Tuchels Zukunft bei Paris Saint-Germain scheint geklärt

Dass Thomas Tuchel ab Sommer PSG übernimmt, bezweifelt niemand mehr. | dpa

Er strahlt Souveränität aus, sein Blick ist nach oben gerichtet, und neben seinem Konterfei steht in großen Buchstaben: „Thomas Tuchel – Maître du jeu“.

Offiziell bestätigt ist die Verpflichtung des 44-Jährigen als neuer Trainer des französischen Topklubs Paris Saint- Germain zwar noch nicht. Die „L’Equipe“ behauptet, dies werde auch nicht geschehen, ehe PSG den Meistertitel endgültig unter Dach und Fach gebracht habe, vielleicht warte man auch noch das Pokalfinale ab. Aber dass der ehemalige Dortmunder Coach ab Sommer PSG übernimmt, bezweifelt niemand mehr.

Doch es drohen auch Probleme. Sportdirektor Antero Henrique soll seinen portugiesischen Landsmann und früheren Standard-Lüttich-Spieler Sergio Conceicao favorisiert haben und sich von den Klubbesitzern aus Katar übergangen fühlen, das könnte zu atmosphärischen Störungen zwischen ihm und Tuchel führen.

Wichtiger wird für Tuchel sein, die Stars auf seine Seite zu ziehen. Allen voran Neymar. Den Brasilianer, der nach seiner Operation am Fuß in den kommenden Tagen in Paris zurückerwartet wird, soll es nach seiner Premierensaison in Frankreich wieder nach Spanien ziehen. Gerüchte um einen Transfercoup von Real Madrid halten sich hartnäckig.

Bei einem Verkauf hätte Tuchel zumindest die Möglichkeit, Spieler zu verpflichten, die in sein taktisches Schema passen. Denn so reich PSG durch die Scheich-Millionen auch ist: Wegen der heftig umstrittenen Transfers von Neymar (222 Millionen Euro) und Kylian Mbappe (180) steht PSG unter genauester Beobachtung der UEFA, ein Transferbann droht.

Es ist also möglich, dass Tuchel im Großen und Ganzen mit dem vorhandenen Kader, zu dem auch der belgische Nationalspieler Thomas Meunier gehört, auf Titeljagd geht. Der prestigeträchtige Triumph in der Champions League dürfte zwar nicht im Zweijahresvertrag (plus Option auf eine weitere Saison) als Ziel festgehalten sein, doch an nichts anderem wird Tuchels Arbeit gemessen. Noch-Trainer Unai Emery konnte auch die gute Aussicht auf das Triple in Frankreich (Meistertitel plus zwei Pokalsiege) nicht retten. Nach dem klaren Achtelfinal-K.o. gegen Real Madrid senkten die Klubbesitzer für Emery den Daumen.

Tuchel soll sich bei einem Treffen in Doha mit Mehrheitseigner Tamim ben Hamad Al-Thani und Präsident Nasser Al-Khelaifi mündlich auf eine Zusammenarbeit geeinigt haben. Erst danach kam Bayern München mit seinem Vorstoß bei Tuchel – zu spät. Vor der Einigung mit dem ehemaligen BVB-Coach hätten sich die Scheichs aus Katar laut „L’Equipe“ auch mit dem deutschen Bundestrainer Joachim Löw beschäftigt, wegen der WM in Russland hätte sich das Thema aber schnell erledigt. (sid)