RWTH-Forscher: „Bergbau ist im Grunde Handwerk“

Interview

Das Thema Bergbau wirft in der ostbelgischen Bevölkerung viele Fragen auf. „Man darf keine Angst vor Bergbau haben, wenn er vernünftig gemacht wird“, sagt Dr. Alexander Hennig von der RWTH Aachen. Illustrationsfoto: dpa

Seitdem die Firma Walzinc verkündet hat, auf dem Gebiet der Gemeinden Kelmis, Lontzen und Bleyberg Probebohrungen im Hinblick auf eine Wiederaufnahme des Bergbaus beantragen zu wollen, stehen viele Fragen im Raum. Bergbauingenieur Dr. Alexander Hennig von der RWTH Aachen weiß, wie moderner Bergbau funktioniert und relativiert einige Befürchtungen.

Von Cynthia Lemaire

Herr

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  1. Sehr geehrte LeserInnen,

    zu dem Interview im GrenzEcho vom 15.12.2017 mit Herrn Dr. Hennig hätte ich einige Anmerkungen und kritische Gedanken hier zu veröffentlichen:

    vorweg als erstes: bemerkenswert an den Statements des Herrn Dr. Hennig ist die sehr allgemein gehaltene positive Sichtweise zum Bergbau an sich. Seine Aussagen nehmen so gut wie keinen realen Bezug zur hiesigen geographischen, kulturellen und wirtschaftlichen Situation und speziell zu unserem betroffenen Gebiet; das Vorhandensein von großen Naturschutzgebieten wird noch nicht einmal erwähnt. Es wird in der Regel sehr unspezifisch und mit Allgemeinplätzen argumentiert. Bei unkritischer Leseweise erzeugt das Interview damit eine verharmlosende und beruhigende Wirkung zu einem komplexen Thema. Ob das die Intention des Interviews war, sei mal dahingestellt….

    Wichtig an diesem Interview ist eher das was zwischen den Zeilen steht oder thematisch nur oberflächlich angerissen wird, im schlimmsten Falle auch gerade das was gar nicht erwähnt wird. Mir ist durchaus bewußt, daß möglicherweise entsprechend der gestellten Fragen im Interview eben auch geantwortet wurde…..

    Zur Erhärtung meiner Kritikpunkte nehme ich mir einige Stellen im Interview beispielhaft vor:

    Zitat:“ Eine Bergbausprengung ist RELATIV leise – vorausgesetzt, sie ist gut gemacht…“ und: „auch die Erschütterungen sind nicht dramatisch..übertägig merkt man KAUM etwas davon“

    Bergbausprengungungen sind also wohl doch deutlich hörbar, wenn sie schlecht gemacht sind, und übertägig merkt man sehr wohl etwas davon…wieviel, ist dann wohl eher subjektiv erfahrbar ? Da der Vortrieb der Stollen bereits oberirdisch in Festgestein anfängt, kann man doch auch recht lange schon ab den ersten Tagen mit erheblich hörbaren Sprengungen täglich rechnen. Wir befinden uns allerdings auch in Hörweite von Natura 2000 Vogelschutzgebieten – wenn´s die Menschen nicht stören sollte – die Tierwelt (Vögel !) wird es nicht honorieren.

    Im dritten Absatz erfahren wir sträflichst wenig über das wahre Ausmaß der Aufbereitung des Erzes. Das wird in drei Sätzen abgehandelt. Es fallen Begriffe wie „aufkonzentrieren“ und „isolieren“. Was bedeutet das ? Das Erz muss vom Trägergestein getrennt werden. Das funktioniert über sehr große Brechanlagen, in denen mittels Gesteinsmühlen eine Trennung des Erzes vom Trägergestein erfolgt. Das geschieht unmittelbar in nächster Umgebung der Mine in großen Hallen, ist ein sehr lauter Vorgang. Das stark zerkleinerte, erzhaltige Gestein wird dann durch Flotationsanlagen „gewaschen“ und nochmals getrennt von allem unerwünschten Nebengestein. Dazu richtet man auch entsprechend große Absetzteiche ein, wie sie aus alten Tagen auf dem ehemaligen Gelände bei Plombières noch vorhanden sind (wenn auch mittlerweile zugewachsen). Durch das aufkonzentrieren wird im Grunde ein bereinigtes Erzprodukt zur Weiterverarbeitung (Verhüttung) dann an entsprechende Standorte verbracht.

    Mit den erwähnten Hallen eines Bergwerks (Zitat:“..es gibt ein paar übertägige Betriebsanlagen, wie bei jeder Industrie….“) wird auch eher beschwichtigend und verharmlosend das wahre Ausmaß beschrieben. Da WalZinc wunschgemäß von bis zu 4 Minen redet, gilt für JEDE Mine: eine Brechanlagenhalle, Flotationsteiche, Ingenieurbüros, Lagerhallen, Reparaturhallen, Parkplätze (für bis zu 400 Arbeitsplätze (!!) pro Mine!). Sieht man sich die Bilder der von WalZinc beworbenen Lisheen Mine in Irland an, bekommt man eine Ahnung davon, wie es dann hier aussehen könnte eines Tages. Bilder davon sind um einiges weiter unten auf dieser FB Seite zu finden.

    Ganz unterschlagen wird in dem Interview, dass wirklich gigantische Mengen an sog. „taubem Gestein“, also nichterzhaltiger Abraum entstehen wird, besonders bei unterirdischem Vortrieb bis in 300 – 400 m Teufe, bis überhaupt erst das erzhaltige Gestein erreicht wird. Dieser Abraum findet sich in großen Halden in unmittelbarer Umgebung der Mine wieder. Baut man also Gänge in den Berg mit einer lichten Weite von ca. 25 Quadratmetern (5m x 5m) um entsprechendes Großabbaugerät bis an die Erzgänge zu bringen, türmen sich draußen davor riesige Schuttberge – jahrelang. Wenn das mal nicht stark landschaftsverändernde Auswirkungen haben wird….aus einer bestehenden landschaftlichen Idylle entsteht damit tatsächlich auf Jahre hinaus eine weithin sichtbare Industriebrache, nicht nur einmal, nein – gleich viermal !?!

    Zitat: „…was aus der Belüftungsanlage austritt, ist RELATIV unbelastet – im Vergleich dazu was wir täglich in der Stadt einatmen“
    Sehr interessanter und beruhigender Aspekt, fürwahr !

    Ich bin aufs Land gezogen um gerade NICHT den Dreck der Stadt auch noch einatmen zu müssen – muß ich den „relativen“ Dreck einer BleiZink Mine dafür im Gegensatz dazu in Kauf nehmen müssen ? Wirklich ?

    Über das Thema Arbeitsplatzgenerierung im modernen Bergbau habe ich mich schon an anderer Stelle ausführlichst ausgelassen auf dieser FB Seite. Wenn Dr. Hennig allerdings von „Bedienern“ der komplexen Großmaschinen redet, die ja aus der hiesigen Umgebung kommen könnten, muß ich das sehr deutlich einschränken. Das sind Spezialistenjobs, die Bedienung dieser Abbaugeräte bedürfen einer fundierten Ausbildung, da reicht kein normaler Führerschein und ein paar Schrauberkenntnisse. Die letzten die noch untertägig hier gearbeitet haben sind noch aus der Zeit des Preßlufthammervortriebs. Diese Tätigkeit ist im Bergbau Geschichte. Heißt also: diese Facharbeiter gibt es hier gar nicht, ergo bringt die Abbaufirma diese Spezialisten selbst mit. Für langwierige Ausbildungsplätze ist weder Zeit noch Budjet da. Also: von wegen: „Bergbau ist im Grunde Handwerk“ !

    Sehr verstörend ist auch die Aussage „ein nach unseren Maßstäben geführtes Bergwerk in Europa ist mir tausendmal lieber, als ein dubios geführtes Bergwerk anderswo in der Welt“

    Das ist ein klassisches „Totschlagargument“ !

    Dazu sei sehr klar folgendes angemerkt:

    nicht eine Mine hier in Europa, geschweige denn eine oder mehrere im ostbelgischen Geultal, geführt unter diesen zitierten Leitlinien, würde zur Schließung einer fragwürdigen anderen Mine sonstwo auf der Welt führen. Garantiert nicht.

    Es kann auch nicht angehen, daß dem Bürger eine moralische Verantwortung eines Bergbauprojektes durch unterstelltes Konsumverhalten quasi aufgebürdet wird – den „schwarzen Peter“ durchreichen ist mehr als billig. Üblicherweise sollte ein Minenbetreiber oder eine Bergbaufirma über ein „Ethic & compliance board“ verfügen – also ethische und Betragensrichtlinien in der Ausführung seiner Projekte befolgen, auch im Sinne von Umweltschutz und Beachtung von Nachhaltigkeitsstandards, – und zwar doch bitte dann WELTWEIT und nicht nur besonders im Herzen von Europa !

    Diese mal eben durchgereichte „Moralumkehr“ zu Lasten der Bürger ist skandalös und als Argument schlicht untragbar.

    Im übrigen sei angemerkt, daß es innerhalb Europas weitaus mehr BleiZink Lagerstätten gibt (auch dann mit entsprechenden Beimengungen der sog. „seltenen Erde Metalle“), besonders in Portugal, Skandinavien, Balkan…gerade im Bereich Basismetalle (Blei, Zink,) gibt es nicht wirklich Engpässe. China z.B. hat den größten Verbrauch, aber auch die größten Vorkommen im eigenen Land.

    Wie der Goldmarkt wird auch der internationale Handel und Marktpreis von Blei und Zink z.T. bewußt durch SCHLIESSUNG von nach wie vor höffigen Minen bewußt beeinflusst. Die künstliche Verknappung im weltweiten Handel führt zu Spekulationsgewinnen auf den Börsenparketts…..

    Zusammenfassend sei festgestellt: alle angesprochenen Themen des Interviews sind lückenhaft, stark vereinfachend und vor allem nicht geographisch-spezifisch bezogen beantwortet worden. Dadurch entsteht unterm Strich ein insgesamt verharmlosender und positiver Eindruck zum Themenkomplex.

    Vielleicht sollte jemand den Herrn Dr. Hennig zu einer kleinen Rundtour in diese idyllische Gegend einladen, die er ganz offensichtlich nicht zu kennen scheint – vielleicht käme er dann zu ganz anderen Einsichten bei einer kleinen Wanderung durch das Geultal mit anschließendem Besuch eines der vielen gemütlichen Lokale…..

    Dipl.-Geol. Mike Abt

    1. Ich verstehe nicht warum nur Leserinnen dies lesen sollen.
      Ich vermute doch stark Männer besitzen die Fähigkeit auch ihren Leserbrief zu begreifen.

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