Augenmaß bei Entscheidungen über Handspiel verloren gegangen

Kommentar

Der Bundesliga-Spieltag ist vorbei, und über ein Thema wurde kontrovers diskutiert. Ralph Durry vom SID kommentiert.

Von Ralph Durry (SID)

Christian Streich wurde ein wenig sentimental. „Wir leben im Technologie-Zeitalter, aber ich bin altmodisch und hab‘ das Spiel lieber, wie’s vorher war“, sagte der Trainer des SC Freiburg nach dem 0:0 bei Schalke 04: „Gerechter wär’s nicht. Aber es wäre der Fußball, den ich in den 30 Jahren vorher kennengelernt habe.“

Das Spiel sei ein anderes geworden, so der Fußballlehrer. Wenn ein Tor fällt, traut sich niemand mehr zu jubeln, so Streich, der wohl kein Freund des Videobeweises mehr wird. Dieser hat zwar in der jüngeren Vergangenheit schon häufiger zu kontroversen Diskussionen geführt. Aber am Wochenende entfachten vor allem diverse Handspiele im Strafraum und daraus resultierende Entscheidungen der Schiedsrichter oder der Video-Assistenten in Köln heftige Kontroversen. Es scheint so, als ob gerade bei den Entscheidungen über Handspiel im Strafraum das Augenmaß verloren gegangen ist. Mal wird auf Strafstoß entschieden, mal nicht, es gibt keine Einheitlichkeit.

Und eigentlich darf der Video-Assistent überhaupt nicht eingreifen, wenn keine klare Fehlentscheidung des Unparteiischen vorliegt. Weil in punkto Handspiel ohnehin in der Regel das persönliche Empfinden des Referees auf dem Platz oder des Video-Assistenten den Ausschlag gibt, ähnelt dies der Quadratur des Kreises.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) weist gebetsmühlenartig darauf hin, dass die regeltechnischen Grundlagen gegenüber der letzten Saison unverändert sind, es also keine neue Regelauslegung gibt. Umso schlimmer, dass trotzdem die Verunsicherung immer größer wird. Inzwischen gibt es nicht wenige, die fordern die vehemente Abkehr vom Bisherigen beim Handspiel im Strafraum. Warum nicht einfach generell bei Handspiel auf Elfer entscheiden? Hand ist Hand! Wäre das nicht ehrlicher und vor allem transparenter? Im Hockey gibt es auch eine Strafecke, wenn der Ball vom verteidigenden Spieler im Schusskreis mit dem Fuß berührt wird.

Am 2. März treffen sich die Regelhüter des International Football Association Board, zum 133. Mal im Übrigen. Mal schauen, ob sie sich des Themas Handspiel annehmen werden. So ist es jedenfalls unbefriedigend – für alle.(sid)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte beachten Sie unsere Netiquette, wenn Sie den Artikel kommentieren möchten.