Wenn die Strumpfhose im Auto als Keilriemen dient

Auto-Mythen

„Weißt du noch, als wir beim Käfer den gerissenen Keilriemen durch Mutters Strumpfhose ersetzt haben?“ So oder so ähnlich beginnen manche Abende am Kamin. Wenn Großvater von früher erzählt. Als es im VW Käfer zu viert über die Alpen nach Italien ging. Bis unters Dach vollgepackt, und keiner musste sich anschnallen. Legendenbildung.

Es gibt viele kuriose Dinge und moderne Mythen rund ums Auto, die seit Jahren weitererzählt werden. Obwohl sie falsch und unsinnig sind. „Ein Teil der Mythen stammt noch aus Großvaters Zeiten, sie wurden von den älteren Generationen mündlich weitergegeben und werden heute zum Teil noch lebendig gehalten“, sagt Ulrich Köster vom Deutschen Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Dazu zählt auch die Geschichte mit der Damenstrumpfhose als Keilriemenersatz. „Die Fahrzeugtechnik hat sich aber seitdem stark entwickelt, und die alten Geschichten stimmen einfach nicht mehr.“

Auch gut gemeinte Spritspartipps sind heute obsolet. Das sei heute in modernen Fahrzeugen beispielsweise mit Start-Stopp-Automatik besser möglich, als auszukuppeln und das Auto im Leerlauf den Berg hinunter rollen zu lassen.

Doch neue Mythen kommen immer weniger hinzu, weil das Auto ja nicht mehr den Stellenwert wie noch vor 30 Jahren hat.

Der Mythos, dass Automatikgetriebe mehr Leistung und Sprit schlucken, stammt noch aus der Zeit, als die schweren Wandlerautomaten nur drei oder vier Gänge hatten.

Auch der deutsche ADAC kämpft seit Jahren gegen die Mythen an. Vor allem in den Bereichen Gesundheit wie Müdigkeit halten sich hartnäckige Gerüchte. Etwa, dass Kaffee und Energiedrinks Autofahrer konstant wach halten. „Das ist Quatsch, Koffein erhöht die Aufmerksamkeit nur für einen kurzen Zeitraum. Eine halbe Stunde nach dem Einnehmen für etwa zwei Stunden“, sagt ein Sprecher. Auch dass Autofahrer merken, wenn sie kurz vor dem Einschlafen sind, stimme nicht. Denn wer müde ist, schlafe auch irgendwann mal plötzlich ein.

Ebenso unsinnig sei der Glaube, dass frische Luft und laute Musik den Fahrer konstant vorm Wegnicken abhalten. Das passiere nur für kurze Zeit, danach sei der Effekt schnell wieder vorüber.

Dazu einige Auto-Mythen im Check:

Damenstrumpfhose: Statt eines Keilriemens kann man eine Damenstrumpfhose verwenden. Das galt vielleicht beim VW Käfer, nicht jedoch für moderne Fahrzeuge mit vielen Zusatzaggregaten und einem weitverzweigten Keilriemen.

Warmfahren: Ein Motor muss mindestens zehn Kilometer warm gefahren werden. Das kommt auf die Größe des Motors und die Verbrennungsart an. Großvolumige Diesel brauchen mehr Zeit als kleine Benziner. Entscheidend ist nicht die Wassertemperatur, sondern die des Öls.

Kaugummi als Kitt: Einen Kühlwasserschlauch kann man mit Kaugummi reparieren. Das funktioniert nicht, weil im Kühlkreislauf ein zu hoher Druck herrscht. Der Kaugummi würde schnell abfallen.

Guckloch: Im Winter reicht ein kleines Guckloch völlig aus. Falsch. Alle Scheiben müssen frei bleiben. Es muss sogar das ganze Auto schneefrei sein, also auch das Dach, die Kennzeichen, die Scheinwerfer und Leuchten.

Allrad mit Schneeketten: Bei einem Allradauto braucht man keine Schneeketten. Das stimmt nicht. Schneeketten sind in Deutschland, Österreich und Italien überall dort Pflicht, wo ein blaues Schneekettenschild steht. Das gilt dann für alle Fahrzeuge. gleichzeitig.

Auffahrunfall: Wer einem hinten auffährt, hat immer Schuld. Das stimmt nicht. Je nach Verhalten des Vorausfahrenden trifft ihn auch eine Teilschuld.

Bergab Sprit sparen: Man spart Sprit, indem man bei Bergabfahrten den Motor ausmacht. Das stimmt. Aber es ist sehr gefährlich: Denn einige Zusatzaggregate wie der Bremskraftverstärker oder die Servolenkung sind ohne laufenden Motor nicht mehr betriebsbereit.

Autos mit Automatik: Automatikautos verbrauchen automatisch mehr. Zwar wiegen Automatikgetriebe meist mehr als manuelle Getriebe. Der Mehrverbrauch wird aber durch mehr Gänge und eine niedrige Übersetzung kompensiert. Doppelkupplungsgetriebe, die sich wie Automatikgetriebe fahren lassen, verbrauchen in der Regel weniger als manuelle Getriebe. (dpa)

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