„Sinan Bolat, Sinan Bolat, Sinan Bolat!“

9. Dezember 2009: Kopfballtor des Torhüters von Standard Lüttich

Sinan Bolat (l.) köpft am 9. Dezember 2009 zum 1:1 für Standard ein. | Foto: Photo News

Der kalte Dezemberregen und der Wind haben dafür gesorgt, dass die Hände gefroren sind, der Artikel steht, der Abgesang auf Trainer Laszlo Bölöni ist formuliert. Standard Lüttich wird nicht nur aus der Champions League ausscheiden, auch durch das Sicherheitsnetz Europa League werden die „Rouches“ hindurchrutschen. Die Niederlage gegen AZ Alkmaar ist nicht mehr zu verhindern. Noch einmal pfeift der Schiedsrichter. Ach, ein Freistoß, der ohnehin zu nichts führen wird. Der flämische Journalistenkollege grinst: „Pass auf, Bolat erzielt gleich ein Kopfballtor!“ Auch ich habe gesehen, wie der Torhüter in den gegnerischen Strafraum läuft, aber das sind verzweifelte Versuche, die nie von Erfolg gekrönt sind. Nie! Zumindest die Fans werden noch einmal aufgeweckt. Es läuft die fünfte Minute der Nachspielzeit. Benjamin Nicaise flankt von der rechten Seite, und was dann passiert, wird niemand, der damals im Stadion von Sclessin war, jemals vergessen. Sinan Bolat schraubt sich in die Luft und wuchtet den Ball mit dem Kopf unter die Latte. Der flämische Kollege grinst nicht mehr, er stammelt nur noch: „Ich hab‘s doch gesagt.“ Währenddessen sprintet Bolat über den ganzen Platz, der Stadionsprecher kann nur noch „Sinan“ in sein Mikrofon brüllen, 25.000 antworten immer wieder „Bolat“, und ausnahmsweise stimmte diese dämliche Umschreibung „Das Stadion erbebte in seinen Grundfesten“. Wer an diesem 9. Dezember 2009 um 22.35 Uhr keine Gänsehaut hatte, war so gefühlskalt wie das Wetter. Natürlich, Journalisten sollen Distanz halten, aber wie sollte Bolats Tor ohne Emotionen beschrieben werden? Den stammelnden flämischen Kollegen habe ich nur einmal in einem Presseraum ein Bier trinken sehen: am 9. Dezember 2009. Weit nach Mitternacht verlasse ich das Stadion und sofort werden Gesänge angestimmt. Nanu, so bekannt bin ich doch nicht. Bin ich auch nicht, zeitgleich kommt ein junger Mann aus dem Kabinentrakt: Sinan Bolat!

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