Walter Schneider: „Es gibt keinen unschönen Fleck“

LokalRunde

Fabrice Baumgarten (l.), Susanne Visé (3. v.l.), Walter Schneider (3.v.r) und Issa Gamboulatov (r.) diskutierten im Rahmen der LokalRunde mit den GrenzEcho-Redakteuren Jürgen Heck (2.v.l.) und Cynthia Lemaire.
Fabrice Baumgarten (l.), Susanne Visé (3. v.l.), Walter Schneider (3.v.r) und Issa Gamboulatov (r.) diskutierten im Rahmen der LokalRunde mit den GrenzEcho-Redakteuren Jürgen Heck (2.v.l.) und Cynthia Lemaire. | Foto: Ralf Schaus

Zur fünften Station der GrenzEcho-Tournee durch Ostbelgien kamen rund 100 Gäste ins Hotel Bosten in der Unterstadt. Heiße Eisen, die diskutiert wurden, waren u. a. die Verkehrssituation, der Scheiblerplatz oder die Integrationsthematik.

Von Nathalie Wimmer

Die Frage, wie es in der Unterstadt um die Integration Zugezogener steht, kam zu Anfang der knapp anderthalbstündigen Gesprächsrunde, die erst langsam an Fahrt aufnahm, aufs Tapet. Susanne Visé, Mitglied des Vereins „Die Unterstadt, ein starkes Viertel“, sprach von einem „friedlichen Nebeneinander“ ohne wirkliche „Berührungspunkte“ – zumindest was die Erwachsenen angehe. Diesen Eindruck bestätigte auch der Jugendarbeiter Fabrice Baumgarten. Er bezeichnete die Thematik als „Generationsproblem“. Bei Kindern und Jugendlichen gelänge die Integration noch spielerisch. „Wer jung ist, scheint eher bereit, auf Neues zuzugehen“, so seine Vermutung.

Walter Schneider: „Um die Unterstadt noch schöner zu machen, sind wir alle gefragt.“

Als gebürtiger Tschetschene erinnerte Issa Gamboulatov an den „Kulturschock“, den man im ersten Moment erlebe, wenn man aus seiner Heimat in ein neues Land ziehe. Er sah in dem Patenschaftsmodell, bei dem hiesige Familien Zugezogenen helfen, eine wichtige Triebfeder der Integration. Prompt meldete sich auch eine Teilnehmerin des Projektes aus dem Publikum. Yvonne Haep, die eine Familie aus dem Kosovo begleitet, sah die Aufnahmegesellschaft in der Pflicht, verstärkt auf

Neuankömmlinge zuzugehen. Eine andere Unterstädterin, Nicole Jungbluth, war entgegengesetzter Meinung und verlangte mehr Einsatz von den Neuankömmlingen. Die beiden Wortmeldungen machten deutlich, dass es hier durchaus noch Handlungs- und Diskussionsbedarf gibt.

Ein anderer Punkt, der ebenfalls für Kontraversen sorgte, waren die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten in der Unterstadt. „Entscheidend sind die Moneten“, fasste Walter Schneider, Präsident des Eupener Sportbundes, zusammen. Seiner Meinung nach ist die Ansiedlung eines Supermarktes bisher an dessen Unrentabilität gescheitert. Auch aus der Sicht der Jugendlichen sei das Fehlen des Supermarktes ein Manko, so Jugendarbeiter Fabrice Baumgarten. Susanne Visé machte klar, dass sich die Unterstädter auch an die eigene Nase fassen müssen. Das Kaufverhalten der Menschen, die sich nach der Arbeit schnell im Großkaufhaus eindecken, habe Mitschuld daran, dass es für kleine bis mittlere Lebensmittelgeschäfte schwer sei, rentabel zu bleiben. „Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein typisches Unterstädter Phänomen. Wichtig sind für uns eine gute Busverbindung aus der Unterstadt in die Oberstadt und der Unterstädter Markt“, so ihre Meinung. Aus dem Publikum bestätigte die Erste Schöffin, Claudia Niessen (Ecolo), dass die öffentliche Hand bei der Ansiedlung eines Supermarktes nur als Vermittler auftreten könne. Viel mehr Handhabe gebe es für die Stadt, was die Verschönerung und Verbesserung des Marktstandortes angeht.

„Wichtig ist für uns eine gute Busverbindung aus der Unterstadt in die Oberstadt“, so Susanne Visé.

Der Scheiblerplatz war dann auch ein weiteres Thema, das angesprochen wurde. Er solle multifunktional werden und Platz für den Markt, die Kirmes und andere Veranstaltungen bieten, so schwebte Susanne Visé vor. Außerdem wünscht sich ihre Vereinigung einen Pavillon auf dem Platz und einen Blickfang am Zusammenfluss von Hill und Weser, wie es ihn vor Jahren mit den roten Schafen gab. Auch der Landschaftsgestalter Heinz Winters meldete sich zu Wort. Er hat bereits Pläne zur Veränderung der Unterstadt ausgearbeitet: „Der Platz kann sich auf jeden Fall noch weiter entwickeln. Er darf aber nicht zum Konkurrenzplatz für Haasstraße oder Themsepark werden. Die Unterstadt ist in eine wunderbare Umgebung eingebettet, das sollte weiter gestärkt werden.“ Ginge es nach ihm, müssten die Parkplätze in der Haasstraße weichen, so könnte die Attraktivität für Geschäftswelt, Touristen und Einheimische gesteigert werden.

Den Faden griff auch Walter Schneider auf. „Wunderschön“ sei die Haasstraße in seinen Augen aber ganz und gar nicht. „Zu viel Stau“, so seine Kritik. Der Lkw-Verkehr zum Kabelwerk lag ihm auf dem Magen, selbst wenn Schöffe Michael Scholl (PFF) erklärte, an der Industriezulieferung sei nun mal nichts zu ändern. Auch die Parksituation wurde aufs Korn genommen. Besonders vor und nach Schulbeginn komme es regelmäßig zum Verkehrschaos in der Unterstadt. „Die breite Masse beklagt die Parksituation an den Schulen und das Chaos in den Straßen, aber der einzelne ist nicht bereit, ein paar Meter zu Fuß zu gehen“, so Claudia Niessen, die verriet, dass man mit dem Ankauf eines Geländes in Sachen Parklatz für Abhilfe sorgen wolle. Walter Schneider brachte die Talsperre als „eine Perle der Unterstadt“ noch ins Gespräch und wünschte sich auch hier eine bessere Busanbindung.

Es gibt also noch viel zu tun, schienen sich die Diskussionspartner einig. Und zumindest alle Unterstädter werden wohl die Eingangsworte von Walter Schneider bejahen können: „Es gibt einfach keinen unschönen Fleck in der Unterstadt.“ Er fügte aber auch hinzu: „Um sie noch schöner zu machen, sind wir alle gefragt.“

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