„Bon Appétit“: Vom Apfel, zum Saft, zum Making-of

Kinderfilmwettbewerb

Pascal, Jérémy und Camilo (v.l.) bei den Dreharbeiten zu ihrem Making-of. | Foto: Paperplane Productions

Sie waren die großen Gewinner des ersten Kinderfilmwettbewerbs „Bon Appétit“: Mit ihrem Kurzfilm „Vom Apfel zum Saft“ haben Jérémy Corman (13), Camilo Küches (14) und Pascal Mülverstedt (13) aus Lontzen im letzten Jahr sowohl den Publikumspreis als auch den Preis für die beste Filmcrew eingeheimst. Nun gibt es Neues von den drei Freunden.

Jérémy, Camilo und Pascal sind nicht sehr gesprächig. Aber wenn es ums Filmen geht, sprudeln die Ideen nur so aus den drei Freunden heraus. So wie damals, vor etwas mehr als einem Jahr, als sie sich entschlossen, beim Kinderfilmwettbewerb anzutreten.

Es war die allererste Auflage des Filmwettbewerbs, an dem Kinder aus ganz Ostbelgien teilnehmen konnten. Der Medienpädagoge Jean-Marie Richter aus Eupen hat ihn ins Leben gerufen. Jérémy, Camilo und Pascal haben viel von „Shamy“, wie er genannt wird, gelernt. Seit Jahren bringt er, in Zusammenarbeit mit den Schulen der DG, Kindern spielerisch das Medium Video näher. So auch den drei Freunden.

Daniel Beckers (r) zeigt den drei Freunden, wie Profis arbeiten.
Daniel Beckers (r) zeigt den drei Freunden, wie Profis arbeiten. | Foto: Paperplane Productions

Beim Filmwettbewerb konnten Jérémy, Camilo und Pascal zeigen, was sie draufhaben. Einzige Voraussetzung: Der Film sollte nicht länger als drei Minuten sein, und er musste sich um das Thema Essen drehen. Gesagt, getan: Ohne professionelle Hilfe, mit den einfachen Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen, und einer ordentlichen Portion Naturtalent produzierten die Drei den Kurzfilm „Vom Apfel zum Saft“. In der Hauptrolle ist Jérémy zu sehen, dem im Garten ein saftiger grüner Apfel auf den Kopf fällt. Darüber ärgert er sich so sehr, dass er einzig mit seiner Muskelkraft den süßen Saft aus dem Apfel herauspresst – dem Apfel gefällt das gar nicht.

Vom Drehbuch über das Filmen bis hin zum Schnitt und den Spezialeffekten – alles haben die drei Freunde damals selber gemacht. Und zwar so gut, dass sie beim Filmwettbewerb richtig abräumten und einen Filmdreh mit echten Profis gewannen. Der Preis wurde gestiftet von der Eupener Produktionsfirma Paperplane Productions und dem GrenzEcho. Das Ergebnis ist nun fertig.

Mit der sogenannten Stop-Motion-Technik kann man Legofiguren zum Leben erwecken.

Mit professioneller Unterstützung von Paperplane Productions haben sie ein Making-of ihres Gewinnerfilms „Vom Apfel zum Saft“ realisiert. „Es ist ein Blick hinter die Kulissen“, erklärt Jérémy. „Man kann sehen, wie der Film damals entstanden ist.“ Die Idee zum Making-of kommt von den Jungs selber. Lediglich bei der Umsetzung bekamen sie Hilfe von Kameramann Daniel Beckers, der den Nachwuchsfilmern gezeigt hat, wie die Profis es machen.

Weil ein Film mit echten Schauspielern viel zu langweilig wäre, und die Drei mal etwas Neues ausprobieren wollten, holten sie ihre alten Legosteine vom Speicher und erweckten die Figürchen zum Leben. Wie das geht? Mit der Stop-Motion-Filmtechnik. Jérémy erklärt, was es damit auf sich hat: „Man fotografiert eine Szene, dann verändert man eine Kleinigkeit und fotografiert die Szene erneut.“ Wenn man das oft genug wiederholt, und sich dabei geschickt genug anstellt, sehen die Bilder nachher aneinandergereiht aus wie ein normaler Film. Man kann sich das vorstellen wie ein Daumenkino, nur eben digital. Damit der Eindruck einer echten Bewegung entsteht, müssen die Bilder sehr schnell hintereinander abgespielt werden – 13 Fotos in gerade mal einer Sekunde. Jérémy, Camilo und Pascal haben für ihr Making-of mehr als 300 Fotos verwendet. Die zu produzieren, das dauerte. Zwei Tage Arbeit stecken in dem knapp einminütigen Film.

„Das Fotografieren hat die meiste Zeit in Anspruch genommen“, erzählt Camilo. Und das war nur die Hälfte der Arbeit: Zwischendurch musste das Set, also der Raum, in dem sich eine Szene abspielt, mehrfach umgebaut werden. Dreimal, um genau zu sein. Denn das Making-of besteht aus drei Szenen: „Zuerst sieht man uns, wie wir gemeinsam überlegen, was wir beim Filmwettbewerb einreichen können. Dann sieht man uns bei den Dreharbeiten. Und als letztes die Preisverleihung“, erklärt Pascal. Anschließend mussten die Bilder am Computer aneinandergereiht und mit dem passenden Ton unterlegt werden. Und der kommt nicht etwa aus der Dose: „Wir haben im Freien Geräusche aufgenommen und den Ton teilweise selber eingesprochen“, so Pascal. Am Ende der zwei Tage blieb sogar noch etwas Zeit für ein paar filmtechnische Kniffe: So haben die Drei unter anderem gelernt, wie man beim Filmen die Schärfe verlagert. „Das hat großen Spaß gemacht“, sind sich die Freunde einig. Und bestimmt wird es nicht ihr letzter Film gewesen sein. (sue)

Wer neugierig geworden ist, darf sich freuen: Im kommenden Jahr findet wieder ein Kinderfilmwettbewerb statt – dann aber unter einem anderen, spannenden Motto.

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