Paradiesische Raerener Ruhe hat ihren Preis

LokalRunde

Blick auf die Raerener Hauptstraße: Die wichtige Verkehrsachse und Geschäftsstraße wird demnächst einer vollständigen Erneuerung unterzogen; links der Bergscheider Hof, Schauplatz der LokalRunde. | Foto: Ralf Schaus

Keine richtige Kneipe mehr, kein Supermarkt, Ströme von Radtouristen, die das Dorf (noch) links liegen lassen, und zugezogene Bürger, die im „Verdacht“ stehen, die Ortschaft nur als Schlafstätte wahrzunehmen: Wenn die GrenzEcho-Veranstaltungsreihe LokalRunde bei ihrer 18. Station am Sonntag, ab 11 Uhr im Bergscheider Hof die Altgemeinde Raeren unter die Lupe nimmt, werden Vor- und Nachteile der viel gepriesenen Ruhe zu hinterfragen sein.

Von Jürgen Heck

Einige der Aspekte, die das heutige Raeren prägen, sind auf schwerlich zu ändernde Tatsachen zurückzuführen. Dazu gehört im positiven Bereich sicherlich die gleichzeitige Nähe zur Natur und zur Grenze nach Deutschland. Andererseits ist Durchgangs- oder Berufsverkehr eher ein Fremdwort, oder anders gedrückt: Nur wer gezielt nach Raeren will, fährt auch dorthin.

Hinzu kommt, dass Raeren ein aus zahlreichen Weilern bestehendes Streudorf ist. Ortsbezeichnungen wie Driesch, Titfeld, Botz, Plei, Berg, Born oder Neudorf spielen im Alltag zwar eine immer geringer werdende Rolle, sind aber der Beweis dafür, dass es immer etwas gewagt bleiben wird, von einem Raerener Dorfzentrum zu sprechen, selbst wenn sich im Areal um Pfarrkirche, Gemeindehaus, Dorfplatz und Gemeindeschule einiges konzentriert hat.

Die im Vorfeld dieser LokalRunde durchgeführte nicht-repräsentative Telefonbefragung hat zutagegefördert, dass die Raerener ihre Lebensqualität zu schätzen wissen. Das hat sie im Gespräch mit dem GrenzEcho aber nicht daran gehindert, auch Mängel zu benennen und Wünsche zu äußern.

Wie ein roter Faden dürfte sich das Thema „Zugezogene“ durch die Gesprächsrunde am Sonntagmorgen ziehen. Die Skala der Antworten zu dieser Thematik könnte nicht breiter sein: Sie reicht von der Feststellung, dass es zwischen Alteingesessenen und nach Raeren gezogenen Deutschen keine Probleme gibt, bis hin zur unverhohlenen Ablehnung. Ob dies daran liegt, dass „Deutsche nur die Sahne abschöpfen wollen“ oder ob, „die Raerener ein sehr eigenes Volk sind“, wird sicherlich thematisiert werden.

Wie immer bei der LokalRunde geht es am Sonntag nicht ausschließlich darum, den Finger in die Wunde zu legen, sondern auch zu betonen, was lobenswert ist und was wie selbstverständlich gut funktioniert. Dazu gehören mit Sicherheit einige Vereine und Vereinigungen, die den allseits bekannten Nachwuchsproblemen in den Vorständen trotzen, oder etwa das Marienheim. Die von einer rührigen Stiftung geführte Seniorenstätte ist ein echtes Raerener Alleinstellungsmerkmal. Schon lange ertönen dort keine Schreie von Neugeborenen mehr, aber im Zusammenwirken mit der professionellen Seniorenbetreuung packen dort zahlreiche Ehrenamtliche tatkräftig mit an.

Auf den Prüfstand gestellt werden dürften bei der LokalRunde sicherlich zudem das eine oder andere kommunale Vorhaben. So wirft die vollständige Instandsetzung der Hauptstraße ihre Schatten voraus und auch die touristische Nutzung des Bahnhofsgeländes sorgt für Redebedarf.

Dies sind einige der Themen, die am Sonntag zur Frühschoppenzeit aufs Tapet kommen sollen. Als Gesprächspartner haben sich Elisabeth Schoenen, Louisa Riermeier, Ludwig Huppertz, Walther Collubry und Serge Hönders bereit erklärt, André Frédéric von Radio Contact Ostbelgien Now und GE-Journalist Jürgen Heck Rede und Antwort zu stehen.

Alle Einwohner von Raeren sowie alle interessierten Bürger sind, selbstverständlich bei freiem Eintritt, herzlich eingeladen, sich aktiv als gern gesehene Besucher, Fragesteller und Diskussionsteilnehmer am 14. Januar in das Geschehen bei der Gesprächsrunde einzuschalten.

Und allen winkt am Ende der Veranstaltung eine LokalRunde, die das GrenzEcho im großen Saal des Bergscheider Hofs ausgibt.

Raerener Wunschliste

  • (zügige) Umsetzung der Pläne am Bahnhof
  • Shuttlebus zum Ravel-Weg
  • Treffpunkt für Senioren und Kinder
  • bessere Busverbindungen
  • Jugendheim-Öffnungszeiten mittwochnachmittags und sonntags
  • Kinderkrippe
  • Weihnachtsmarkt wieder an der Burg
  • offener Frauentreff
  • Dorfzentrum beleben
  • ein Café mit Kaffee und Kuchen
  • ein kleiner Supermarkt
  • Gässchen besser an Bedürfnisse von Kinderwagen und Rollstuhlfahrern anpassen
  • mehr/bessere Bürgersteige und Zebrastreifen
  • mehr Veranstaltungen, bei denen Alt und Jung, Neubürger und Alteingesessene zusammenkommen
Aus Raeren einfach nicht wegzudenken: das Marienheim, in dem Profis und Ehrenamtler harmonisch zum Wohle der Senioren zusammenarbeiten.
Zeuge eines Scheiterns: Die frühere Aldi-Niederlassung steht seit Jahren leer.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte beachten Sie unsere Netiquette, wenn Sie den Artikel kommentieren möchten.