Chinesisches „Wolfsrudel“ auf Expansionskurs

Fußball

Wang Jianlin„liebt“ Fußball schon sein Leben lang, wie er versichert, doch er ist mehr als ein gut betuchter Fan. | Foto: afp

Wang Jianlin hält sich nicht mit dem Kauf einzelner Fußballer auf. Der mit einem Vermögen von rund 30 Milliarden Euro reichste Chinese hat sich gleich vier komplette Nationalmannschaften gesichert – wenn auch erst mal nur für vier Spiele.

Ab Dienstag steigt im südchinesischen Nanning die Premiere des China Cups, eines Einladungsturniers für Nationalteams. Neben China und Kroatien, die jeweils eine B-Auswahl entsenden, treten die EM-Sensation Island mit Kultkeeper Hannes Halldórsson und vier weiteren EURO-Helden sowie Copa-América-Sieger Chile an. Initiiert wurde das Turnier von Wangs Wanda-Gruppe, dem weltweit führenden Sportbusiness-Unternehmen.

Wang (62) „liebt“ Fußball schon sein Leben lang, wie er versichert, doch er ist mehr als ein gut betuchter Fan. Der China Cup ist eines von zahllosen Vehikeln, mittels derer Wang sein übergeordnetes Ziel verfolgt: Ein Entertainment-Weltreich zu schaffen, das von China bis nach Hollywood greift. Das Vorbild war lange Disney, doch zuletzt meinte Wang, ein einsamer Tiger wie der US-Medienkonzern könne gegen sein „Wolfsrudel“ wenig ausrichten. Wanda, der umsatzstärkste chinesische Immobilien-, Hotel- und Kaufhausriese, investiert inzwischen global in Unterhaltung, Kultur und Tourismus – und macht Sportpolitik für China. Im Januar 2015 stieg Wanda beim spanischen Topklub Atlético Madrid ein, dessen neues Stadion den Namen der Gruppe tragen wird. Die Chinesen sind überdies direkt oder über ihre Tochter Infront Partner von mehr als 150 internationalen Verbänden und Organisationskomitees, darunter alle sieben olympischen Wintersportverbände. Wang handelt getreu dem „Guanxi“, dem Netzwerk persönlicher Beziehungen, ohne das in China nichts geht. Im März 2016 wurde seine Gruppe Sponsor des Fußball-Weltverbandes FIFA. Damit, teilte Wanda mit, sei man besser aufgestellt, „um eine Rolle im Bieterprozess für die Vergabe großer Fußballturniere wie der Weltmeisterschaft zu spielen“. Der Schlüssel bei dieser Strategie war die Übernahme der Infront Sports and Media im Februar 2015. Wanda ließ sich den größten europäischen Sportrechtevermarkter 1,05 Milliarden Euro kosten. Infront vermarktet nicht nur die Länderspiele der deutschen Fußball-Weltmeister, sondern auch alle großen FIFA-Turniere im asiatischen Markt.

Infront-Chef und Boss der Wanda Sports Holding ist übrigens Philippe Blatter, Neffe des langjährigen FIFA-Präsidenten Sepp Blatter. „Früher oder später wird die WM in China stattfinden“, sagte er dem Handelsblatt. Wanda soll’s richten. Der China Cup ist dabei ein Mosaiksteinchen. Das Turnier, hoffen die Chinesen, könnte auf Sicht den bei den nationalen Verbänden unbeliebten Confed Cup ablösen. Man sei in Gesprächen mit der FIFA über das Format, sagte Wang. Ab 2019 sollen an der jährlich geplanten Runde acht Teams teilnehmen, „und wir werden nur Mannschaften aus den Top 30 der Weltrangliste einladen“, sagte Wang gewohnt vollmundig. (sid)

  1. In China arbeiten manche Leute 14 Stunden am Tag , Sonntag inkl. Und auf der anderen Seite Typen wie dieser Kerl hier. Einzelne Individuen übernehmen quasi das Ruder auf unserem Planeten. Eine Konsequenz von uns Normalsterblichen wäre grundsätzlich zum Beispiel Fußballclubs, die solchen Menschen „gehören“, einfach zu boykottieren…aber o weh, vielleicht schwimmt die ASE auch schon in diesem Gewässer…

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