Schwimmunterricht in der DG: Es geht um Leben und Tod

Kommentar

Ein Rettungsring liegt in einem Freibad im Wasser. Jedes Jahr ertrinken in Europa Hunderte Menschen. | Foto: dpa

Welch traurige Entwicklung: Immer weniger Menschen können schwimmen, auch hier in Ostbelgien. Es gibt zwar kein verlässliches Zahlenmaterial aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft, das diese Feststellung mit Fakten untermauert, doch Gegenteiliges behauptet eigentlich niemand. Es wird Zeit, dass der Trend aufgehalten wird. Ein Kommentar.

Von Mario Vondegracht

Dass immer mehr Ostbelgier zu der Kategorie der Nichtschwimmer gehören, ist eine fatale Entwicklung. Sie ist aber logisch, denn es gibt viele gesellschaftliche Gründe, warum immer mehr Kinder, Jugendliche und Erwachsene nicht mehr spontan ins kühle Nass der Meere, Seen, Flüsse, Schwimmbäder und Swimmingpools eintauchen können. Unter anderem trifft die Schuld die Schulen, denen die Finanzmittel offenbar nicht ausreichen, um genügend Unterrichtsstunden anzubieten, damit sie ihrem gesellschaftlichen Auftrag nachkommen können. Einige Lehrer sind oftmals überfordert, unter Zeitdruck oder zu schlecht ausgebildet, um den Heranwachsenden die elementaren Grundkenntnisse des Schwimmens beizubringen.

Lieber eine Stunde weniger PlayStation und dafür ab ins nächste Schwimmbad.

Doch das alleine ist es sicherlich nicht. Besonders die Eltern sind dazu aufgefordert, ihre Kinder dabei zu unterstützen, die richtigen Techniken zu erlernen, damit sie im schlimmsten Fall nicht untergehen. Väter und Mütter müssen sich wieder die Zeit nehmen, auch wenn die in unserer Leistungsgesellschaft immer knapper wird. Lieber eine Stunde weniger PlayStation und dafür ab ins nächste Schwimmbad, um dem Nachwuchs die Angst vor dem Wasser zu nehmen. Der Kelmiser Schwimmlehrer Alexander Offermann spricht davon, die Eltern „in die Pflicht zu nehmen“. Er hat Recht.

Alle Beteiligten gehören an einen „runden Tisch für mehr Schwimmer in Ostbelgien“.

Die Politik darf sich allerdings auch nicht aus der Verantwortung stehlen und auf ein Dekret verweisen, das die Schulen dazu verpflichtet, bis zum 4. Primarschuljahr jedem Kind das Schwimmen beizubringen. In diesem Fall ist die Initiative des Bildungsministers Harald Mollers zu begrüßen, sich nach den Kommunalwahlen mit den neuen Schulschöffen zusammenzusetzen, um das Problem zu erörtern und nach Lösungen zu suchen. Dabei macht der ProDG-Politiker einen kleinen, aber entscheidenden Denkfehler: Nicht nur die Schulen und Schulträger gehören an einen „runden Tisch für mehr Schwimmer in Ostbelgien“, sondern auch Elternverbände, Badbetreiber und vor allem Schwimmklubs (und selbst Anbieter von Babyschwimmen). Letztere erledigen nämlich auch einen wichtigen Job in ihren Basis- bzw. Anfängerkursen. Es muss alles dafür getan werden, dass Schwimmen ein wichtiges, allgemeines Gut bleibt. Es ist nämlich essenziell. Wenn das bedeutet, dass die DG mehr Subsidien bereitstellen muss, damit die Schulen den Mehrunterricht bezahlen können, dann ist das eben so. Schwimmen zu lernen, ist aufwendig und kostenintensiv. Eine Kletterwand rettet keine Leben, schwimmen schon. Und was spricht gegen einen Schwimmtest am Ende der Primarschule? Zwar würde der Stress für die Kinder damit steigen, doch am Ende geht es um Leben und Tod.

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