15 Jahre Rugby in Ostbelgien: Der Tanz ums Ei geht weiter

Randsportart

William Ahn (rechts) versucht, Nicolas Konze das eierförmige Leder abzuluchsen. Das Problem: Wer das Spielgerät einmal in den Händen hält, lässt es so schnell nicht mehr los. | Foto: Carsten Lübke

Die Jungs vom Rugby Club East Belgium gehen bei der Jagd nach dem Ei dahin, wo es wehtut – und das seit mittlerweile 15 Jahren. Aber mal ehrlich, warum tut man(n) sich das an? „Weil es einfach Spaß macht“, meint der Eupener Cedric Moerman (29), der zurzeit als Spieler-Trainer beim einzigen Rubgy-Verein in der Deutschsprachigen Gemeinschaft aktiv ist.

Von Carsten Lübke

Jeden Mittwoch- und Freitagabend entbrennt auf der Sportanlage des KSC Lontzen an der Fleuschergasse beim Training die Schlacht um das lederne Rugby-Ei. Im Minutentakt hakeln die Spieler im Getümmel nach dem eierförmigen Ball. Keine leichte Aufgabe, denn wer das Spielgerät in den Händen hält, lässt es so schnell nicht mehr los.

„Rugby ist eine Lebensschule in Sachen Teamgeist, Fairness und Disziplin.“

Beim Zuschauen wird schnell deutlich, dass Rugbyspieler aus weit härterem Holz geschnitzt sind als andere Ballsportler. Auffallend: Auch wenn harte Tacklings bei der körperbetonten Sportart einfach dazu gehören, gibt es trotzdem kaum Nickeligkeiten oder gar Aggressionen zwischen den Spielern. Wer mit voller Wucht die Grasnarbe küsst, steht einfach schnell wieder auf – simuliert, wie so oft im Fußball, wird beim Rugby eben nicht. Und dennoch, der Respekt vor dem Gegenüber und dessen Gesundheit ist groß. „Rugby ist eine Lebensschule in Sachen Teamgeist, Fairness und Disziplin. Außerdem pflegen wir ein respektvolles Miteinander, an dem es anderen Sportarten mangelt“, sagt Coach Cedric Moerman. Soll auch heißen: Egal, wie sehr sich die Akteure auf dem Grün malträtieren, das Bierchen nach dem Spiel wird immer gemeinsam getrunken.

Spieler-Trainer Cedric Moerman (neonfarbenes T-Shirt) zeigt Guillaume Fryns, wie beim Rugby richtig getakelt wird. | Foto: Carsten Lübke

Das eine oder andere kühle Blonde soll auch am Samstag, 1. September fließen, denn dann feiert der Rugby Club East Belgium sein 15-jähriges Bestehen. „Das wird ein Fest“, unterstreicht Moerman und fügt hinzu: „Wir werden ein Partyzelt auf dem Parkplatz des KSC Lontzen aufschlagen, um dort mit Freunden, Bekannten und Rugbyliebhabern der Region unser Jubiläum zu feiern.“ Bevor es jedoch ins Zelt geht, müssen die Ostbelgier in einem Galaspiel gegen den Rugby Club Lustin ihr Können unter Beweis stellen. Anpfiff: 18 Uhr – „der Eintritt ist natürlich kostenfrei“.

Frei steht es auch Interessierten beim Training vorbeizuschauen. „Wir können jeden Mann – ob jung oder alt – gebrauchen“, sagt Vereinspräsident Pierre Michel (29), der selbst seit knapp neun Jahren die Rugbyschuhe schnürt. Bemerkenswert: An der Fleuschergasse ist jeder willkommen, „egal ob dick oder dünn, schnell oder langsam“. Nur für „One-Man-Shows“ und „Ego-Nummern“ ist kein Platz im Team. Einzelne Spieler – und seien sie noch so gut – können eben ein Spiel nicht alleine entscheiden. Kurzum: „Im Rugby ist man nur im Kollektiv erfolgreich, daher muss man sich auf die Gruppe verlassen können“, so Michel.

Verlassen konnte sich der Rugby Club East Belgium in den letzten 15 Jahren auch auf seine Mitglieder. „Ohne sie wären wir heute nicht das, was wir sind“, meint der Vereinspräsident mit Eupener Wurzeln. Ein absolutes Highlight in der bisherigen Vereinsgeschichte, und da sind sich Michel und Moerman einig, war der Aufstieg in die zweite Regionalliga in der Saison 2014-2015. „Aber auch die unzähligen kleinen Anekdoten der verschiedenen Ausfahrten sind ein Höhepunkt für sich.“

Bryan Maus (links) und Stephan Ortmanns (rechts) liefern sich im Training ein Laufduell um das lederne Ei. | Foto: Carsten Lübke

Dass Pierre Michel und Cedric Moerman überhaupt in Ostbelgien Rugby spielen können, haben sie Patrice Legein, Christophe Keutgen und der Eupener Kultkneipe Pigalle zu verdanken. Denn das Duo, das bei den Antwerpener Mariners bzw. an der Lütticher Universität und später auch in Aachen Rugbyluft schnuppern konnte, hatte 2003 die „geniale“ Idee in Eupen einen Club zu gründen. Kurioses Detail: Um Interessierte für ein Probetraining in Walhorn zu mobilisieren, wurde die Pigalle als „Litfaßsäule“ umfunktioniert. Mithilfe von „nur“ einem Plakat fanden sich direkt elf gestandene Männer zusammen, die die Randsportart in Ostbelgien vorantreiben wollten. Eine Aktion, die bis heute ihre Früchte trägt. Und glaubt man Pierre Michel, wird sie es auch weiterhin machen: „Ich glaube fest daran, dass der Verein sich weiter positiv entwickeln wird. Wir haben viele junge Spieler, die großes Potenzial haben, auch noch in acht, neun Jahren beim Klub zu spielen.“

Weitere Infos über den Rugby Club East Belgium gibt es auf Facebook und der Webseite des Vereins.

Das obligatorische Gruppenbild nach dem Trainingsbesuch durfte nicht fehlen. | Foto: Carsten Lübke

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