Ottmar Hitzfeld: Ein Erfolgstrainer wird 70

Fußball

Ottmar Hitzfeld führte den BVB zum Meistertitel. | Foto: dpa

Ottmar Hitzfeld führte Borussia Dortmund und Bayern München zum Champions-League-Titel. Am Samstag wird der einstige „General“ 70.

Derzeit, sagt Ottmar Hitzfeld, sei es ihm „ein bisschen langweilig“. Der Mann, der immer so sehr unter dem Alltagsstress als Trainer gelitten hatte, vermisst den Kick beim Kicken. Schuld ist die Winterpause. „Es wird viel geschrieben, aber das ist nicht so spannend“, meint Hitzfeld. Er brennt darauf, dass der Ball wieder rollt.

„Fußball ist meine Leidenschaft, mein Hobby, war nicht nur Beruf“, sagt Hitzfeld, der heute in Lörrach bei Freiburg „im engsten Familienkreis“ seinen 70. Geburtstag feiert. Der Fußball beschäftige ihn „nach wie vor“, auch wenn er sich zu Hause vor dem Fernseher „die Rosinen“ herauspickt, wie er lachend sagt.

Die „Rosinen“, das sind Spiele seiner früheren Klubs Borussia Dortmund und Bayern München, mit denen Hitzfeld einst die Champions League gewann. Er verfolge stets die neuesten Meldungen über BVB und FCB, den Traineralltag vermisse er aber keineswegs. „Mir geht es sehr gut, alles passt. Ich bin gesund und kann das Leben ohne Stress genießen“, sagt Ottmar Hitzfeld.

Stress oder Druck – diese Worte benutzt er im Gespräch immer wieder. Wenn er Dortmund oder den Bayern zusehe, sei es für ihn „interessant, wie die Vereine mit Drucksituationen, Stress oder Krisen umgehen“. Dann denkt er zurück an seine Zeit. An all die Titel, für die er „sehr dankbar“ sei, oder die WM-Teilnahmen mit der Schweiz 2010 und 2014. Aber auch: an Stress.

Seine „Existenzangst“ habe er erst verloren, als er 1995 mit 46 Jahren erstmals deutscher Meister wurde, sagt er. Vor allem der Umgang mit Stars wie Matthias Sammer, Oliver Kahn oder Franck Ribery sei fordernd gewesen. Täglich habe er gedacht: „Was steht in der Zeitung, was hat sich dieser oder jener Spieler wieder erlaubt.“ Der Trainerjob verlange „unheimlich Disziplin“, meint der einstige „General“, den seine Eltern gerne als Pfarrer gesehen hätten.

Dass er seine Gefühle meist für sich behalten habe, habe „mit meiner katholischen Erziehung zu tun“, sagt Hitzfeld. Doch irgendwann hielt er es nicht mehr aus. Als er 2004 in München entlassen wurde, war er „froh. Nach sechs Jahren Bayern war ich ausgebrannt.“ Das Angebot des DFB, Bundestrainer zu werden, lehnte er ab. „Ich brauchte eine Pause.“ Wehmut? „Überhaupt nicht! Ich wollte diesen Stress nicht mehr und hatte mit dem Trainerdasein abgeschlossen.“

Erst nach fast drei Jahren als TV-Experte zog es ihn im Februar 2007 noch einmal für 16 Monate nach München zurück. „Fußball ist keine Mathematik“, dieser legendäre Satz fiel damals, weil Mathelehrer Hitzfeld es nach Meinung von Boss Karl-Heinz Rummenigge mit der Rotation übertrieben hatte. Nach dem Double 2008 verabschiedete sich Hitzfeld in die Schweiz, „weil man als Nationaltrainer regenerieren kann, keinen Alltagsstress hat“.

Heute genießt er es, frei zu sein. „Als Trainer ist alles vorbestimmt durch den Terminkalender. Jetzt kann ich den Alltag selbst gestalten.“ Manchmal hält er Vorträge oder sitzt in Talks, mit Ehefrau Beatrix besucht er in München den Sohn oder fährt zum Zweitwohnsitz in die Berge nach Engelberg, im Sommer spielt er Golf.

Ansonsten lebe er „wie ein Rentner“, sagt Hitzfeld: „Zeitungen lesen, Brötchen kaufen, Fußball schauen.“ Bloß keinen Stress! (sid)

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