Erste Schritte zum Urwald von morgen

Naturpark Eifel

Der Nationalpark soll sich über Generationen zum Buchen-Urwald der Zukunft entwickeln, mit dem Hainsimsen-Gras als Gesellschafter. | Foto: Oliver Berg/dpa

Ein wissenschaftliches Porträt zeigt den jungen Nationalpark Eifel. Vom Urwald der Zukunft ist er zwar noch entfernt. Aber wie spannend der Weg dahin ist, zeigt nicht zuletzt eine alte Buche.

Von Elke Silberer

Noch ist diese Buche eine Ausnahme im Nationalpark Eifel: Älter als zwei Menschenleben. Um die Krone zu sehen, muss man den Kopf weit in den Nacken legen. Bleibt sie gesund, schafft sie locker 250 Jahre und wird dann über Jahrzehnte langsam zerfallen: Mit ihrem toten Holz lockt sie dann viele Insektenarten an, vielleicht auch Fledermaus und Wildkatze.

Diese Buche ist der dickste und damit wahrscheinlich auch älteste Baum, der bei der Stichprobeninventur 2012/13 im Nationalpark gemessen wurde. Aus einem Stichprobennetz erfassten Fachleute an rund 1.500 Punkten, was dort wächst: also Pflanzen wie Kräuter, Gräser, Moose und natürlich auch Bäume und Sträucher. Nach der wissenschaftlichen Auswertung ergibt sich daraus eine Art erstes umfassendes Porträt, das in diesen Tagen in einem Bericht veröffentlicht wird. Alle zehn Jahre wird diese Inventur wiederholt und die Fachleute können an jeder neuen Aufnahme ablesen, wie sich das „Kind“ entwickelt. Der Nationalpark soll sich über Generationen zum Buchen-Urwald der Zukunft entwickeln, mit dem Hainsimsen-Gras als Gesellschafter.

Noch ist das Schutzgebiet von der früheren Nutzung als Wirtschaftswald geprägt.

Jetzt ist das Schutzgebiet noch von der früheren Nutzung als Wirtschaftswald geprägt, in dem das Holz Geld bringen musste. Dass es nur wenige alte Bäume gibt, hat seinen guten Grund: Die Stämme dürfen für die Sägebetriebe nicht so dick sein, wie Hans-Joachim Spors von der Forschung und Dokumentation im Nationalpark sagt: „Die zweite Hälfte ihres Lebens erreichen die Bäume in einem Wirtschaftswald nicht.“

Jetzt, wo Bäume im Nationalpark ihren ganzen Lebenszyklus leben dürfen, wird es auch mehr Totholz geben. Als Lebensraum für viele hochspezialisierte Tiere gilt es als ökologisches Gold in einem Wald. Der Totholz-Anteil im Nationalpark ist laut Bericht im Landesvergleich schon jetzt etwas höher, aber im Vergleich zu naturbelassenen Wäldern gering. Zurzeit bestehen 49 Prozent des Waldes aus Nadelbäumen, wie das Porträt zeigt. Aber schon jetzt lesen die Fachleute ab, dass die Starthilfen durch das Fällen von Fichten und Douglasien und das Pflanzen von Buchen seine Wirkung zeigt: Beim Nachwuchs geht der Trend zum Laubwald.

Der Messpunkt 1.399 mit der alten Vorzeige-Buche ist ein Blick in die Zukunft. In dem Waldstück darf die Natur schon seit den siebziger Jahren ohne Einfluss von Menschen laufen, wie Spors das ausdrückt. Das Waldstück hat rund 30 Jahre Vorsprung vor dem übrigen Gebiet im Nationalpark Eifel. Der alte Nachbar neben der Buche hat die Fäule. Ein großes Stück Stamm samt Krone ist abgebrochen. Das ist die Chance, auf die eine junge Buchengruppe gewartet hat. Endlich hat der Alte Platz gemacht und lässt für die Jungen Licht zum Wachsen durch.

Wie lange es dauert, bis zum Urwald der Zukunft? „Der Anfang ist das Wichtige. Wir haben den Anfang gemacht“, sagt Spors. Und später komme der Zeitpunkt, wo der Mensch loslassen und die Natur laufen lassen müsse. (dpa)

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