Kathrin Hendrich hat neuen Chef

Frauen-Fußball

Horst Hrubesch übernimmt vorerst. | Foto: dpa

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat sich von Bundestrainerin Steffi Jones getrennt. Sechs Tage nach dem schlechten Abschneiden beim SheBelieves Cup gab der Verband das Ende der Zusammenarbeit bekannt.

Die Probezeit der Berufseinsteigerin ist abgelaufen – nun soll es der alte Haudegen richten. Nach eineinhalb Jahren muss die erfolglose Fußball-Bundestrainerin Steffi Jones (45) ihren Posten räumen. Horst Hrubesch (66) übernimmt den zweimaligen Welt- und achtmaligen Europameister als Interimscoach bei den anstehenden WM-Qualifikationsspielen im April. Wer danach kommt und das Team um die Ketteniserin Kathrin Hendrich, die gestern mit ihrem Klub 1. FFC Frankfurt ein wichtiges Pokalspiel bestritt, zur WM-Endrunde im Sommer 2019 führen soll, ist offen.

Junioren-Nationaltrainerin Maren Meinert (44), die 2003 mit dem Weltmeistertitel ihre aktive Karriere beendete, wäre für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine erfolgreiche Frau aus den eigenen Reihen. Für Meinert, die mit ihren Mannschaften zweimal die U20-WM und dreimal die U19-EM gewonnen hat, spricht die Stellenbeschreibung von DFB-Präsident Reinhard Grindel.

„Bei der Trainersuche wollen wir mit den Vereinen der Bundesliga jetzt eine Lösung finden, die den Frauenfußball auf eine neue Grundlage stellt“, twitterte der DFB-Boss: „Heißt: Mehr Koordination zwischen DFB und Liga, mehr Verzahnung von A-Mannschaft und U-Bereich.“ Neben Meinert werden Ralf Kellermann (Sportchef beim VfL Wolfsburg) und Martina Voss-Tecklenburg (Schweizer Nationaltrainerin) gehandelt.

Bei Jones bedankte sich Grindel für die geleistete Arbeit: „Sie ist und bleibt ein prägendes Gesicht des deutschen Frauenfußballs, und ich würde mich freuen, wenn sie in anderer Funktion dem DFB und dem Frauenfußball erhalten bleibt.“ Hrubesch wünschte er via Twitter „viel Erfolg für die nächsten Spiele“.

Der DFB brach das Experiment Jones nach den schlechten Auftritten des Olympiasiegers gegen die Weltklasseteams USA (0:1), England (2:2) und Frankreich (0:3) beim SheBelieves Cup Anfang März ab – und sorgte für ein Novum: Erstmals in der mehr als 35-jährigen Historie der erfolgsverwöhnten Frauen-Auswahl muss die sportliche Leitung vorzeitig gehen.

Ausschlaggebend für die Entscheidung des Präsidiums waren die Empfehlungen von Oliver Bierhoff (Direktor Nationalmannschaften) und Joti Chatzialexiou (Sportlicher Leiter Nationalmannschaften) nach einer „intensiven Analyse der vergangenen Monate“. Nach SID-Informationen hat sich auch ein großer Teil der Mannschaft gegen Jones ausgesprochen.

„Wir wollen den Wechsel nutzen, um die Strukturen im Frauenfußball weiter zu professionalisieren, die Verzahnung mit dem Männerbereich zu verstärken und neue konzeptionelle Wege zu gehen“, sagte Bierhoff, der auf die Kompetenz von Erfolgscoach Hrubesch vertraut.

Viel Zeit zur Einarbeitung bleibt Hrubesch allerdings nicht. Am 7. April in Halle/Saale gegen Tschechien und drei Tage später in Slowenien müssen Siege für die WM-Qualifikation her. „Ich habe den Frauenfußball in den vergangenen Jahren verfolgt und war auch bei der EM im Sommer vor Ort“, sagte Hrubesch: „Ich helfe in dieser Phase gerne.“

Seit Jones ohne jegliche Vorerfahrung als Cheftrainerin nach dem Olympiasieg 2016 das Zepter von Neid übernommen hatte, schaffte die DFB-Auswahl in 22 Spielen nur 13 Siege (vier Unentschieden, fünf Niederlagen). Bei der EM im vergangenen Sommer in den Niederlanden begann die Krise mit einem Knall, als der Traum vom neunten EM-Titel historisch früh platzte. Bereits im Viertelfinale war Schluss für den Rekord- und Dauerchampion.

Nur zehn Tage später aber gab der DFB Jones und ihrem Trainerstab nicht nur eine zweite Chance, sondern verlängerte ihren Vertrag bis zur WM in Frankreich. Als die direkte Qualifikation für die Endrunde durch eine ebenfalls historische 2:3-Heimpleite gegen Island im Oktober in Gefahr geriet, schrillten dann doch alle Alarmglocken. Grindel zählte Jones öffentlich an.

Nun ist Jones nach ihrem steilen Aufstieg von der Weltmeisterin 2003 über ihre Funktionärs-Karriere (OK-Chefin der WM 2011, DFB-Direktorin) zur Bundestrainerin krachend auf dem Boden der Tatsachen gelandet. (sid/mv)

Steffi Jones muss gehen. | Foto: dpa

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