Malerei trifft bei „Plazza del Arte“ auf Musik und Tanz

Veranstaltung

Bei „Plazza del Arte“ präsentierten die Protagonisten ein harmonisches Zusammenspiel mehrerer Kunstformen. | Foto: Klaus Schlupp

Bildende Kunst, Tanz, Gitarre, Bläser und vor allem die ausgezeichneten Streicher von Eastbelgica harmonierten am Samstagabend bei „Plazza del Arte“ im Eupen Plazza zu einem harmonischen Ganzen.

Von Klaus Schlupp

James Dean, Wolfgang Amadeus Mozart, Kurt Cobain, Amy Winehouse und zuletzt Avicii. Manch ein Künstler stirbt jung, weil er in irgendeiner Weise an der Welt zerbricht. Zum Gedenken an alle diese Menschen, die der Welt viel gegeben haben, hat sich das Eastbelgica Streichquartett spontan entschlossen, das Konzert „Plazza del Arte“ mit zwei Stücken des kürzlich verstorbenen schwedischen DJs zu spielen.

„Plazza del Arte“ heißt nicht nur großartige Streichermusik, es ist ein harmonisches Zusammenspiel mehrerer Kunstformen. Schon bei den beiden Avicii-Stücken waren Sergio Wolf und Déborah von Cauter dabei, denn im Laufe des Abends ging es nach Argentinien.

Zur Tangomusik wurde live getanzt und ein Gemälde entstand.

Das heißt natürlich „Tango“. Langsam, ausdrucksstark und hoch erotisch bewegte sich das Paar zur Musik und zeigte in Perfektion das ständige Werben und Abstoßen, das den argentinischen Tango ausmacht. Mit passenden Videoprojektionen ging es mit der „Suite Buenos Aires“ in die argentinische Hauptstadt. Der Komponist Máximo Diego Pujol führt musikalisch vom tangolastigen Arbeiterviertel Pompeya über die gemischten Viertel Palermo und San Telmo bis hin zum Mikrocenso, dem Geschäfts- und Börsenviertel, wo der Tango immer mehr in eine hektische teils dissonante Musik übergeht, die das Treiben und die Hektik eines Handelsplatzes hörbar macht. Verstärkung erhielt das Streichquartett – logisch – durch eine Gitarre. Der studierte Gitarrist Vendim Thaqi sorgte mit seinem Instrument für den lateinamerikanischen Sound sowohl bei Pujol als auch beim „Tango en Skaï“, dem „Kunstledertango“ von Roland Dyens. Hier zeigte sich auch, dass klassische Musik und Humor keine Gegensätze sind. Der Franzose spielt mit den Tangoklischees und setzt sie in eine ausgesprochen heitere Musik um. In eine ganz andere Zeit und Welt führte das große Streichorchester Eastbelgica. Ein seltenes Soloinstrument ist die Bratsche. Mit dem Aachener Symphoniker und Eastbelgica-Gründungsmitglied Herbert Christoph hat das Orchester einen Ausnahmebratschisten in den eigenen Reihen. Mit dem Orchester spielte er das Konzert für Bratsche und Streicher des Mannheimers Carl Stamitz. Kurfürst Karl-Theodor von der Pfalz hatte im 18. Jahrhundert viele bedeutende Musiker in seiner Residenz versammelt, die die symphonische Musik weiterentwickelten und Einfluss auf die spätere Wiener Klassik hatten.

Dass Kunst auch essbar ist, bemerkten die Zuschauer in der Pause. Zu den von den Orchestermusikern detailreich zubereiteten Häppchen gab es mit dem fruchtig-herben Vennbier und dem würzigen Damian zwei Produkte Eupener Braukunst.

Die sichtbare Kunst war mit der Eupener Malerin Jana Rusch vertreten, die die Musik in bildende Kunst umsetzte. Schon beim Tango fing sie an, ihr Bild zu malen. Zunächst waren es nur schwarze Striche, die wie Gekritzel aussahen. Im Laufe des Abends war plötzlich ein Satellit auf dem Bild zu sehen, der sich im Laufe des Schaffensprozesses zu einem Brückenpfeiler wandelte. Mit kräftigem Pinselstrich setzte sie Blautöne. Das Bild wandelte sich immer mehr zu einem ausdrucksstarken Kunstwerk. Es ist ein hochemotionales Bild des explodierenden und hektischen städtischen Lebens, das in Ministerpräsident Oliver Paasch einen Fan gefunden hat, der überlegt, es für die DG zu erwerben.

Das Streichorchester wandelte sich zum großen Symphonieorchester.

In der Pause merkte man, es tut sich etwas. Schon bei Stamitz war das Orchester durch Bläser verstärkt gewesen. Jetzt zogen Pauken, eine Harfe und noch mehr Bläser ein, und das Streichorchester wandelte sich zum großen Symphonieorchester. Denn das brauchte man für die eindrucksvollen liturgischen Klänge des Kol Nidrei von Max Bruch. Die traditionellen Klänge des jüdischen Gebetes am Abend des Jom Kippur (Versöhnungstag) verdichtete der Protestant Bruch zu einem dichten Klangteppich. Die Aufführung wäre beinahe ausgefallen, weil die Solocellistin abgesagt hatte. Doch mit François Robinet, Cellist beim kgl. Philharmonieorchester Lüttich, wurde ein passender Ersatz gefunden. Den Schluss bildeten mit der 1. Symphonie Ludwig van Beethovens bekannte Klänge. In äußerst sauberem Spiel brachte das Orchester unter Simen van Meensel die Themen gut erkennbar auf die Bühne. Ein großer Applaus für einen großen Abend, der für Publikum und Musiker in eine dritte Halbzeit bei kulinarischen Genüssen unter weiteren Bildern von Jana Rusch überging.

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