformat nicht kläglich gescheitert, sondern hat sich ein Denkmal gesetzt. Roberto Martinez hatte einen perfekten Matchplan für die Roten Teufel ausgearbeitet, die auf den Spuren der 1986er-Mannschaft um Jan Ceulemans und Co. wandeln und seit 24 Spielen ungeschlagen ist. Alleine schon mit der Startelfänderung (Fellaini und Chadli für Mertens und Carrasco) sorgte er für mehr Platz für Kevin De Bruyne, dem das wichtige 2:0 gelang.

Den Mount Everest bestiegen. Jetzt kommt der nicht ungefährliche Abstieg.

Hinzu kam das Glück des Tüchtigen, denn die Defensive sah in der ersten Halbzeit nicht immer sattelfest aus. Die Samba-Fußballer ließen so viele Chancen aus und liefen pausenlos an. Aber das vergessen wir jetzt. Vielmehr behalten wir, dass die Männer vom Zuckerhut nicht den Charakter bewiesen, den die Roten Teufel gegen Japan demonstrierten. Stattdessen hielten Vincent Kompany und seine Freunde dem Druck auch in der zweiten Halbzeit stand und warfen sich in jeden Ball. Es klingt platt, aber: Sie haben bis zum Umfallen gekämpft.

Bildlich gesprochen hat die „goldene, erwachsene Generation“ den Mount Everest bestiegen. Jetzt muss sie nur noch den sicheren Abstieg schaffen. Auch keine leichte Aufgabe. Zuerst kommt Frankreich, dann könnte im Finale England der Gegner sein.

Nun heißt es allerdings erst einmal feiern! Aber nicht zu viel. Am Dienstag geht das WM-Sommermärchen nämlich weiter.

  1. Danke Belgien ! Danke für Euren Kampfgeist et la volonté farouche de vouloir réussir !
    In Deutschland ist Belgien in aller Munde… und das nur positiv.

    Aus Deutschland grüßen die stolzen Belgier

    Ingrid und Sven Wiesrecker

  2. Das Spiel Belgien gegen Brasilien wurde gestern in den Nachrichten eines deutschen Fernsehsenders so kommentiert:

    „Brasilien hat gegen Belgien mit 1:2 verloren.“

    Es folgte sinngemäß, dass im Land bittere Tränen über diese Niederlage vergossen würden.
    Eine richtige Bemitleidung des Verlieres.

    Kein Wort darüber, dass der europäische Nachbar Belgien das Spiel gewonnen hatte.

    Leider ist es nicht das erste Mal, sondern eher die Regel, dass die Medien „drüben“ Belgien nur dann für erwähnenswert halten, wenn dort Atomreaktoren in Panne fallen oder Islamisten und Vergewaltiger ihr Unwesen treiben.

  3. Hallo Norbert,
    Mit deinem Kommentar hast du voll ins Schwarze getroffen. Ich glaube, dass unsere östlichen Nachbarn uns den Sieg nicht gönnen. Schon gegen Japan haben die Kommentatoren den Verlierer bedauert und geschrieben, Japan hätte unglücklich verloren. Man hätte das Ganze auch anders sagen können, nämlich: Die belgische Nationalmannschaft hat durch ihre Kampfkraft und durch ihr Können ein verlorengeglaubtes Spiel noch verdient gewonnen.
    Liebe Grüße an einen ehemaligen Schulkameraden.

    1. Es gibt aber auch hierzulande diejenigen, die ‚uns‘ den Sieg nicht gönnen: die NV-A…
      Keinen Ton hört man noch von ihnen.

      Verdächtig still ist es um die sonst so posaunend-populistischen Bart, Theo, Jan, usw. geworden? Warum nur? Vielleicht weil der Erfolg eines „Team Belgien“ nicht ins NV-A-Konzept passt?

      Aus dem Erfolg der belgischen Nationalmannschaft kann man als separatistische extrem rechte Partei Flanderns natürlich keinen Profit schlagen. Ob sich die Wähler an den Erfolg der Nationalelf bis zu den Gemeindewahlen erinnern, steht allerdings noch offen…

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