Druck, glücklich zu sein, macht depressiv

Studie

Glück und Glücklichsein hat viele Seiten. Viele Menschen setzen sich stark unter Druck, um glücklich zu sein. Das kann zu Depressionen führen. Illustrationsbild | Foto: dpa

Noch nie zuvor ist das Streben nach Glück in den Industrieländern so groß gewesen wie jetzt. Und dennoch steigt die Zahl der Menschen, die mit Depressionen zu tun haben bzw. mit depressiven Stimmungen kämpfen, unaufhörlich.

Laut einer aktuellen Studie der Katholischen Universität Löwen wird einer von fünf Menschen mindestens einmal im Leben mit einer Depression konfrontiert. Die Forscher der Uni Löwen kommen zu dem Schluss, dass das Streben nach Glück mit solch hohem Druck verbunden ist, dass viele Menschen darüber krank werden. Für die Studie wurden 112 Personen befragt, die bereits depressive Neigungen aufweisen. Sie erhielten den Auftrag, während 30 Tagen ein Tagebuch zu führen, wobei es auch darum ging, elf Fragen im Zusammenhang mit Symptomen, die auf Depression hindeuten, zu beantworten. Ein weiterer Fragenblock, der ebenfalls täglich beantwortet werden musste, befasste sich mit dem sozialen Druck, der vom Umfeld auf die Testpersonen ausgeübt wird.

Wie die Zeitung „De Standaard“ berichtet, kam man zu dem Schluss, dass je höher der soziale Druck ist, nicht depressiv zu sein, desto größer sind die Chancen, dass genau diese Depression eintritt. Personen, die glauben, dass sie die sozialen Normen nicht erfüllen können, fühlen sich demnach noch schlechter.

Der soziale Druck erhöht vor allem die lähmenden Effekte, die mit einer Depression einhergehen: Konzentrationsschwierigkeiten, Verdruss, andauernde Müdigkeit, Appetitlosigkeit.

Nun stellt sich die Frage danach, wie man mit den gewonnenen Erkenntnissen umgeht. Die Löwener Forscher empfehlen Sensibilisierungskampagnen, damit das Tabu, auch mal über unangenehme Gefühle sprechen zu können, endlich gebrochen wird.

Der belgische Psychiater Dirk De Wachter fasst es wie folgt zusammen: „Die Kunst des Lebens besteht darin, ein bisschen unglücklich sein zu dürfen.“ (um)

  1. Ein herzhaftes Lachen am Tisch vor dem Straßencafe? Die normalste Sache der Welt. Wie aber sieht es aus, wenn jemand im gleichen Setting in Tränen ausbricht? Wie viele Passanten reagieren darauf peinlich berührt?

    Traurig zu sein gehört doch genau so zu unserem Leben wie das Glück. Negatives aber wird unterdrückt; wir wollen es uns und anderen ungern zugestehen, nicht „gut drauf“ zu sein. Für unsere Seele ist das dauernde Herunterwürgen jedoch verheerend. Von daher ist der in diesem vorzüglichen Artikel gegebene Ratschlag, auch über negative Gefühle zu sprechen , ein sehr guter Ansatz.

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