17 Länder von Eier-Skandal betroffen

Ernährung

Zerstörte Eier auf einer Hühnerfarm in Nadrin (Houffalize). | Foto: belga

Kein Tag vergeht ohne neue Meldungen zum Fipronil-Skandal, der immer weitere Kreise zieht und inzwischen 17 Länder erreicht hat. Und die EU plant Gespräche darüber, welche Lehren gezogen werden müssen.

Auf Vorschlag Deutschlands soll es Anfang September erste politische Gespräche über eine mögliche EU-Reaktion auf den Fipronil-Skandal geben. Darauf einigten sich am Freitag der deutsche Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis, wie ein deutscher Sprecher mitteilte. Die Gespräche sollen am 4. oder 5. September am Rande eines Agrarministertreffens in Estland stattfinden. Teilnehmen sollen die Minister der betroffenen Staaten.

Die EU-Kommission hatte kurz zuvor mitgeteilt, dass ein offizielles Sondertreffen erst am 26. September stattfinden soll. Um alle relevanten Informationen bewerten zu können, habe die Kommission bewusst einen Termin mit zeitlichem Abstand gewählt, hieß es zur Erklärung. Ziel des Treffens sei es, aus dem aktuellen Fall zu lernen und die Koordinierung und das Frühwarnsystem zu verbessern. Das Treffen solle „kein Krisentreffen“ sein – wie dies zunächst angekündigt worden war. Nach Angaben der Kommission hat der Skandal mittlerweile 15 EU-Staaten, die Schweiz und Hongkong erreicht. Dabei geht es um Eier, die mit dem Insektizid Fipronil verunreinigt sind.

An dem „Spitzentreffen auf höchstem Niveau“ sollen die verantwortlichen Minister aller betroffener Länder sowie Vertreter der nationalen Lebensmittelaufsichtsbehörden teilnehmen. EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis hatte seinen Vorschlag für das Treffen nach eigenen Angaben mit dem belgischen Agrarminister Denis Ducarme (MR) und dessen deutschen und niederländischen Kollegen abgesprochen. Über eventuelle Finanzhilfen Europas für die betroffenen Bauern hat die Kommission noch nichts beschlossen, weil sie zuvor alle möglichen Risiken für die Volksgesundheit in Angriff nehmen will.

In Deutschland, wo rund 10,7 Millionen „möglicherweise mit Fipronil belastete Eier“ aus den Niederlanden importiert worden sein sollen, hat der Discounter Aldi wieder Eier ins Angebot aufgenommen, nachdem er Ende vergangener Woche sämtliche Eier vorsorglich verbannt hatte. Die Eier, die jetzt in den Verkauf gehen, sollen auf das Insektizid getestet sein.

Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass 20 Tonnen mit Fipronil belastete Eier nach Dänemark geliefert wurden. Eine dänische Firma habe die gepellten und gekochten Eier von einem belgischen Händler bezogen – produziert wurden die Eier demnach aber in den Niederlanden. Am Freitag wurden zwei weitere Tonnen entdeckt. Großbritannien geht mittlerweile von 700.000 belasteten Eiern aus, die importiert wurden. Das ist etwa 33 Mal so viel wie zunächst angenommen. Rumänien teilte mit, die Behörden hätten eine Tonne flüssiges Eigelb mit Fipronil-Belastung sichergestellt – geliefert wurde die Ware demnach aus Deutschland. Das Eigelb soll nun verbrannt werden.

In Österreich verkauften zwei Großhändler Hunderte Kilo gekochter und geschälter Eier aus den Niederlanden, die mutmaßlich belastet sind, wie die Lebensmittelaufsicht mitteilte. Eine Rückrufaktion laufe. In Frankreich sind laut Landwirtschaftsministerium bislang nur Eier betroffen, die zur Weiterverarbeitung bestimmt waren. Fünf Betriebe haben demzufolge insgesamt 1,7 Millionen kontaminierte Eier aus den Niederlanden und aus Belgien bekommen. Auch ander EU-Länder, darunter Luxemburg, sind vom Skandal betroffen – Spanien und Portugal nach ersten Erkenntnissen hingegen nicht.

Die Ermittlungen laufen derweil auf Hochtouren: Die beiden Chefs des niederländischen Unternehmens ChickFriend bleiben vorerst in Untersuchungshaft. Sie sollen weiter vernommen werden, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Am Montag müsse dann über eine mögliche Verlängerung der Untersuchungshaft entschieden werden. Die Männer waren am Donnerstag wegen des Verdachts der Gefährdung der öffentlichen Gesundheit und des Besitzes verbotener Stoffe festgenommen worden. Was die beiden zu den Vorwürfen sagen, ist noch nicht bekannt.

ChickFriend ist ein Unternehmen, das unter anderem Ställe reinigt. Der Vorwurf: Die Firma soll wissentlich eine an sich zugelassene Desinfektionslösung verwendet haben, der aber Fipronil zugesetzt worden war. Bei dem Stoff handelt es sich um ein Insektizid, das in der Geflügelhaltung nicht verwendet werden darf.

Vom Eier-Skandal betroffene Länder

Die Liste der vom Fipronil-Skandal betroffenen Länder:

Länder, in denen mit Fipronil belastete Eier entdeckt wurden und in denen Höfe von Geflügelzüchtern wegen der mutmaßlichen Verwendung des Insektengifts gesperrt wurden:

– Belgien

– Deutschland

– Niederlande

– Frankreich

Länder, in die mit Fipronil belastete Eier oder Eierprodukte exportiert wurden:

– Schweden

– Großbritannien

– Österreich

– Irland

– Italien

– Luxemburg

– Polen

– Rumänien

– Slowakei

– Slowenien

– Dänemark

– Schweiz

– Hongkong

(gz/belga/dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte beachten Sie unsere Netiquette, wenn Sie den Artikel kommentieren möchten.