LokalRunde am 27. Mai zu Gast in Kelmis

Veranstaltungsreihe

Es steht außer Zweifel: In Kelmis tut sich einiges in Sachen Lebensqualität. Dazu gehört neben der neuen Blüte des Park-Hotels und der Eröffnung einer Poliklinik nicht zuletzt die im Bau befindliche Seniorenresidenz Leoni. | Foto: Jürgen Heck

Ihre letzte Station im Norden der Deutschsprachigen Gemeinschaft macht die LokalRunde am kommenden Sonntag in Kelmis. Bei der 22. Auflage der GrenzEcho-Veranstaltungsreihe ab 11 Uhr im großen Saal der Patronage verspricht die Themenauswahl interessante Aspekte und durchaus kontroverse Standpunkte.

Von Jürgen Heck

Fast schon traditionsgemäß führte das GrenzEcho im Vorfeld dieser 22. LokalRunde eine nicht-repräsentative Telefonumfrage durch. Das intensive Hineinhören in mehr als 130 Kelmiser und Neu-Moresneter Haushalte darf nicht als wissenschaftliche Umfrage gewertet werden, zeichnet aber dennoch ein facettenreiches Stimmungsbild. Es bestätigt sich, dass man an der Göhl das Herz auf der Zunge trägt und im seltensten Fall mit seiner Meinung hinter dem Berg hält.

Auch wenn es Neu-Moresnet und Kelmis zusammen auf mehr als 8.200 Einwohner bringen und trotz der dichten Besiedlung eigentlich „städtische“ Verhältnisse herrschen, gibt es nach wie vor einen dörflichen Zusammenhalt. Es gibt sicherlich Ausnahmen, aber für die meisten Kelmiser gilt, dass sie stolz und froh darüber sind, Kelmis ihre Heimat nennen zu dürfen. Dabei gehören die Vereine, und allen voran die Karnevalsgesellschaften und -gruppen, zu den wichtigen Identifikationsfaktoren.

Die Befürchtung, dass der Kirchplatz nach seiner Umgestaltung nicht mehr seine Rolle als zentraler Parkplatz in vollem Umfang spielen könnte, treibt viele Kelmiser um.

Den Befragten scheint durchaus bewusst, dass sich einiges in Kelmis in Sachen Verbesserung der Lebensqualität tut. Dazu gehören die kürzlich durch das Eupener Krankenhaus eröffnete Poliklinik sowie die im Bau befindliche Seniorenresidenz Leoni, für die die Interkommunale Inago als Bauherr auftritt. Beides also Projekte, in die die Gemeinde „nur“ indirekt involviert ist.

Zu den Fortschritten der letzten Jahre zählt sicherlich zudem die Tatsache, dass Kelmis mit dem Park-Hotel wieder über ein Angebot verfügt, das den Namen Hotel verdient. Fast vollständig vergessen sind inzwischen die grundsätzlichen Zweifel, ob eine Gemeinde wie Kelmis ein solches Projekt selbst in die Hand nehmen sollte.

Anders gelagerte Zweifel gibt es am Vorhaben, im ehemaligen Direktionsgebäude der Vieille Montagne an der Lütticher Straße das neue Museum einzurichten. Dass Kelmis seiner Vergangenheit – sei es als Bergbauort, sei es in Erinnerung der 103-jährigen Geschichte von Neutral-Moresnet – einen angemessenen Platz einräumen sollte, darüber besteht Einigkeit. Doch dass der Tribut an die Geschichte rund eine halbe Million Euro kosten muss, schreckt viele Bürger ab. Mit Spannung bleibt abzuwarten, welche Wortmeldungen es bei der LokalRunde zu diesem Thema geben wird.

Weit auseinandergingen die Meinungen der Teilnehmer der GrenzEcho-Telefonumfrage in Sachen Erneuerung des Kirchplatzes. Einigkeit herrscht lediglich darüber, dass etwas unternommen werden muss, um den mit Löchern übersäten Bodenbelag auszubessern. Über diesen Punkt hinaus ist es jedoch aus mit dem Konsens: Die Wünsche nach einem attraktiven Dorfzentrum mit Grünanlagen und Sitzgelegenheiten stehen da der Forderung nach einer uneingeschränkten Beibehaltung der aktuellen Parkplatzkapazität diametral gegenüber.

Einen echten Spaltungsfaktor stellt in Kelmis und Neu-Moresnet das Thema Ausländeranteil dar. Viele der Befragten sind der Überzeugung, dass die Zahl der ausländischen Bürger, die es in den letzten Jahren nach Kelmis gezogen hat, zu hoch liegt. Doch es ist nicht alleine die Zahl, die für Ablehnung sorgt. Zentraler Vorwurf, die einer Mehrheit dieser Zugezogenen gemacht wird, ist der mangelnde Integrationswille, der in Unfreundlichkeit und bisweilen bedrohlichem Verhalten zum Ausdruck gebracht werde. Das darf man schweres Geschütz nennen. Wichtig in diesem Zusammenhang: Nicht alle Kelmiser teilen diese Meinung. Andere Befragten loben die Freundlichkeit der ausländischen Mitbewohner, die sich um Anschluss an die Gesellschaft bemühten.

Einigkeit herrscht bei den Kelmiser Bürgern darüber, dass „ihr“ Kirchplatz wegen des gefährlichen Zustands des Straßenbelags eines Liftings bedarf. Nicht alle wünschen sich, dass aus dem Platz ein echtes, mehr einladendes Dorfzentrum werden soll.

In diesem Zusammenhang lohnt der Blick in das offizielle Zahlenmaterial. 67,5 Prozent der 8.200 Einwohner haben die belgische Staatsbürgermeisterschaft, 23,4 Prozent sind Deutsche. Zieht man die weiteren Bürger aus den EU-Mitgliedsstaaten ab, dann machen Neu-Kelmiser, die aus den früheren Bestandteilen der früheren Sowjetunion und Jugoslawien sowie aus Asien und Afrika stammen, knapp sieben Prozent aus. Ob 610 „Ausländer“ wenig, genug oder zu viel sind, wird sicherlích bei der LokalRunde angesprochen werden.

Diese und andere Themen sollen am Sonntag zur Frühschoppenzeit aufs Tapet kommen. Als Gesprächspartner haben sich Céline Schillings, Julie Schnitzler, Eddy Klöcker und Willy Emontspohl bereit erklärt, André Frédéric von Radio Contact Ostbelgien Now und GE-Journalist Jürgen Heck Rede und Antwort zu stehen.

Alle Kelmiser und Neu-Moresneter sowie alle interessierten Bürger sind, selbstverständlich bei freiem Eintritt, herzlich eingeladen, sich aktiv als gern gesehene Besucher, Fragesteller und Diskussionsteilnehmer am Sonntag in das Geschehen bei der Gesprächsrunde einzuschalten.

Und allen winkt am Ende der Veranstaltung eine LokalRunde, die das GrenzEcho im großen Saal der Patronage ausgibt.

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