Nicht dringende Notfälle: Rufnummer 1722 statt 112

Notruf

Bei Unwettern sollte man in nicht lebensbedrohlichen Situationen die Notrufnummer 1722 wählen. | Foto: Photo News

Wer dringend Hilfe nötig hat, sollte bei Polizei und Feuerwehr nie in der Warteschleife landen. Deshalb gibt es ab diesem Dienstag die neue Notrufnummer 1722 für nicht lebensbedrohliche Situationen wie Überschwemmungen oder Sturmschäden.

Von Gerd Zeimers

Ein schwerer Unfall, der Verdacht auf einen Schlaganfall oder Herzinfarkt, ein starker Blutverlust und ähnliche lebensbedrohliche Situationen sind Fälle für den Notruf 112. Die gebührenfreie Nummer gilt europaweit. Damit die Notrufzentrale bei Unwetter nicht überbelastet wird und Menschen, die sich in Lebensgefahr befinden, nicht in der Warteschleife landen, hatte die Föderalregierung die Einrichtung einer Ausweich-Notrufnummer für nicht dringende Notfälle beschlossen. Jetzt ist es so weit: Ab diesem 1. August kann die Rufnummer 1722 aktiviert werden, wie das Kabinett von Innenminister Jan Jambon (N-VA) gegenüber dieser Zeitung bestätigt. Dies geschieht auf Basis der amtlichen Warnung vor extremen Unwettern (Code orange oder rot) durch das Meteorologische Institut in Uccle (KMI). Die Codes orange und rot bedeuten, dass verbreitet bzw. mit hoher Wahrscheinlichkeit heftige Gewitter auftreten mit möglichen Unwetterschäden an mehreren Orten. Starkregen, Hagelschauer, Blitzeinschläge und starke Windböen können bedeutende Schäden anrichten. Starke Regenfälle sind möglich und können zu Überschwemmungen führen. Es besteht auch Gefahr durch umstürzende Bäume und abbrechende Äste.

Mindestens eine Stunde, bevor ein Sturm oder ein Unwetter losschlägt, wird die 1722 freigeschaltet. Die Freischaltung wird über die Medien angekündigt.

Bei Sturm und Überschwemmungen gehen bis zu fünf Mal mehr Anrufe in den Notrufzentralen ein als normal. Ziel ist es, dass die Telefonisten in der Nutrufzentrale 112 jeden Anruf innerhalb von fünf Sekunden annehmen können.

Jambon bittet eindringlich darum, bei nicht lebensgefährlichen Situationen die 112 nicht unnötig zu überlasten. Er erinnert sich an einen tragischen Fall, der sich vor einem Jahr in Ostflandern ereignete: „Eine Person hatte bei einem heftigen Unwetter versucht, die Notrufzentrale 112 zu erreichen, aber durch die zahlreichen Anrufe wegen Überschwemmungen und Sturmschäden kam sie nicht durch. Später wurde die Person tot aufgefunden.“ Für den Minister ist dies inakzeptabel: „Jemand, der in Lebensgefahr ist, muss stets Vorrang bekommen. Deshalb rufe ich die Bürger auf, die Rufnummer 1722 zu wählen, wenn sie in einer nicht lebensbedrohlichen Situation die Hilfe der Feuerwehr benötigen.“ In dieser Zentrale wird die Lage von Fall zu Fall beurteilt und entschieden, wem zuerst geholfen werden soll. „Das bedeutet auch, dass jemand gegebenenfalls etwas länger warten muss, da die Feuerwehr zuerst den Menschen in akuter Lebensgefahr hilft“, so Jambon.

In Zukunft werden auch Telefonisten in den Notrufzentralen 112 Anrufe auf 1722 entgegennehmen, dann aber über getrennte Telefonlinien. Wer bei Unwettern für nicht dringende Notfälle trotzdem die 112 wählt, wird aufgefordert, die 1722 anzurufen.

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