Drei „echte Pfaffen“ als Dreigestirn im Heinsberger Narrenland

Brauchtum

Das närrische Dreigestirn in Heinsberg: Jungfrau Reni (René Mertens, katholischer Pfarrer), Prinz Markus I. (Markus Bruns, katholischer Pfarrer) und Bauer Martin (Martin Jordan, evangelischer Pfarrer, v. l. ) singen in der St. Gangolf Kirche. | Foto: Oliver Berg/dpa

Es ist wohl die ungewöhnlichste Frage, mit der sich drei Pfarrer in Deutschland je auseinandersetzen mussten: Wer macht die Jungfrau?

Von Elke Silberer

Der Protestant ist schnell raus aus der Nummer: „Die Jungfrau passt nicht zum Bart“, sagt der Bartträger Martin Jordan. Sein katholischer Kollege Markus Bruns ist mit 1,86 Meter der Längste im Heinsberger Dreigestirn – Gardemaß für den Prinzen.

Und so schminkt sich jetzt der katholische Pfarrer René Mertens die Bäckchen rot, legt den Lippenstift auf, greift zum Handspiegelchen und versprüht als Jungfrau Reni im Heinsberger Narrenland liebreizenden Charme. „René ist das nette Gesicht im Dreigestirn“, lobt Prinz Markus den Kollegen.

Mit den „drei echten Pfaffen“ – wie es in der Inthronisations-Rede etwas despektierlich heißt – tourt ein närrisches Dreigestirn der besonderen Art in Heinsberg durch die Karnevalssäle. „Die Idee kam uns bei einer Bierlaune“, erzählt Bruns, der im richtigen Leben Vorsitzender eines Pfarrverbunds mit 15 Gemeinden im Raum Heinsberg und Pfarrer von sieben Gemeinden ist. Das Reformationsgedenken im vergangenen Jahr war mit vielen gemeinsamen Veranstaltungen für katholische und evangelische Pfarrer eine große Geschichte. „Da wäre der karnevalistische Einsatz doch ein sehr schöner Abschluss des Lutherjahres“, erinnert sich der katholische Pfarrer Bruns an den Anfang einer ungewöhnlichen Geschichte. Zumal Karneval ja einen zutiefst christlichen Ursprung habe: An den jecken Tagen können die Menschen vor der Fastenzeit noch mal fröhlich auf die Pauke hauen – inklusive der Pfarrer: „Wir sind ja keine trüben Tassen!“, sagt Prinz Markus.

Der Aachener Bischof hat nichts dagegen, gibt den katholischen Pfarrern aber so etwas wie einen freundschaftlichen Rat, sinngemäß: Guckt, dass Ihr Euch nicht zur Lachnummer macht. Das sollte alles in einem angemessenen Rahmen passieren – vor allem mit Blick auf die Jungfrau.

So sieht sich der katholische Pfarrer René Mertens in der Rolle der Jungfrau Reni in der schwierigsten Rolle.

Als Mann in Frauenkleidern, dazu noch als Priester, das könne manch einen auf komische Gedanken bringen, macht er deutlich. Für ein Tänzchen auf der Bühne ist er zu haben, und das Bützen gehört ja zum Karneval. Aber mal kräftig die Saumspitze seines prächtigen Samtkleides lupfen, das passt für ihn einfach nicht.

Wer von den Dreien der Chef im Karneval ist? Der protestantische Minderheiten-Mann, Bauer Martin Jordan, schwingt den Dreschflegel und sagt selbstbewusst: „Der Bauer ist der wichtigste, weil er fürs Essen sorgt.“ Prinz Markus kontert: „Ich zeige den Leuten, wo der Hammer hängt.“ Tatsächlich schwingt der Herrscher traditionell einen Hammer statt des Zepters.

Ihr Lied heißt: „Wir stehen zusammen in Spaß und Freud.“

Während Protestanten und Katholiken in Deutschland nach dem Reformationsjahr stärker zusammenarbeiten wollen, aber noch einen weiten Weg vor sich haben, sieht in Heinsberg schon vieles nach Einheit aus – wenigstens im Karneval.

Wenn die Drei auf den Bühnen zusammen ihr selbst geschriebenes Lied „Wir stehen zusammen in Spaß und Freud“ singen, fragt keiner mehr, wer katholisch und wer evangelisch ist. (dpa)

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