Kölns historische Chance

Fußball

Trainer Peter Stöger (rechts, hier mit Sportdirektor Jörg Schmadtke): „Es ist ein Endspiel für uns. Das ist nichts Selbstverständliches für Köln.“ | Foto: dpa

Lange ein weit entfernter Traum, nun plötzlich greifbar: Der 1. FC Köln könnte sich erstmals seit 25 Jahren wieder für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren. Der Klub und die ganze Stadt fiebern dem „Endspiel“ gegen Mainz entgegen.

Von Andreas Asen und Thomas Weitekamp

Rot-weiße Flaggen in den Fenstern, Hennes mit gelbem Bauarbeiterhelm und die Fans seit Wochen im Ausnahmezustand: Der 1. FC Köln, nein, die ganze Stadt fiebert dem „Endspiel“ um die Europapokalteilnahme entgegen.

„Es gibt kein anderes Thema in der Kabine“, sagte auch Trainer Peter Stöger und schwor sein Team damit auf die wichtigsten und letzten 90 Minuten der Saison am Samstag (15.30 Uhr) gegen den FSV Mainz 05 ein: „Es ist ein Endspiel für uns. Das ist nichts Selbstverständliches für Köln.“

Gewinnt der FC und patzt mindestens einer der Konkurrenten SC Freiburg (in München) und Hertha BSC (gegen Leverkusen), ist die Rückkehr ins internationale Geschäft nach 25-jähriger Abstinenz Realität. Und für den großen Traum von Europa packen alle mit an, sogar das Maskottchen Hennes. Der Geißbock schlüpfte dafür sogar in Arbeiterkluft und ziert den jüngst auf der FC-Homepage freigeschalteten Europa-Bereich. Neben ihm steht der Satz: „UNDER CONSTRUCTION – Wir arbeiten mit Hochdruck an diesem Vorhaben.“

Natürlich ist diese PR-Aktion mit einem Augenzwinkern zu sehen, aber bei aller Selbstironie ist klar: Nach Wochen und Monaten des Understatements will der FC diese so große Chance ergreifen und wird dabei bis an die Grenzen gehen. Auch beim Aufstieg aus der 2. Bundesliga 2008 hatte der FC ein Heim-Endspiel gegen Mainz – und gewann 2:0.

„Psychisch und physisch sind wir am Anschlag“, sagte Manager Jörg Schmadtke dem Magazin Geissblog: „Aber ich kenne unsere Jungs und weiß, dass sie in der Lage sind, sich für ein Spiel noch mal richtig hochzutreiben und zur Bestform zu bringen. Danach müssen wir uns nur noch Gedanken machen, wie wir sie nach dem Spiel vom Platz bekommen. Aber das werden wir auch noch hinbekommen.“

Dabei wird es am Samstag erneut auf Torjäger Anthony Modeste ankommen, ohne dessen 25 Saisontreffer der FC diese historische Chance kaum hätte. „Ich mache einfach meinen Job. Vor der Saison habe ich gesagt, dass ich mehr Tore schießen möchte als in der letzten Saison, und dass ich davon träume, in die Europa League zu kommen“, sagte der Franzose: „Wir können das schaffen. Wir müssen gewinnen und müssen wie in jedem Spiel Vollgas geben.“

Schmadtke: „Psychisch und physisch sind wir am Anschlag.“

Das sieht auch Stöger so. „Alle Trainingsreize, die wir setzen, haben mit Frische und taktischen Überlegungen zu tun“, sagte der Österreicher, der mit seiner ruhigen Art in all der Hysterie als Gegenpol wirkt: „Klar ist, dass wir das Spiel gewinnen müssen und auf Schützenhilfe angewiesen sind. Wir tun gut daran, uns auf Dinge zu konzentrieren, die wir selbst beeinflussen können.“ Ob dann auch Modeste in Köln bleibt? Darauf gab Stürmer keine Antwort, nur so viel: „Ich will meine Karriere nicht beenden, ohne einmal international gespielt zu haben. Jetzt können wir das schaffen. Wir wollen für unsere Fans gewinnen.“ (sid)

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