Bayern muss als BVB-Jäger zünden

Fußball

Robert Kovac steht heute Abend in Dortmund vor seiner schwersten und wichtigsten Aufgabe als Trainer des FC Bayern. | Foto: dpa

Ein Punkt? Vier Punkte? Oder sogar sieben? Im Liga-Gipfel könnte der frische, energiegeladene Favre-BVB eine Zeitenwende in der Bundesliga einleiten. Die Münchner Generation Serienmeister wehrt sich gegen den Status als Auslaufmodell und droht: Klassiker sind „komplett anders“.

Druck? Angst vor einem Sieben-Punkte-Rückstand? Von wegen. „Ich spüre keinen Druck“, beteuerte Niko Kovac mit einem Lächeln auf den Lippen gleich mehrfach vor seinem bislang wichtigsten Spiel als Trainer des FC Bayern. Der 47-Jährige will seinen ersten deutschen Fußball-Clásico am Samstagabend (18.30 Uhr) beim von ihm zum „Favoriten“ erklärten Tabellenführer Borussia Dortmund sogar „genießen“. Deutschland ist jedenfalls elektrisiert: Der 10. November 2018 könnte eine Zeitenwende in der Bundesliga beschleunigen.

„Wir dürfen auf keinen Fall verlieren“, sagte Bayern-Kapitän Manuel Neuer.

Das Topspiel soll für das gerade altersschwach daherkommende Ensemble aus München zum Wendepunkt einer Saison werden, in der das vom Trainerkauz Lucien Favre (61) angeleitete junge und energiegeladene BVB-Ensemble sich anschickt, die jahrelange Dominanz der Bayern in der Bundesliga zu beenden. Kovac brachte Chancen und Risiken der emotionsgeladenen 90 Minuten am Freitag in einem einzigen Satz auf den Punkt: „Sieben Punkte wären viel, ein Punkt wäre wenig.“

Den Status von vier Zählern mit einem Unentschieden zu wahren, ist für beide Mannschaften das Minimalziel. „Wir dürfen auf keinen Fall verlieren“, sagte Bayern-Kapitän Manuel Neuer. Trotzdem gehe er nie mit Angst vor einer Niederlage ins Spiel. Favres Dortmunder müssen keine beängstigenden Rechenspiele machen. „Clever verteidigen und intelligent angreifen“, lautet der Plan des Trainers, der sich um die zuletzt fehlende Gala-Form des Gegners nicht schert: „Bayern bleibt Bayern! Wir müssen eine Topleistung bringen. Von Abwehr bis Angriff verfügen sie über eine große Erfahrung.“

Routine – gerade in großen Spielen – haben fast alle Bayern-Profis den vielen BVB-Jungstars voraus. Auf eine spezielle Motivation bei Neuer, Lewandowski, Boateng, Ribéry und Co. setzt auch Kovac. „Ich kenne den FC Bayern, in solchen Spielen sind sie ganz groß. Ich bin überzeugt, dass wir unseren Mann stehen“, sagte der Kroate.

So sieht das auch Robert Lewandowski, der gegen seinen Ex-Club seit 2014 in acht Spielen zehnmal traf: „Das ist ein Klassiker, das ist ein komplett anderes Spiel.“ Die Münchner Stars beschwören auffällig den Teamgeist. „Wir müssen hundert Prozent spielen, ob defensiv oder offensiv. Das muss alles zusammen als Mannschaft gut funktionieren.“

„Ich weiß nur, dass wir jetzt die Gejagten sind“, bestätigte BVB-Torwart Roman Bürki.

„Ich spüre das absolute Vertrauen des Clubs“, so Kovac am Freitag. Ein Erfolg in einem großen Spiel mit einer taktischen Meisterleistung wäre dennoch nützlich. „Wir werden versuchen, unseren Fußball durchzusetzen“, kündigte BVB-Jäger Kovac an. Ob Arjen Robben (Knie) dabei sein kann, war vor dem Abschlusstraining ungewiss.

Die Tiefstapelei der Bayern bei der Rollenverteilung halten sie in Dortmund für ein durchsichtiges Manöver. „Die Bayern haben zehn Punkte in der Champions League und wurden in den vergangenen sechs Jahren deutlich deutscher Meister – das sind die Fakten“, konterte Michael Zorc. Der Sportdirektor hält auch wenig von Schlagzeilen, das Duell könnte vorentscheidend im Titelkampf sein: „Es ist uns in den letzten Jahren immer mal wieder gelungen, Bayern München zu schlagen. Aber das Entscheidende ist die Strecke über 34 Spiele.“

Erstmals seit dem 11. April 2012 geht der BVB jedoch mit einem Vorsprung in eine Liga-Kraftprobe mit dem Rekordmeister. „Ich weiß nur, dass wir jetzt die Gejagten sind“, bestätigte BVB-Torwart Roman Bürki. „Und wir werden alles versuchen, zu Hause die drei Punkte zu holen und ganz oben zu bleiben.“ Letzteres steht schon vor dem Anpfiff fest. (dpa/mn)

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